Feuer in Flüchtlingslager Verletzte bei Ausschreitungen auf Samos

Das Camp für Migranten auf der griechischen Insel Samos ist hoffnungslos überfüllt. Nun sind offenbar Syrer und Afghanen aneinandergeraten - das Lager musste evakuiert werden.

Die Feuerwehr versucht, den Brand im Auffanglager auf Samos zu stoppen
Michael Svarnias / AP

Die Feuerwehr versucht, den Brand im Auffanglager auf Samos zu stoppen

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Im Flüchtlingslager auf der griechischen Ägäis-Insel Samos ist es zu einem Großbrand gekommen. Das bestätigten Augenzeugen und die zuständigen Behörden dem SPIEGEL. Nach Angaben der Polizei verbrannten 30 Zelte, inzwischen ist die Situation wieder unter Kontrolle.

"Das Lager wurde evakuiert", sagte der Bürgermeister der Inselhauptstadt Vathy, Giorgos Stantzos, dem Athener Nachrichtensender Skai. Rund 500 Flüchtlinge suchten nach Polizeiangaben Schutz in der Stadt nahe dem Migrantenlager. Das Feuer brach offenbar im unteren Teil des Camps aus. Auf Videos, die unter den Asylbewerbern kursierten, sind Gasexplosionen zu hören. Viele Flüchtlinge besitzen Gaskocher, um sich selbst Essen zu kochen, um nicht in den langen Schlangen auf ihr Essen warten zu müssen.

Wie es zum Ausbruch des Feuers kommen konnte, war zunächst noch unklar. Nach SPIEGEL-Informationen war es zuvor gegen 19 Uhr in Vathy zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen afghanischen und syrischen Asylsuchenden gekommen, bei der mindestens drei Syrer verletzt wurden. Sie wurden mit Stichwunden ins örtliche Krankenhaus eingeliefert.

Nikos Kaklamanis, ein Arzt im örtlichen Krankenhaus, hat die Auseinandersetzung nach eigenen Angaben beobachtet. "Ich war auf dem Nachhauseweg, als ich eine große Gruppe von Personen auf der Straße sah, plötzlich ist ein Kampf ausgebrochen", sagte er dem SPIEGEL. "Ich bin sofort hin, um die Menschen zu stoppen. Ich habe geschrien und sie sind weggelaufen. Sie haben Verletzte zurückgelassen."

Später machten offenbar Gerüchte im Camp die Runde, wonach ein Flüchtling bei der Auseinandersetzung gestorben wäre. Daraufhin kam es wohl erneut zu Auseinandersetzungen, dieses Mal setzte die Polizei Tränengas ein, um die Migranten zu trennen.

"Es war zu erwarten, dass so etwas unter diesen Bedingungen passiert"

Im sogenannten Hotspot auf Samos, nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt, harren derzeit 5768 Asylsuchende aus, die mit Booten aus der Türkei übergesetzt sind. Das Camp ist seit Jahren hoffnungslos überfüllt, einst wurde es für nur 648 Personen errichtet. (Lesen Sie hier eine Reportage über die unmenschlichen Bedingungen im Lager)

Seit den Sommermonaten hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft. Es setzen wieder deutlich mehr Flüchtlinge von der Türkei auf die griechischen Inseln in der Ägäis über. Im August kamen mehr als 9300 Flüchtlinge an, im September rund 12.000.

Das sind deutlich weniger als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015, aber so viele wie seit März 2016 nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt kamen deutlich weniger Flüchtlinge in Griechenland an, weil die Europäische Union mit der Türkei ein Abkommen schloss, in dem sich die Türkei unter anderem verpflichtete, mehr Flüchtende aufzuhalten.

Erst im September hatte der neu gewählte Bürgermeister von Samos, Georgias Stantzos, davor gewarnt, dass die Situation außer Kontrolle geraten könne. Sicherheitsleute und Bevölkerung täten ihr Bestes, sagte er der "Tagesschau". "Aber Ich kann nicht verheimlichen, dass wir das Schlimmste befürchten müssen, dass alles noch aus dem Ruder läuft."

Auch Nikos Kaklamanis, der griechische Arzt, der die Flüchtlinge am Montagabend zunächst getrennt hatte, ist überzeugt: "Es war zu erwarten, dass so etwas unter diesen Bedingungen passiert."



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