Griechenland-Referendum Was nun, EU?

Das Nein der Griechen war deutlich: Mehr als 61 Prozent haben die Sparforderungen der Gläubiger abgelehnt. Die EU muss reagieren, der nächste Marathon der Krisensitzungen hat begonnen.
Hollande und Merkel: Ringen um eine gemeinsame Linie

Hollande und Merkel: Ringen um eine gemeinsame Linie

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Jeroen Dijsselbloem ist enttäuscht vom griechischen Nein: "Dieses Ergebnis ist sehr bedauerlich für die Zukunft Griechenlands", sagte der Chef der Eurogruppe zum Referendumsergebnis über die Forderungen der internationalen Gläubiger am Sonntagabend. Für eine Erholung der griechischen Wirtschaft seien "schwierige Maßnahmen und Reformen unvermeidbar", kündigte er an.

Bis zuletzt hatten EU-Spitzenpolitiker für eine Annahme der Gläubigervorschläge geworben und das Referendum zu einer Abstimmung über die europäische Währung erklärt - vergeblich. Das Ergebnis ist überraschend deutlich ausgefallen (lesen Sie hier die Analyse): 61,31 Prozent der Griechen haben nach Angaben des Innenministeriums in Athen mit Nein votiert. Nur 38,69 Prozent der Griechen billigten die Forderungen der Gläubiger. Auf dem Athener Syntagma-Platz feierten am Sonntagabend rund 6000 Menschen das Ergebnis.

Der griechische Premier Alexis Tsipras kündigte in einer Fernsehansprache an, ab Montag werde seine Regierung "die griechische Schuldenlast auf den Verhandlungstisch" legen. Die Regierung sei bereit zu "lebensfähigen Reformen, die von der Gesellschaft angenommen werden". Zugleich betonte Tsipras, dass der Ausgang des Referendums keinen Bruch mit Europa bedeute.

Jubel in Athen bei den Tsipras-Anhängern

Jubel in Athen bei den Tsipras-Anhängern

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Die EU muss nun klären, wie sie mit diesem Votum umgeht, sie ringt um eine gemeinsame Linie. Noch in der Nacht begann Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die Staats- und Regierungschefs "der anderen 18 Eurozonen-Mitglieder sowie die Spitzen der EU-Institutionen" zu konsultieren, wie in Brüssel mitgeteilt wurde. Die Krisendiplomatie läuft auf Hochtouren, hier ein Überblick über die anstehenden Termine:

MONTAG

  • Ab 9 Uhr: Der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos hat in Athen ein Treffen mit den sieben Vorsitzenden der Parteien angesetzt, die im Parlament vertreten sind - bis auf Syriza-Chef Tsipras und Panos Kammenos, den Vorsitzenden des Koalitionspartner Anel, sind alle neu in ihrem Amt.

  • Morgens: Juncker will sich mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und Eurogruppenchef Dijsselbloem in einer Telefonkonferenz austauschen.

  • 12 Uhr: Der für den Euro-Raum zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, gibt eine Pressekonferenz. Er ist damit der erste hochrangige Vertreter der Brüsseler Behörde, der sich nach dem Referendum in Griechenland äußert.

  • Die Finanz-Staatssekretäre der Euroländer beraten in einer Krisensitzung über Folgen des Griechenland-Referendums.

  • Auch der EZB-Rat tagt, wie Österreichs Zentralbank-Chef Ewald Nowotny angekündigt hatte. Er will über die Fortsetzung der ELA-Hilfen für die griechischen Notkredite beraten.

  • Die Finanzminister des Weimarer Dreiecks aus Polen, Deutschland und Frankreich werden bei ihrem Treffen in Warschau über die Griechenlandkrise und möglicherweise polnische Vorbereitungen auf den Euro sprechen. Für 16.30 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt.

  • 18.30 Uhr trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den französischen Präsidenten François Hollande in Paris.

DIENSTAG

  • 18 Uhr: EU-Gipfelchef Donald Tusk hat einen Sondergipfel der Euroländer in Brüssel einberufen, um über die "Situation nach dem Referendum in Griechenland" zu beraten. Dafür hatten sich zuvor Merkel und Hollande ausgesprochen.

  • Zur Vorbereitung des Gipfels treffen sich um 13 Uhr die Eurofinanzminister, wie Dijsselbloems Sprecher mitteilte.


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heb/AFP/dpa
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