Presseschau aus Griechenland "Deutschland reißt Europa wieder auseinander"

Das Meinungsbild der griechischen Zeitungen ist einhellig: Die Kommentatoren von links bis rechts sind entsetzt von den Forderungen der Euro-Gruppe. In ihrer Wut scheuen die Blätter auch vor geschmacklosen Vergleichen nicht zurück.
"Dimokratia" titelt: "Griechenland in Auschwitz"

"Dimokratia" titelt: "Griechenland in Auschwitz"

Selten war sich Griechenlands Presse - von ganz links bis ganz rechts - so einig wie heute: Die Medien sind wütend und angewidert von den Forderungen der Gläubiger. Das spiegelt auch die Gefühle vieler Griechen wider. Selbst die glühendsten Euro-Unterstützer, die sich bislang hinter die Troika stellten, sagen, die Geldgeber wollten Griechenland demütigen.

Die rechte Tageszeitung "Dimokratia" hat die eindeutigste Titelseite des Tages: "Griechenland in Auschwitz - Schäuble strebt einen Holocaust in Europa an". Das Blatt greift auch die Einschätzung von SPIEGEL ONLINE auf, die Forderungen der Eurofinanzminister seien "grausam". Die Geldgeber stellten Bedingungen auf, "die in die Hölle führen".

Die meistverkaufte Zeitung "Ta Nea" titelt: "Gordischer Knoten". Auf der Frontseite prangt eine Karikatur, die Wolfgang Schäuble in Napoleons Uniform zeigt. Der Finanzminister präsentiert Tsipras eine Liste. Griechenlands Premier antwortet: "Nein, nein, nein! Ich werde niemals eine Schlinge tragen." Währenddessen schaut die Welt zu und sagt: "Alle sind verrückt geworden."

Die linke Tageszeitung "Efsyn" titelt: "Schäuble befiehlt: Versenkt dieses Land!" Das Blatt schreibt von einem "schwarzen Kapitel in der Geschichte der alten Welt, das von seinen Anführern geschrieben wurde. Schäubles Unnachgiebigkeit gegenüber Griechenland hat sich durchgesetzt: Sie verlangen, dass harsche Maßnahmen binnen weniger Tage Gesetz werden."

Das Syriza-Sprachrohr "Avgi" hat folgende Schlagzeile: "Deutschland reißt Europa wieder auseinander." Der Leitartikel beklagt einen Putsch gegen die europäische Idee, der die Souveränität Griechenlands abschaffen, das Land demütigen oder aus dem Euro werfen wolle."

Die Webseite iskra.gr, die als wichtige Plattform für den radikalen Syriza-Flügel gilt, schreibt: "Die Eurozone ist ein Verein von Erpressern und Vernichtern."

Im Video: Verzweiflung bei Griechenlands Generation Krise

SPIEGEL ONLINE