Europawahl Varoufakis geht auf Distanz zur Linkspartei

Yanis Varoufakis will mit einer eigenen Truppe bei der EU-Wahl antreten - womöglich auch in der Bundesrepublik. Der Schritt wäre ein Bruch mit der Partei, in der er viele Fans hat: der deutschen Linken.

Yanis Varoufakis
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Yanis Varoufakis


Im Onlineshop der Linken gibt es ihn noch, den Anstecker für Fans von Yanis Varoufakis: Der Name des griechischen Ex-Finanzministers auf schwarzem Grund, das "V" geschwungen wie bei "Vandetta".

Der unkonventionelle Politstar taugte zum Idol für viele Linke in Europa, auch in Deutschland. Im Amt war er Sinnbild für den Widerstand gegen die an Athen gerichteten und als Spardiktat wahrgenommenen EU-Auflagen in der Finanzkrise.

Später gründete er eine europäische Bewegung, DiEM25, die für eine Demokratisierung Europas und gegen den Rückfall in die Nationalstaatlichkeit eintritt. DiEM25 hat auch in Deutschland Mitglieder. Zum Beispiel: Katja Kipping, zugleich Chefin der Linkspartei.

Das ist so weit kein Problem. Noch. Denn Varoufakis will aus seiner Bewegung eine europäische Partei machen. In einem Interview mit der "taz" schloss er nun nicht aus, DiEM25 bei den EU-Wahlen 2019 auch in Deutschland antreten zu lassen.

Eine Kooperation mit der Linkspartei hält er für unwahrscheinlich: "Ich wünschte, es wäre so", sagte Varoufakis. "Aber ich glaube es nicht."

Der Grund: In der Partei gebe es auch Anti-Europäer, die den "Lexit", wollten - "den linken Austritt aus der EU und dem Euro".

Sollte Varoufakis tatsächlich bei der Wahl eine eigene Truppe in Deutschland antreten lassen, bedeutete das den Bruch mit der Linkspartei - und die Vorsitzende Kipping müsste DiEM25 wohl den Rücken kehren.

Gegenüber der "taz" sagte Varoufakis dazu: "Wer ein Omelette machen will, muss Eier zerbrechen."

Kipping selbst erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, es sei noch offen, wie es mit DiEM25 weitergehe. Mit Blick auf Varoufakis erklärte sie, die Entwicklung hänge "nicht von einer einzelnen Person ab".

Es möge EU-Länder geben, in denen eine linke Neugründung sinnvoll sei, erklärte Kipping. Aber: "In vielen europäischen Ländern gibt es bereits fortschrittliche linke Parteien. Deutschland gehört dazu." Sie sei deshalb zuversichtlich, "dass wir eine Lösung finden, die nicht auf Spaltung setzt, sondern auf Zusammenarbeit".

kev

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