Flüchtlinge in Griechenland und Ungarn Polizei setzt Blendgranaten und Tränengas ein

Auf mehreren griechischen Inseln eskaliert die Lage in der Flüchtlingskrise. Es gibt Schlägereien und Rangeleien, um auf Fähren zu gelangen. In Ungarn gehen die Behörden rabiat gegen Migranten vor.

Flüchtlinge auf der Insel Lesbos: Es fehlt an Schlafplätzen und Lebensmitteln
AFP

Flüchtlinge auf der Insel Lesbos: Es fehlt an Schlafplätzen und Lebensmitteln


Auf den griechischen Inseln Lesbos und Kos warten Tausende Migranten auf ihre Abreise Richtung Festland. Die Lage ist seit Wochen katastrophal, viele Flüchtlinge sind nicht ausreichend versorgt. Es fehlt an Unterkünften und Lebensmitteln für die Gestrandeten, von denen viele im Freien schlafen. Jetzt kam es zu Rangeleien und Schlägereien. Auf Lesbos setzte die Polizei am Morgen Blendgranaten ein, um rund tausend aus Afghanistan stammende Flüchtlinge daran zu hindern, mit Gewalt auf die Fähre "Blue Star 1" zu kommen, die nach Piräus auslaufen sollte. Das Schiff konnte rechtzeitig ablegen, wie Augenzeugen berichteten.

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, wollen EU-Kommissions- Vizepräsident Frans Timmermans und der für Migrationsfragen zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos am Freitag nach Kos reisen. Am Donnerstagabend war es dort auch zu Schlägereien zwischen Migranten und Einheimischen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Bei den Ausschreitungen wurden nach Berichten örtlicher Medien mehrere Menschen leicht verletzt.

Am Freitagmorgen trafen rund 2500 Flüchtlinge an Bord der Fähre "Eleftherios Venizelos" in der griechischen Hafenstadt Piräus ein. Die Fähre hatte die Menschen am Vortag von den Inseln Kos, Kalymnos, Leros und Lesbos abgeholt. Am Donnerstagabend war eine weitere Fähre mit mehr als 1700 Migranten aus Lesbos in Piräus eingelaufen. Beide sollen im Lauf des Tages erneut zu den Inseln der östlichen Ägäis fahren.

Tränengas in Bicske

Auch in Ungarn wird die Lage immer schwieriger. Allein in den letzten 24 Stunden trafen in dem Land mehr als 3000 neue Flüchtlinge ein. Das teilte die Polizei in Budapest am Freitag mit. Elf Schlepper seien im selben Zeitraum festgenommen worden. Ungarn will den neuen Zaun an der serbischen Grenze vom 15. September an verstärkt mit Militär und Polizei kontrollieren. Das Parlament stimmt in den nächsten Stunden über entsprechende Gesetzesänderungen ab.

Auf dem Bahnhof Bicske eskaliert offenbar inzwischen die Situation. Dort harren 500 Flüchtlinge in einem Zug aus, die sich dagegen wehren, in ein Flüchtlingslager gebracht zu werden. Sie wollen gen Westen weiterreisen. Laut einem Reporter der "New York Times" setzte die Polizei dort jetzt Tränengas ein - nicht zum ersten Mal in der Flüchtlingskrise.

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Ungarn: Protest am Bahnhof Bicske
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ler/dpa/AFP

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