Parlamentswahl Syriza bleibt stärkste Kraft in Griechenland

Alexis Tsipras wollte eine zweite Chance - und die Griechen geben sie ihm. Bei den Parlamentswahlen erhielt die linke Syriza laut Hochrechnungen die meisten Stimmen. Der konservative Herausforderer räumte seine Niederlage bereits ein.
Alexis Tsipras: Schon im Oktober müssen neue Sparmaßnahmen und Privatisierungen durchgesetzt werden

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Foto: ALKIS KONSTANTINIDIS/ REUTERS

Die rund zehn Millionen griechischen Wähler haben entschieden: Hochrechnungen zufolge erhielt die linke Syriza 35,5 Prozent der Stimmen - kaum weniger als bei der letzten Wahl im Januar. Die konservative Nea Dimokratia erhielt 28 Prozent.

Drittstärkste Kraft wäre demnach die rechtsradikale Goldene Morgenröte. Sie kommt auf 7,1 Prozent. Dahinter liegen die Kommunisten (5,5) und die Partei der politischen Mitte To Potami (3,9). Die panhellenische sozialistische Bewegung (Pasok) und die kleine demokratische Linke (Dimar), die für die Wahl ein Bündnis gebildet hatten, liegen bei 6,5 Prozent. Ob die Syriza-Abspaltung LAE im Parlament vertreten sein wird, ist noch unklar (2,8) - womöglich scheitert sie an der Drei-Prozent-Hürde.

Nea-Dimokratia-Parteichef Evangelos Meimarakis räumte seine Niederlage bereits ein. "Ich gratuliere Herrn Tsipras und fordere ihn auf seine Regierung zu bilden", sagte er im griechischen Fernsehen. Syriza-Chef Alexis Tsipras twitterte am Abend: "Vor uns liegt ein harter und langer Weg." Er benötigt in jedem Fall einen Koalitionspartner. Eine große Koalition mit der Nea Dimokratia hat er ausgeschlossen.

Der bisherige Syriza-Koalitionspartner Anel (3,7 Prozent) hat den Hochrechnungen zufolge knapp den Einzug ins Parlament geschafft. Aber womöglich könnte Syriza auf einen dritten Partner neben den Rechtspopulisten angewiesen sein, dafür kämen Pasok oder Potami infrage.

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Syriza vorn: Wahlen in Griechenland

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Giorgos Tsipras, Cousin des früheren Ministerpräsidenten, zeigte sich überschwänglich. Der für internationale Wirtschaftsbeziehungen zuständige Mitarbeiter des Außenministeriums sagte SPIEGEL ONLINE-Mitarbeiter Giorgos Christides: "Alexis Tsipras wird definitiv wieder Premierminister werden." Wenn sich das Ergebnis bestätige, beweise Syriza zum zweiten Mal seit dem Referendum, dass die Linksregierung mehr als eine Episode sei.

Viele Wähler blieben Zuhause

Die Wahlbeteiligung war gering: Sie lag nur bei rund 60 Prozent. Für die Griechen ist es die zweite Parlamentswahl in diesem Jahr. Bei der vorherigen Abstimmung am 25. Januar hatte die Syriza erstmals alle etablierten Großparteien hinter sich gelassen.

Die Neuwahl wurde notwendig, weil Ex-Ministerpräsident Tsipras am 20. August seinen Rücktritt erklärte hatte - um den rebellischen linken Flügel seiner Partei loszuwerden und sich ein stabiles Mandat der Wähler zu sichern.

Seit dem Beginn der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise vor sechs Jahren gab es in Griechenland bereits fünf Regierungen. Die griechische Wirtschaft ist seither um ein Fünftel geschrumpft, jeder Vierte ist arbeitslos.

Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten der aktuelle Flüchtlingszustrom über die griechische EU-Außengrenze und die Nähe zum Bürgerkriegsland Syrien. Sowohl die EU als auch die Nato sind wegen der exponierten geografischen Lage Griechenlands an politisch stabilen Verhältnissen in ihrem südlichen Mitgliedstaat interessiert.

ler/dpa/Reuters
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