Griechenlandkrise Europas Linke feiern ihren Helden

Niemand weiß, wie es mit Griechenland weitergeht, doch die linken Parteien in Europa bejubeln einhellig das Ergebnis des Referendums. Und sie haben für den Ausweg aus der Krise ihre eigenen Ideen - und Forderungen.

Spaniens Podemos-Chef Iglesias (r.), Griechenlands Premier Tsipras (Archivbild): Linker Schulterschluss
AFP

Spaniens Podemos-Chef Iglesias (r.), Griechenlands Premier Tsipras (Archivbild): Linker Schulterschluss


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Griechenland hat einen neuen Finanzminister, aber womöglich schon sehr bald kein Geld mehr. Am Dienstag berät ein EU-Krisengipfel über das weitere Vorgehen. Viele Vertreter linker Parteien in ganz Europa begrüßen den Ausgang des Referendums, in dem das griechische Volk mehrheitlich die Sparpläne der Gläubiger abgelehnt hatte. Doch wie soll es aus Sicht der europäischen Linken nun weitergehen? Der Überblick:

Podemos-Politiker Iglesias: "In Griechenland hat die Demokratie gewonnen"
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Podemos-Politiker Iglesias: "In Griechenland hat die Demokratie gewonnen"

Spanien: Pablo Iglesias (Podemos)

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Heft 28/2015
Scheitert der Euro, scheitert Merkels Kanzlerschaft

Für Pablo Iglesias ist der Ausgang des Referendums ein Sieg der Demokratie: "In Griechenland hat heute die Demokratie gewonnen", twitterte der Chef der spanischen Protestpartei Podemos ("Wir können"). Der 36-jährige Politikdozent, der sich auf seinem Twitter-Profilbild Arm in Arm mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zeigt, bezeichnet die Gläubiger als Tyrannen, die den Menschen in Griechenland und auch in Spanien "mit Drohungen Angst einzujagen versuchen". Bei den Regionalwahlen im Mai hatte Podemos bereits überraschende Erfolge unter anderem in den Metropolen Madrid und Barcelona errungen. Ende des Jahres findet in Spanien die Parlamentswahl statt, bei der sich Podemos Hoffnungen auf ähnliche Erfolge macht wie Syriza in Griechenland.

Oppositionschef Costa: "Die Entscheidung des griechischen Volkes respektieren"
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Oppositionschef Costa: "Die Entscheidung des griechischen Volkes respektieren"

  • Portugal: António Costa (PS)

Vor wenigen Jahren war Portugal selbst noch Eurokrisenland, nun stellt sich der linke Oppositionsführer António Costa demonstrativ an die Seite der Syriza-Regierung in Athen: "Man muss die souveräne Entscheidung des griechischen Volkes respektieren", forderte der Chef der Sozialistischen Partei (PS). Es sei "absolut inakzeptabel", die Ablehnung der Sparvorschläge als Wunsch der Griechen zu interpretieren, der Eurozone nicht mehr angehören zu wollen. Portugals konservativen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho und die EU rief Costa dazu auf, nun neue Wege zur Lösung der Finanzkrise zu suchen.


Linkspolitiker Mélenchon: Lob für "den immensen Mut des griechischen Volkes"
AFP

Linkspolitiker Mélenchon: Lob für "den immensen Mut des griechischen Volkes"

  • Frankreich: Jean-Luc Mélenchon (Parti de Gauche)

Jean-Luc Mélenchon hat bereits Hunderte Anhänger zu einer Kundgebung auf der Pariser Place de la République versammelt. Der Führer der französischen Linkspartei lobt Tsipras dafür, "auf den Versuch eines Würgegriffs reagiert zu haben". Der wortgewaltige Populist im Interview mit dem Sender RTL: "Das ist der Sieg einer Methode und die Niederlage eines arglistigen und unheilvollen Projekts. Die Krise ist mit Absicht durch die Euro-Gruppe provoziert." Es habe einen Putschversuch gegeben, einen "finanziellen Staatsstreich" gegen Tsipras. Nun könne man anfangen "ernsthaft zu diskutieren", so Mélenchon. "Und das beginnt damit, dass man aufhört, die Leute für dumm zu verkaufen, dass man aufhört, eine Regierung zu zwingen etwas zu tun, für das sie nicht gewählt worden ist." Als Folge aus dem Referendum müsse Europa jetzt Athen einen Zahlungsaufschub gewähren - "oder aber die Regierungen der Euro-Gruppe müssen die gesamten griechischen Schulden bezahlen".


Fraktionschef Gysi: Appell an die Kanzlerin
DPA

Fraktionschef Gysi: Appell an die Kanzlerin

  • Deutschland: Gregor Gysi (Die Linke)
Die Linke in Deutschland fordert von Angela Merkel konkrete Schritte zur Beendigung der Krise in Griechenland: "Jetzt steht die Bundeskanzlerin in der Verantwortung, so schnell wie möglich einen Kompromiss zu finden", sagt der scheidende Linken-Fraktionschef Gregor Gysi. "Einen Grexit können wir uns nicht leisten." Die Strategie der Bundesregierung, die linke Regierung in Griechenland zu stürzen, sei nicht aufgegangen. Ein Kompromiss könne eine Zinssenkung für Kredite und eine befristete Stundung von Schulden sein. Deutschland habe seine Schulden nach dem Ersten Weltkrieg auch erst nach 92 Jahren zurückgezahlt - reduziert durch Schuldenschnitte. Gysi forderte zudem eine internationale Schuldenkonferenz, damit auch Länder wie Irland, Spanien und Portugal stärker berücksichtigt würden.


Populist Grillo: "Schauen wir mal, was nun passieren wird"
DPA

Populist Grillo: "Schauen wir mal, was nun passieren wird"

  • Italien: Beppe Grillo (Movimento 5 Stelle)

Der frühere Komiker und heutige Oppositionspolitiker Beppe Grillo freut sich über das Abstimmungsergebnis in Griechenland: "Das ist ein fantastisches Ergebnis für alle", sagt der Anführer der linkspopulistischen "5-Sterne-Bewegung" (Movimento 5 Stelle). Es gehe nicht um Finanzfragen oder die Wirtschaft, sondern um Geopolitik, so Grillo laut der Zeitung "La Repubblica": "Das ist Demokratie." Schon am Tag des Referendums hatte Grillo in seinem Blog geschrieben, dass das bisherige System der Krisenpolitik am Ende sei. Dessen Prinzip sei perfide: "Ich geb dir Geld, aber ich will es nicht zurück", so Grillo, "und ich nehme dir alles, was du hast." Das Fazit des Politikers: "Schauen wir mal, was nun passieren wird."


Im Video: Der Rücktritt von Finanzminister Varoufakis



mxw/dpa/AFP/Mitarbeit: Stefan Simons

insgesamt 242 Beiträge
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A&O 07.07.2015
1. Hej Pipi Langstrumpf
Ja, so sieht die Linke die Welt. Moralisch immer auf der Höhe und auf der richtigen Seite und das Geld kommt aus der Wand in unbegrenzten Mengen. Erinnert irgendwie alles an Honneckers wirtschaftliche Visionen. Das Schlimme ist, diese Generation ist auch noch stolz darauf!
Reiner_Habitus 07.07.2015
2.
Kein Linker ist offenbar bisher auf die Idee gekommen den Slogan "Banken in die Schranken" auf die griechischen Banken anzuwenden. Die ELAS sind nix weiter als eine verkappte Bankenrettung, von Geldhäusern die sich mit Griechischen Staatsanleihen verspekulieret haben...... Was mit den GR Banken derzeit passiert ist genau das was die Linken immer ablehnen nämlich Verluste sozialisieren und Gewinne Privatisieren...
dissidenz 07.07.2015
3. Die Linke Lösungen...
... Ideen, Forderungen war schon zu allen Zeiten und in allen Staaten der Welt die Gleichen... "zahlen" sollen gefälligst andere. Solange bis keiner mehr Geld hat und alles im A. ist. Und dann... nach ein paar Jahren des Aufbaus und soliden Wirtschaftens... wenn es allen wieder zu gut geht....geht das soziale Gewissen wieder durch und das Verteilungsspiel beginnt von vorne.
laxness 07.07.2015
4. gibt noch eine 5. Lösung
ein Militärputssh in GR. Die Generale übernehmen die Verhandlungen, ohne sich um das OXI der Volksabstimmung kümmern zu müssen. Ich finde das ist die beste Alternative
stinkfisch1000 07.07.2015
5. Aha
Eine Regierung die sich weigert, sich an geschlossene Verträge zu halten, die die Zukunft ihrer Kinder in einem Schuldenstrudel untergehen lässt, die keinen handlungsfähigen Verwaltungsapparat schafft, die leere Versprechungen macht, die sie niemals halten kann, die die Reichen und ihre Vermögen schont, die tatenlos zusieht wie die BEvölkerung ihr Geld ausser Landes schafft, ist also LINKS, und wird von den Linken Europas gefeiert. George Bernard Shaw hat mal gesagt: "Wer mit zwanzig kein Sozialist ist hat kein Herz, und wer mit vierzig noch einer ist, ist ein Trottel!" Ich habe trotzdem langsam das Gefühl, als wenn links zu sein früher etwas anderes bedeutet hat.
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