Griechen-Krise Varoufakis hofft auf Merkels Milde

Griechenland taumelt, in Brüssel laufen schwierige Verhandlungen. Doch Finanzminister Varoufakis versprüht weiter Optimismus: Angela Merkel würde über ein Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum nicht einmal nachdenken.

Minister Varoufakis im griechischen Parlament: Hoffen auf Bluff der Gegenseite
REUTERS

Minister Varoufakis im griechischen Parlament: Hoffen auf Bluff der Gegenseite


In der Eurozone werden schon eifrig die Szenarien für ein Ausscheiden der Griechen aus der Gemeinschaftswährung durchgespielt. Sollten die kommenden Verhandlungen scheitern, wird es ganz eng für Athen. Trotzdem gibt sich der Finanzminister des Krisenlandes demonstrativ gelassen. Gianis Varoufakis geht nach eigenen Worten nicht davon aus, dass es die Euro-Partner zu einem Grexit kommen lassen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 25/2015
Das Kasachstan-Komplott: Wie sich deutsche Politiker von den Millionen eines Diktators und seiner Diener locken ließen

Varoufakis sagte der britischen BBC am Samstag, er glaube nicht, dass irgendein europäischer Regierungsvertreter diesen Weg gehen werde - schon gar nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese denke nicht einmal daran, einen Grexit in Betracht zu ziehen, so Varoufakis. Auf die Frage, ob die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) in den Verhandlungen mit der Regierung in Athen nur bluffen, sagte der Minister: "Ich hoffe es."

Die Führung in Athen ringt seit Monaten mit den internationalen Geldgebern um die Reformauflagen für die Freigabe weiterer Milliardenhilfen. Scheitern die Gespräche, droht Griechenland die Staatspleite und damit auch ein Ausscheiden aus dem Euro.

Für den Samstag sind in Brüssel weitere Gespräche geplant. Dann will Athen seinen Kreditgebern neue Vorschläge für eine Beilegung des Schuldenstreits unterbreiten. Vertreter von Ministerpräsident Alexis Tsipras würden die "Gegenvorschläge" auf den Tisch legen, hieß es in einer Erklärung aus Athen. Eine Einigung sei "so nah wie nie zuvor". Zuvor war bekannt geworden, dass sich die Eurozone wegen der festgefahrenen Verhandlungen mittlerweile auf eine Pleite Athens vorbereitet.

Vertreter des IWF nach Verstimmungen wieder dabei

Die Gläubiger-Institutionen hatten Griechenland in der vergangenen Woche Konditionen für die Auszahlung zurückgehaltener Hilfskredite von 7,2 Milliarden Euro genannt. Dabei geht es vor allem um die brisante Reformagenda. Tsipras wies die Vorschläge als "absurd" zurück, seine eigenen Vorschläge wurden wiederum von Brüssel als unzureichend abgelehnt.

Wegen der festgefahrenen Situation hatten die Euroländer am Donnerstag erstmals offiziell über den Fall einer Staatspleite Athens beraten. Die Beratungen fanden nach Angaben aus EU-Kreisen bei einem Treffen der Euro-Finanzstaatssekretäre im slowakischen Bratislava statt.

Aus Ärger über die hartnäckige Haltung Griechenlands waren am Donnerstag zudem die IWF-Vertreter aus Brüssel abgereist. Wie die "Welt" am Samstag unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, wird der IWF bei den Beratungen am Samstag aber wieder dabei sein.

jok/Reuters/AFP



insgesamt 328 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sigii 13.06.2015
1. Mmh
Was soll man noch über Griechenland sagen! Griechenland rechnet immer damit dass Sie jederzeit auch wenn es knapp wird wieder gerettet werden und die EU tut es immer wieder nun sollte man sie aber auch mal über die Klinge springen lassen. Und ich bin nicht der Meinung dass viele andere Länder folgen oder es ihnen gleich mal tun werden bei der Austritt aus der EU ist auch gleichzeitig das aus dieses Landes.
janne2109 13.06.2015
2. Ton
nu ja wäre gut gewesen wenn die Herren generell mal allen anderen EU Mitgliedern einen anderen Ton angeschlagen hätten, wobei !! die EU sollte dafür sorgen, dass das Geld nicht nur für Bankschulden ausgegeben wird.
kritischer-spiegelleser 13.06.2015
3. Der weiss dass die USA gegen Austritt ist
um der Nato den Hoheitsbereich im Mittelmeer nicht zu gefährden. Aber solange die USA nicht die Schulden der Griechen übernimmt ist das eben ein Problem der EU. Und der EU wurde von den Griechen lange genug auf der Nase herumgetanzt. Es reicht! Solche Typen haben in der EU nichts zu suchen!
happy2010 13.06.2015
4.
Tja Eine griechische Regierung, die nicht einmal bereit ist, Renten ÜBER einer gewissen Höhe anzupassen, die nicht bereit ist, die Anzahl der Staatsdiener signifikant zu reduzieren, diese Regierung soll doch mal erklären, wie ein Staat in 10, 15 Jahren diese Ausgaben stemmen soll. Selten kann man augenscheinlichen Starrsinn und Zukunftsverweigerung nicht demonstrieren Und bevor nun die Bashingrufe nach: Bankenhife und die armen griechischen Rentner kommen: OHNE Kürzung (wo gekürzt wird entscheiden die Griechen) ist der gr. Staat binnen 10 Jahren pleite. Kein EU Land hätte so hohe Ausgaben für Renten und Co zu stemmen
jjcamera 13.06.2015
5. Sinn
Sinn sagt, dass dieses "böser Junge (Varoufakis) und guter Junge (Tsipras)-Spiel" Teil eines Ausstiegsplans der beiden ist, in dem die Griechen ihre Geldreserven über das Ausland retten wollen. Je länger sich das Spiel hinzieht, desto mehr Geld (in EURO) schaffen die Griechen ins Ausland, so dass für sie ein Grexit eher ein Gewinn wird, für uns aber ein ständig steigender Verlust: die Griechen haben immer noch ihre EUROS (im Ausland), zahlen aber die Kredite, wenn überhaupt, in Drachmen zurück. Sieht den beiden Herren ähnlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.