Varoufakis in Washington Absage aus Amerika

In Washington wollte Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis bei der US-Regierung um Unterstützung werben - erhielt aber nur eine deutliche Forderung: Athen solle mit den Geldgebern kooperieren.

Griechenlands Finanzminister Varoufakis in Washington: Klare Forderung
REUTERS

Griechenlands Finanzminister Varoufakis in Washington: Klare Forderung


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die US-Regierung drängt Griechenland zu einer besseren Zusammenarbeit mit seinen Partnern in der Eurozone. Die Regierung in Athen müsse die Verhandlungen mit den Geldgebern ernsthaft führen und sich ihnen voll verpflichten, sagte ein Mitarbeiter der Regierung von Barack Obama. Diese Botschaft habe der Staatssekretär für internationale Beziehungen im US-Finanzministerium, Nathan Sheets, bei einem Treffen mit dem griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis deutlich überbracht.

Varoufakis hatte in Washington zugesagt, sein Land werde alle im Gegenzug für gewährte Finanzhilfen eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Nach einem Treffen mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, beteuerte er zudem die Reformbereitschaft seines Landes.

Derzeit ringen Gläubiger und die neue Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Die Geldgeber haben die Vorlage eines tragfähigen Reformkonzepts zur Voraussetzung für die Zahlung erklärt.

Schon am Donnerstag sind etwa 460 Millionen Euro fällig - Geld, das der IWF dem hochverschuldeten Land einst geliehen hat und das er nun fristgerecht zurückhaben will. Der IWF und die Staaten der Eurozone hatten Griechenland seit 2010 im Rahmen zweier Hilfspakete Kredite über rund 227 Milliarden Euro gewährt - mehr als 30 Milliarden davon kamen vom IWF. Sollte Athen die Kredite nicht zurückzahlen, wäre das Land offiziell pleite.

Ob es gelingt, den drohenden Bankrott Griechenlands zu verhindern, war zuletzt fraglich. Die griechische Regierung selbst hatte Zweifel daran gesät - weshalb Finanzminister Gianis Varoufakis nun nach Washington reisen musste, um die Sache im persönlichen Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde zurechtzurücken.

Zudem hat Athen im Schuldenstreit erneut die umstrittenen Reparationsforderungen an Deutschland ins Spiel gebracht: Für Verbrechen der nationalsozialistischen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs schulde Berlin der griechischen Regierung nahezu 280 Milliarden Euro.

Die griechische Links-Rechts-Regierung will den Ursachen der andauernden Staats- und Finanzkrise derweil auf den Grund gehen: Ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlaments soll herausfinden, wer für die Schuldenkrise verantwortlich ist. Das Parlament billigte am Dienstagmorgen nach mehrstündiger Debatte einen entsprechenden Vorschlag des Kabinetts von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Nach dessen Worten soll "Licht" auf die Ereignisse seit 2009 geworfen werden.

Die Untersuchungen betreffen die Amtszeiten des sozialistischen Regierungschefs Georgios Papandreou (2009 bis 2011), des parteilosen Regierungschefs Loukas Papademos (2011 bis 2012) und der Koalitionsregierung aus Konservativen und Sozialisten (2012 bis 2015) unter Antonis Samaras.

Die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia bezeichnete den Vorstoß als ein Ablenkungsmanöver. Die Partei der politischen Mitte "To Potami" (Der Fluss) erklärte, es wäre besser, wenn das Parlament darüber reden würde, wieso das Land noch nicht aus der Krise herausgekommen ist.


Zusammenfassung: Die US-Regierung hat Athen bei einem Besuch des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis aufgefordert, enger mit den internationalen Geldgebern zusammenzuarbeiten. Das griechische Parlament hat die Einrichtung eines Ausschusses beschlossen, der die Ursachen der Schuldenkrise untersuchen soll. Dem Land droht schon in wenigen Tagen die Pleite.

mxw/dpa/Reuters

insgesamt 153 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
romeo_mike 07.04.2015
1. Vielleicht war der Schritt in Washington nötig.
Mag sein, dass es Washington noch bedauern wird, keine "diplomatischere" Antwort gegeben zu haben. Denn nun hat Tsipras den Rücken frei, wenn er nach Moskau fährt. Gut möglich, dass auch genau das das Ziel von Varoufakis war.
phantom-x 07.04.2015
2. so wirds gemacht
Klare Worte eines Staatssekretärs (!) an die Griechen. Man verhandelt nicht mit verkappten Kommunisten! Wünschte wir hätten auch solche Leute in der Regierung, die klare Standpunkte vertreten!
wiesnase111 07.04.2015
3. kooperieren
der falsche Hund der faellt einem auch von hinten an.das sehe ich in seinem Gesicht. Die gaze Bande sollte man zum Teufel jagen.Armes Griechisches Volk.Der einfache Buerger wird weiter leiden muessen.
schaafsnase 07.04.2015
4. Eine glaubhafte Untersuchung
müsste spätestens mit dem Jahr 1999 beginnen. Aber ich hätte da ein paar "Reform"vorschlägemit denen man gaaanz bestimmt erheblich weiter kämme. 1. Verklagen sämmtlicher demokratischer Staaten auf Lizenzgebühren für die Verwendung der Griechischen Erfindung Demokratie. 2. Verklagen aller Staaten wegen der Verwendung von Wörtern griechischen Ursprungs wegen Copyrightverletzung. 3. Verklagen der Schöpfung wegen Misachtung der Prinzipien der griechischen Philosophie. Schliesslich war die zu erst da. Sonst, Gott bewahre, müsste man ja was an sich selbst ändern. Da sei die Tradition vor
habnichviel 07.04.2015
5. Jetzt aber raus......
und die verantwortlichen Politiker für die Aufnahme GR in den Euro sollten in die Bedeutungslosigkeit entlassen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.