Russland und die Griechenlandkrise Rettung aus Moskau? Eher njet.

Athen hofft auf Hilfe aus Moskau, aber der Kreml sieht Tsipras' Regierung durchaus skeptisch. Russland strebt zwar danach, seinen Einfluss in Griechenland auszuweiten, aber nicht um jeden Preis
Lieber doch nicht: Griechischer Premier Alexis Tsipras auf Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin, April 2015

Lieber doch nicht: Griechischer Premier Alexis Tsipras auf Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin, April 2015

Foto: © POOL New / Reuters/ REUTERS

Der russische TV-Moderator Wladimir Solowjow gehört zu den bekanntesten Journalisten des Landes. Er ist darüber hinaus einer der Wortführer von Moskaus Hardlinern. Wenn Solowjow etwa über die Ukraine spricht, dann wirbt er dafür, Russland solle sich nicht nur mit den Separatisten-Gebieten Luhansk und Donezk zufrieden geben, sondern diese als eine Art Brückenkopf benutzen, um die Kontrolle über das ganze Land zur erlangen. Und zwar unter Einsatz von "Diplomatie", aber auch "Partisanen-Trupps".

Solowjow spricht aus, wovon Moskauer Falken träumen. Auch in Sachen Griechenland. Als die Euro-Gruppe zwischenzeitlich eine Verlängerung der Hilfe ablehnte, twitterte Solowjow an eine Million Follower: "Die Gläubiger haben Griechenland eine Absage erteilt. Wie geht es weiter? Auf Wiedersehen EU, Hallo Zollunion?"

Hardliner wie er hoffen, dass Russland aus der Griechenlandkrise Kapital schlagen kann. Die Zollunion ist ein Teil der von Russland ins Leben gerufenen "Eurasischen Wirtschaftsunion". Moskau will sie zu einem Gegengewicht zur EU ausbauen, hat bislang aber nur Kasachstan, Weißrussland, Armenien und Kirgisien für das Vorhaben gewonnen.

Kein Kauf griechischer Staatsanleihen

Sollte Griechenland aus der Eurozone ausscheren, könnte Russland als wichtigster Partner für Athen einspringen. Sollte Griechenland zahlungsunfähig werden, müsste Europa wohl die mehr als 200 Milliarden Euro Hilfen abschreiben, die in den vergangenen Jahren in das Land geflossen waren.

Russland könnte dann - vermutlich für einen deutlich kleineren Betrag - als eine Art "weißer Ritter" für die Griechen auftreten. Moskaus Währungsreserven sind zwar geschrumpft, betragen mit 365 Milliarden Dollar aber immer noch anderthalb mal soviel, wie Griechenlands gesamte Wirtschaftsleistung.

Das bisherige Agieren des Kreml in der Griechenlandkrise spricht allerdings nicht dafür, dass der Kreml einspringt. Moskau hat zwar mit Athen den Bau einer Gaspipeline über griechisches Territorium vereinbart. Die zwei Milliarden Euro Baukosten finanziert die russische Staatsbank VEB. Angesicht des griechischen Schuldenstands von 320 Milliarden Euro ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew formulierte Russlands Position vor einer Woche so: "Wir können Investitionsprojekte unterstützen. Aber ich denke nicht, dass wir bereit sind, griechische Staatsanleihen zu kaufen", sagte er. Helfen ja, retten nein, heißt das.

Auf dem Energiesektor verfolgt Moskau in Griechenland ohnehin eine langfristige Strategie. Der russische Gazprom-Konzern müht sich seit Jahren, seine Präsenz auf dem griechischen Markt auszubauen. Dabei geht es auch darum, Pläne der Konkurrenz zu durchkreuzen. Beim Bieterwettstreit um den ehemals staatlichen Energiekonzern DESFA etwa zogen die Russen 2013 den Kürzeren, den Zuschlag bekam SOCAR aus Aserbaidschan. Die Aserbaidschaner produzieren ebenfalls viel Gas. Sie würden es in Zukunft gern ohne den Umweg über Russland in Europa anbieten.

Kühle Reaktion auf Tspiras' Flirtversuche

Für Alexis Tsipras ist Moskaus Position ernüchternd. Er hat heftig mit dem Kreml geflirtet. Er war zweimal innerhalb weniger Monate zu Besuch bei Putin. Dort beschwor er die "brüderlichen Beziehungen" und schwärmte von einer bevorstehenden "wunderbaren Zukunft" beider Länder.

Eingebracht hat es ihm bislang wenig. Russland hatte zwar im April angekündigt, Griechenland künftig möglicherweise vom Einfuhr-Stopp für Agrarprodukte aus der EU auszunehmen. Aufgehoben aber wurde das Embargo für Griechenland bislang nicht.

Angesichts der wirtschaftlichen Probleme der Griechen würde ein intensiverer Russlandhandel auch kaum Erleichterung bringen. Russland gehört anders als EU-Länder wie Deutschland oder Italien nicht zu den wichtigsten Abnehmern griechischer Waren. Nach Angaben des griechischen Exporteurverbands PEA machten Agrarexporte rund 41 Prozent der Gesamtausfuhren nach Russland aus und beliefen sich auf einen Gesamtwert von 200 Millionen Euro.

Es gehört zu Russlands langfristigen Zielen, seinen Einfluss in Griechenland und auf dem Balkan auszubauen. Beide Länder eint das orthodoxe Christentum. Darüber hinaus knüpfen russische Hardliner seit Jahren Kontakte zu europaskeptischen Politikern in Athen. Einige davon sitzen inzwischen in Tsipras' Kabinett.

Tsipras und Putin aber sind trotz der intensiven Kontakte erkennbar nicht recht miteinander warm geworden. Beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum erklärte Tsipras Mitte Juni vor Wirtschaftsführern aus aller Welt, das "sogenannte Griechenlandproblem ist in Wahrheit ein europäisches Problem".

Im Saal gab es dafür Applaus, von Russlands Präsidenten aber einen als Zustimmung getarnten sarkastischen Seitenhieb. "Na richtig", sagte Putin. "Wenn sie jemandem sehr viel schulden, dann ist das nicht mehr ihr Problem, sondern von demjenigen, dem sie schulden."

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