Iranisches Schiff nimmt Kurs Richtung Griechenland Athens Problemtanker

Der iranische Tanker "Adrian Darya 1" will offenbar den Hafen von Kalamata in Griechenland anlaufen. Athen ist alarmiert: Die Regierung will vermeiden, in den Konflikt zwischen Washington und Teheran zu geraten.
"Adrian Darya 1" (vormals "Grace 1"/Archivbild): Griechenland will nicht in den Streit zwischen den USA und Iran hineingezogen werden

"Adrian Darya 1" (vormals "Grace 1"/Archivbild): Griechenland will nicht in den Streit zwischen den USA und Iran hineingezogen werden

Foto: Jon Nazca/REUTERS

In den Konflikt um die "Adrian Darya 1" kommt Bewegung: Nachdem der iranische Tanker wochenlang in Gibraltar festgehalten wurde, ist er nun wieder unterwegs durch das westliche Mittelmeer. Ziel ist angeblich der griechische Hafen Kalamata. Dieser Kurs zieht Griechenland in die Auseinandersetzung über das Schiff zwischen Iran und westlichen Staaten hinein.

Am 4. Juli hatte die britische Marine die "Adrian Darya 1" - ehemals "Grace 1" - nahe Gibraltar festgesetzt. Der Verdacht: Das Schiff bringe Öl nach Syrien und verletze damit EU-Sanktionen. Der Vorfall führte zu einer wochenlangen Auseinandersetzung zwischen westlichen Staaten und Teheran, das die Vorwürfe bestreitet.

Gibraltar, ein britisches Überseegebiet, gab den Tanker am Donnerstag frei. Aber schon am nächsten Tag gab es ein Gesuch der USA, das Schiff und seine Ladung zu beschlagnahmen. Gibraltar lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, an EU-Recht gebunden zu sein.

Die USA behaupten, das Schiff habe Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden, die Washington als Terrororganisation einstuft. Die US-Regierung vermutet, dass Einkünfte aus dem Verkauf des Öls zur Finanzierung von Terrorismus eingesetzt würden. Iran warnte Washington: Es werde "schwere Konsequenzen" geben, sollte die USA tatsächlich versuchen, den Tanker in internationalen Gewässern festzusetzen.

Die erste außenpolitische Krise für die neue Regierung?

Das Schiff verließ Gibraltar am Sonntag. US-Außenminister Mike Pompeo nannte die Entscheidung, den Tanker aus Gibraltar fortzulassen, "unglücklich". Als Ziel der "Adrian Darya 1" wird der griechische Hafen Kalamata angegeben. Dort soll das Schiff laut dem Branchendienst Marine Traffic am kommenden Montag ankommen -es könnte aber auch schon Sonntag so weit sein. Die Behörden verfolgten den Kurs des Schiffes genau. Griechenlands Schifffahrtsminister Ioannis Plakiotakis sagte, sein Haus sei im ständigen Kontakt mit dem Außenministerium.

Griechenlands neue konservative Regierung hat allen Grund, die Entwicklungen genau zu beobachten. Denn der Fall könnte zur ersten außenpolitischen Krise nach dem Machtwechsel im Juli werden. Sollte die "Adrian Darya 1" in Kalamata anlegen, dürften die USA dies als Provokation empfinden.

Schon jetzt erhöht die US-Regierung den Druck auf Griechenland. Ein Mitarbeiter der US-Botschaft in Athen, der namentlich nicht genannt wird, sagte der griechischen Tageszeitung "Kathimerini", der Tanker transportiere illegale Öllieferungen, die dafür gedacht seien, iranische und syrische Terrorkampagnen zu finanzieren. Athen sei vor den Folgen gewarnt worden, sollte es das Schiff unterstützen.

Ein griechischer Offizieller bestätigte Washingtons Warnung dem SPIEGEL. Die USA hätten nicht nur Griechenland, sondern auch jedes andere Land am Mittelmeer gewarnt. Athen sei weder an den Vollstreckungsbefehl der USA noch an die Sanktionen gegen Iran gebunden, sondern nur an die Strafmaßnahmen der EU. Diese aber verbieten es Teheran nicht, sein Öl zu verkaufen, sie untersagen stattdessen Lieferungen nach Syrien. Iran wiederum bestreitet, dass das Öl auf dem Schiff für Syrien bestimmt ist.

"Griechenland importiert seit vergangenem Sommer kein iranisches Öl mehr"

Griechenland ist trotzdem darauf bedacht, die Amerikaner nicht zu verärgern. Besonders weil das Land bei den eigenen belasteten Beziehungen zur Türkei auf die Hilfe der USA setzt. Zudem hofft Athen darauf, bis zum Ende des Jahres einen neuen Verteidigungsdeal mit Washington zu erreichen.

Der Einfluss der USA in Griechenland zeigt sich darin, wie Athen mit Öl-Importen aus Iran umgeht. Vor den US-Sanktionen zählte Griechenland zu den großen Importeuren iranischen Öls, es machte etwa ein Viertel der griechischen Importe aus.

Das ist nun anders: Selbst als Griechenland zwischenzeitlich von den US-Sanktionen ausgenommen war, wurde vermieden, Öl aus Iran zu importieren. "Griechenland importiert seit vergangenem Sommer kein iranisches Öl mehr", sagt der griechische Offizielle. Stattdessen wandte sich das Land an andere, teurere Anbieter, was wiederum zu Beschwerden aus Iran führte.

Bislang hat die "Adrian Darya 1" laut Schifffahrtsminister Plakiotakis keine offizielle Anfrage gestellt, um in Kalamata anlegen zu dürfen. Nach SPIEGEL-Informationen muss solch eine Anfrage 48 Stunden im Voraus erfolgen, bevor ein Schiff den Hafen erreicht.

Es gibt ohnehin Zweifel daran, ob der Hafen in Kalamata den Tanker überhaupt aufnehmen kann. Die "Adrian Darya 1" ist ein sogenannter sehr großer Rohölfrachter (VLCC, Very Large Crude Carrier) und könnte zu groß für den Hafen sein, der normalerweise von kleineren Freizeitschiffen genutzt wird.

Ein mögliches Szenario sieht deshalb so aus: Der Tanker könnte es vermeiden, griechische Hoheitsgewässer zu betreten und seine Ladung auf ein anderes Schiff verfrachten, während er selbst von der Küste entfernt vor Anker liegt.

Mit Material von dpa
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