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30. März 2015, 17:47 Uhr

Athens Annäherung an Moskau

Russland freut der Hilferuf der Griechen

Von , Moskau

Premier Tsipras eilt nach Moskau: Athen hofft auf russisches Geld und Hilfe bei den Reparationsforderungen gegen Deutschland. Der Kreml hat gute Gründe für eine Unterstützung der Griechen.

Den heftigsten Beitrag zur Debatte um Russlands Engagement in Griechenland steuert wie immer die Moskauer Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" bei: "Amerika betrügt Griechenland, Deutschland raubt es aus", titelte das dem Kreml nahestehende Blatt. "Retten dagegen kann es allein Russland."

Russlands Engagement für Griechenland hat mehrere Gründe. Beide Länder stehen sich kulturell, geschichtlich und religiös nah. Beide sind geprägt durch das Orthodoxe Christentum. Die Christianisierung Russlands ging im zehnten Jahrhundert vom griechisch geprägten Ost-Rom aus. Anfang des 19. Jahrhunderts dann unterstützte Moskau den Unabhängigkeitskampf Athens gegen die Osmanen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 näherte sich das Nato-Mitglied Griechenland dann Russland an: Athen schloss mit Moskau ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich. Griechenlands Luftabwehr besteht deshalb zu einem großen Teil aus Systemen russischer Bauart, insgesamt belief sich das Volumen griechischer Käufe bei russischen Waffenschmieden in den vergangenen Jahren auf rund fünf Milliarden Dollar.

Die Griechen sollen beim Stopp der Sanktionen helfen

Jetzt hofft der Kreml offenbar, mit Unterstützung aus Griechenland eine Verlängerung der EU-Sanktionen im Sommer zu verhindern. Auch ein Austritt Athens aus der Eurozone und die damit verbundenen Turbulenzen in der EU kämen Russland zupass: Je stärker Europa mit eigenen Problemen beschäftigt ist, desto geringer dürfte die Unterstützung für die Ukraine ausfallen.

Gut möglich, dass die Schlagzeile der russischen Zeitung aber auch die Stimmung im griechischen Kabinett getroffen hat. Premierminister Alexis Tsipras jedenfalls zieht jetzt einen seit Längerem geplanten Moskau-Besuch vor, um in Russland über Hilfen zu verhandeln. Ursprünglich hatte Tsipras erst zu den Feierlichkeiten aus Anlass des Weltkriegsgedenkens am 9. Mai in die russische Hauptstadt reisen wollen.

Nun wird er bereits am 8. April erwartet. Mitte des Monats folgt ihm dann Verteidigungsminister Panos Kammanos; Energieminister Panagiotis Lafazanis und Syrizas Parlamentssprecher Thanasis Petrakos sind bereits seit diesem Montag in Moskau. Mit dem Energieriesen Gazprom wollen sie über eine Senkung der Erdgaspreise verhandeln.

Auch in der für Berlin heiklen Frage von Reparationszahlungen will Griechenland mit dem Kreml zusammenarbeiten. Athen hat Moskau gebeten, alte Sowjetarchive nach Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu durchforsten, mit denen entsprechende Forderungen nach einer "moralischen, historischen und ökonomischen Rehabilitation" gegenüber Deutschland untermauert werden könnten.

Athen hofft auf eine Lockerung des Lebensmittel-Einfuhrstopps

Die Mannschaft von Tsipras sucht bereits seit geraumer Zeit die Nähe zu Russland - vor allem zu Hardlinern. Auf Einladung von Nikos Kotzias - heute Außenminister - hielt zum Beispiel im Jahr 2013 ein rechter russischer Demagoge einen Vortrag an der Universität Piräus: Alexander Dugin träumt von einem eurasischen Imperium und ist berüchtigt für seine Tiraden gegen den Westen.

Ein zweites wichtiges Mitglied der Tsipras-Mannschaft wurde häufiger in Moskau gesehen: Der jetzige Verteidigungsminister Kammanos war zum Beispiel Gast bei einer griechischen Hochzeit, die ein zwielichtiger Moskauer Geschäftsmann ausrichtete: Der orthodoxe Milliardär Konstantin Malofejew ist eine Schlüsselfigur in der Ukraine-Krise. Malofejew hatte prorussische Kräfte auf der Krim finanziert. Zwei Männer aus dem Umfeld seines Fonds "Marshall Capital" führten später die Separatisten in Donezk.

Beim Einfuhrstopp für griechische Lebensmittel deutete Russland bereits die Bereitschaft zu einem Entgegenkommen an. Moskau hatte als Antwort auf die Sanktionen des Westens Mitte des vergangenen Jahres Lebensmittel-Importe aus EU-Ländern verboten.

Doch Griechenland ist davon besonders schwer getroffen: Russland ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für griechische Erdbeeren und Pfirsiche. Die griechischen Verluste wegen des Embargos sollen sich auf insgesamt rund 430 Millionen Dollar belaufen.


Zusammenfassung: Griechenland setzt beim Kampf gegen den Bankrott auf Unterstützung durch Russland. Moskau kommt Athens Wunsch nach Hilfe entgegen: Der Kreml könnte das Krisenland gegen die EU ausspielen.

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