Wirtschaftskrise in Griechenland Tsipras nimmt Hollande in die Pflicht

Alexis Tsipras hat auf seiner Tournee durch Europa Frankreichs Staatschef Hollande besucht - und ihm eine tragende Rolle im aktuellen Schuldenstreit zugesprochen: als "Protagonist in diesem Politikwechsel".

Alexis Tsipras mit Frankreichs Staatschef Hollande: "Rolle als Garant"
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Alexis Tsipras mit Frankreichs Staatschef Hollande: "Rolle als Garant"


Paris - Der neue griechische Premier Alexis Tsipras fordert eine Führungsrolle für Frankreich in der europäischen Politik zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. "Wir brauchen eine neue Vereinbarung für eine Rückkehr zum Wachstum, für die Stärkung der Beschäftigung und des sozialen Zusammenhalts", sagte Tsipras nach einem Treffen mit Frankreichs Staatschef François Hollande in Paris. "Bei dieser Anstrengung brauchen wir vor allem Frankreich, das eine maßgebliche Rolle als Garant spielen muss."

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Heft 6/2015
Europas Albtraum Alexis Tsipras

Frankreich müsse "die Rolle des Protagonisten bei diesem Politikwechsel" einnehmen, sagte Tsipras weiter - und betonte: "Wir sind keine Bedrohung für Europa". Ähnlich hatte sich Tsipras bereits bei seinem Antrittsbesuch beim italienischen Premier Matteo Renzi geäußert, der ebenfalls eine schwere wirtschaftliche und innenpolitische Krise meistern muss.

Die Wahl des Linkspolitikers Tsipras vor eineinhalb Wochen hatte in Europa ein politisches Erdbeben ausgelöst. Tsipras kündigte eine Abkehr vom harten Sparkurs in seinem unter einer gewaltigen Schuldenlast leidenden Land an. Forderungen nach einem Schuldenschnitt hat die neue griechische Regierung inzwischen aber abgemildert: Sie setzt sich nun für ein Umschuldungsprogramm ein und sucht nach einem Kompromiss mit EU und Europäischer Zentralbank (EZB).

Hollande sagte nach dem Treffen, nötig sei Respekt für den Ausgang der Wahl in Griechenland vom 25. Januar. Das Votum des griechischen Volkes sei eine klare Absage an eine strikte Austeritätspolitik "als einzige Perspektive und Realität". Zugleich müssten aber auch die europäischen Regeln und die Zusagen im Bezug auf Staatsschulden respektiert werden. Hollande hob auch die Verantwortung für den Euro als gemeinsame Währung hervor.

Vor seinem Treffen mit Hollande hatte Tsipras in Brüssel erstmals EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk getroffen.

mxw/AFP/dpa

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steffschmid 04.02.2015
1. Große Worte
Was für große Worte für ein schlichtes Anliegen: Tsipras braucht Geld. Für was genau, ist derzeit noch noch nicht absehbar. Aber er braucht's dringend. Und deshalb läutet er eine historische Wende in der EU ein. Kann er machen - aber ich will's mit meinen Steuern nicht zahlen.
pierrotlalune 04.02.2015
2.
der Man gefällt mir immer mehr. Längst überfällige neue Denkanstöße gegen ein System von immer mehr Aufschwung, koste es was es wolle.
josho 04.02.2015
3. Hollande wird der
....kaum widersprechen wollen. Er braucht dringend eine Aufwertung innerhalb und außerhalb Frankreichs. Gut gemacht von Tsipras. Der Kanzlerin wird es weniger gefallen.....
ichsagemal 04.02.2015
4.
...auch ich finde, das es Zeit ist für eine Veränderung. Deutschland hat jetzt als einziges Land im Euro-Verbund genug 'fette Jahre' genossen und ganze junge Generationen im Rest der EU in die Hoffnungslosigkeit getrieben. Bevor 'der Laden auseinander fliegt' müssen andere gemeinsame Werte gefunden werden.
Europäischer Realist 04.02.2015
5. Da ist sie wieder ...
... die gute alte Weise, nie aus der Mode gewesen und immer noch aktuell: France plays, Germany pays. Wir zahlen (schon jetzt) den Großteil der ClubMed-Sause der 00-Jahre, und haben trotzdem dort keine Freunde in den politischen Eliten. Irgendetwas machen unserer Politiker falsch! Sie sind zu gutmütig und zu berechenbar und zuwenig vernetzt. Im Norden zählen eben mehr die Leistungsparameter, die nüchterne Analyse, im Süden eher das Netzwerk, die Vetternwirtschaft. Alles für sich funktioniert ja auch irgendwie, nur wenn man versucht, es zusammen zu mischen, gibt es Probleme ... gibt es eine bessere Argumentation für einen Nord- und Süd-Euro als die aktuellen Entwicklungen?! Henkel von der AfD hat eben Recht, ob man das mag oder nicht.
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