Flüchtlinge in der Ägäis Das Sterben geht weiter

Die EU schickt Flüchtlinge in die Türkei zurück - und hofft, so die Krise in den Griff zu bekommen. Doch verzweifelte Migranten versuchen noch immer, in Booten nach Griechenland zu kommen. Jetzt ist wieder eins gekentert, vier Frauen und ein Kind starben.

AFP

Fünf Flüchtlinge sind vor der griechischen Ägäisinsel Samos ertrunken. Es sind die ersten Toten seit Inkrafttreten des umstrittenen EU-Türkei-Abkommens.

In der Nacht zum Samstag kenterte ein Schlauchboot bei starkem Wind und Wellengang. Vier Frauen konnten nur noch tot geborgen werden, wie die Küstenwache berichtete.

Ein Kind wurde gerettet, starb aber kurze Zeit später. Weitere fünf Flüchtlinge überlebten die Havarie. Sie kämpften drei Stunden im Wasser, bis Rettungsboote sie fanden. Unklar war zunächst, wie viele Flüchtlinge insgesamt an Bord waren.

Vier Boote der EU-Grenzschutzagentur Frontex und der griechischen Küstenwache durchkreuzten in den Morgenstunden das Meeresgebiet auf der Suche nach weiteren Überlebenden. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

Seit Anfang der Woche schickt Griechenland Flüchtlinge zurück in die Türkei. Das EU-Türkei-Abkommen soll auch abschreckende Wirkung haben. Das Ziel: Weniger Migranten kommen über die Ägäis. Tatsächlich gingen die Zahlen zuletzt zurück. Doch manche wagen trotzdem die gefährliche Überfahrt in wackeligen Booten. Von Freitag auf Samstag waren es 120. Die Erfahrung zeigt zudem: Wenn eine Route dicht ist, weichen Flüchtlinge auf andere, oft gefährlichere Wege aus.

Fotostrecke

12  Bilder
Flüchtlingslager Idomeni: Symbol für Europas Versagen
Für jeden Flüchtling aus Griechenland, den Ankara wieder ins Land lässt, will die EU der Türkei je einen Syrer abnehmen. Die Umsetzung des Paktes hatte am Montag begonnen. Seitdem haben die griechischen Behörden schon mehr als 400 Flüchtlinge in die Türkei zurückgebracht. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Massenabschiebungen scharf.

In den improvisierten Lagern im nordgriechischen Grenzort Idomeni und am Hafen von Piräus blieb die Lage dagegen unverändert: Die Flüchtlinge, die dort wild campen, weigern sich, in organisierte Auffanglager umzusiedeln.

Das soll ab Montag eine Informationsbroschüre in den Sprachen Arabisch, Farsi, Englisch und Griechisch ändern, die dort verteilt werden soll und die Menschen aufruft, sich in Lagern registrieren zu lassen. Am Hafen von Piräus halten sich nach Angaben des Krisenstabs aktuell rund 4600 Menschen auf, in Idomeni sollen es weiterhin mehr als 11.000 sein.

In der Nähe der mittelgriechischen Stadt Larissa besetzen seit Freitag mehrere Hundert syrische Flüchtlinge die Autobahn. Mit der Blockade protestieren sie gegen die schlechten Zustände in einem nahegelegenen Flüchtlingslager, wo sich derzeit rund 1350 Menschen aufhalten sollen.

Die griechische Polizei leitete den Verkehr um. Auch aus anderen Flüchtlingslagern des Landes verließen die Menschen die Lager Medienberichten zufolge "scharenweise" im Protest gegen die Zustände dort.

Im Video - Verzweifelte Flüchtlinge in Griechenland:

SPIEGEL ONLINE

Anzeige
  • Maximilian Popp (Hrsg.):
    Tödliche Grenzen

    Die Krise der europäischen Flüchtlingspolitik.

    SPIEGEL E-Book; 2,99 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.

kev/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.