Betrugsvorwurf Tschechiens Präsident will Griechenland aus der Eurozone werfen

Griechenland sei nur dank gefälschter Statistiken in die Eurozone aufgenommen worden - deshalb sollte das Land diese wieder verlassen: Das fordert Tschechiens Präsident Milos Zeman. Auch die Bundesregierung hat ihre Haltung geändert.
Tschechiens Präsident Milos Zeman: "Statistiken gefälscht"

Tschechiens Präsident Milos Zeman: "Statistiken gefälscht"

Foto: PATRICK KOVARIK/ AFP

Prag - Mit deutlichen Worten hat sich der tschechische Präsident Milos Zeman für ein Euro-Austritt Athens ausgesprochen. "Griechenland sollte aus der Eurozone - nicht der EU - ausgeschlossen werden, weil es nur durch Betrug, die Fälschung von Statistiken, hineingekommen ist", sagte der Linkspolitiker der Zeitung "Pravo".

Griechenland soll der Statistikbehörde Eurostat jahrelang falsche Angaben über seinen Schuldenstand gemacht haben. Tschechien selbst will den Euro nicht vor 2020 einführen und hält an der eigenen Währung Krone fest.

Ein möglicher griechischer Austritt wird auch in Deutschland und Griechenland wieder debattiert, nachdem der SPIEGEL über einen Kursschwenk der Bundesregierung berichtete. Kanzleramt und Finanzministerium stufen einen Austritt Athens aus der Eurozone inzwischen als verkraftbar ein. Der Parteichef der eurokritischen AfD ("Alternative für Deutschland"), Bernd Lucke, begrüßte die "späte Einsicht" von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Schäuble .

In Griechenland soll am 25. Januar ein neues Parlament gewählt werden. Umfragen zeigen einen Vorsprung des Linksbündnisses Syriza von Alexis Tsipras. Sollte die Opposition gewinnen, will sie mit den EU-Partnern über das griechische Sparprogramm und einen Schuldenschnitt verhandeln. Für diesen Fall hält die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für nahezu unausweichlich. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder werde allerdings als gering eingeschätzt, weil Portugal und Irland als saniert gelten.

Der ehemalige EU-Währungskommissar Olli Rehn erwartet hingegen weitere Zugeständnisse gegenüber Athen. Die EU-Partner müssten Griechenland helfen, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. "Das können wir aber auch durch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kredite erreichen", sagte er. Einen Schuldenschnitt, wie von Tsipras gefordert, hält er für vermeidbar.

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vks/dpa