Einzug ins griechische Parlament Varoufakis will es wieder wissen

Yanis Varoufakis war einmal griechischer Finanzminister. Er lieferte sich Kämpfe mit Wolfgang Schäuble, dann folgte der Rücktritt. Nun ist der Wirtschaftsprofessor ins Athener Parlament eingezogen. Was hat er vor?

Gianis Varoufakis: Einst griechischer Finanzminister, nun Parlamentsabgeordneter
Carsten Koall/ Getty Images

Gianis Varoufakis: Einst griechischer Finanzminister, nun Parlamentsabgeordneter

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Yanis Varoufakis ist zurück. Der frühere politische Weggefährte von Alexis Tsipras und Ex-Finanzminister ist Abgeordneter im griechischen Parlament. Mit seiner neuen Partei MeRA25 knackte er bei der Wahl am Sonntag die Dreiprozenthürde und wird mit acht weiteren Parteifreunden in die Volksvertretung in Athen einziehen.

Und das mit einer Partei, die kaum Geld hat und von Tsipras im Wahlkampf immer wieder hart attackiert wurde. Mit ihm hatte sich Varoufakis 2015 nach nur einem halben Jahr als Finanzminister überworfen und war in der Folge aus dessen Partei Syriza ausgetreten.

Nun verlor die Tsipras-Partei allein rund fünf Prozent ihrer Wähler an die MeRA25, deren Name in etwa als "Europäische realistische Ungehorsamsfront" übersetzt werden kann. Der große Wahlsieger ist die konservative Nea Dimokratia (Lesen Sie hier ein Porträt des Wahlsiegers Kyriakos Mitsotakis).

"Ich hatte eine schlechte Menschenkenntnis"

Dass Varoufakis seiner Syriza-Partei gefährlich werden würde, hatte Tsipras früh erkannt. Er führte einen unerbittlichen Wahlkampf gegen seinen einstigen Parteifreund. "Ich hatte eine schlechte Menschenkenntnis", sagte Tsipras etwa in einem TV-Interview vor der Wahl über Varoufakis.

Ihn damals zum Finanzminister zu machen, sei ein Fehler gewesen. Doch Varoufakis reichten sein Charisma und die mediale Präsenz, seine klaren Botschaften und die einfache Sprache, mit der er vor allem junge Griechen ansprach, nun zum Achtungserfolg.

Das Mittel der Inszenierung hatte Varoufakis bereits in seiner Zeit als griechischer Finanzminister beherrscht, als er sich auf dem Motorrad ablichten lies, den Popstar gab, den coolen Politiker, den Schäuble-Widersacher.

Da war er noch Finanzminister: Varoufakis 2015 mit Motorrad in Athen
Alkis Konstantinidis/ REUTERS

Da war er noch Finanzminister: Varoufakis 2015 mit Motorrad in Athen

Noch heute füllt der Ökonomieprofessor Hörsäle, wenn er über die Ungerechtigkeiten des europäischen Finanzsystems spricht. So war das auch zuletzt im EU-Wahlkampf. Da war er Frontmann der linken transnationalen Liste DiEM25, "Demokratie in Europa". Ausgerechnet in Deutschland trat er an, seinem größten Gegner in der Euro-Schuldenkrise. Der Versuch scheiterte, die Partei erhielt nur 0,3 Prozent der Stimmen.

"Die Menschen strafen Tsipras für seine Kapitulation ab"

Varoufakis selbst beschreibt sein Erfolgsrezept so: "Die Menschen strafen Tsipras für sein Einlenken im Jahr 2015, für seine Kapitulation ab." Rund 80 Prozent der Griechen haben bis heute Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Viele von ihnen - darunter enttäuschte Tsipras-Wähler, vom mittelständischen Unternehmer bis zum normalen Angestellten - fühlten sich von Varoufakis angesprochen. Er verkörpert für sie das, was Tsipras immer zu sein vorgab.

Ob seine Partei länger überleben wird, als das kleinen Parteien in Griechenland normalerweise gelingt, ist offen. Im Parlament plane er eine "vernünftige Opposition", so Varoufakis. Unter einem Vorbehalt: "Dass wir uns allen politischen Maßnahmen entgegenstellen, die unser Volk dazu zwingen, ins Ausland zu gehen." Varoufakis, der Feind der Austeritätspolitik, ist zurück.



insgesamt 21 Beiträge
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argumentumabsurdum 08.07.2019
1. 'Bisschen erbärmlich!
Der Mann scheint es nötig zu haben - hauptsache irgendwo im Parlament sitzen, egal wie und wo. Oder warum stand der bei der Europawahl sogar auf meinem Wahlzettel? Na, jetzt hat er ja seinen Willen gekriegt und ist wieder wer.
Fehlerfortpflanzung 08.07.2019
2. Schade
ich habe den Artikel gelesen, mit der Erwartung etwas über Varoufakis und die Partei MeRA25 zu erfahren. Was kritisíert Varoufakis/MeRA25 an der Politik der Syrizaregierung, und, und. Was lese ich? Dass was ich seit Jahren im Spiegel lese: Varoufakis, charismatisch, Motorrad, ...also unsolide.
feistus_raclettus 08.07.2019
3. Absurdes Argument.
Der Mann ist Überzeugungstäter. Ich finde es daher konsequent das er versucht politischen Einfluss zu haben.
schwaebischehausfrau 08.07.2019
4. Ein Deja Vu...
Zitat: "Rund 80 Prozent der Griechen haben bis heute Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen". Da haben zig Millionen Bürger anderer EURO-Länder, die mit ihrem Beitrag zu den "Griechenland-Rettungspaketen" seitdem einen Teil der Rechnungen für die davor fast 10 Jahre andauernde Konsum-Party der Griechen bis zum Staatsbankrott mitbezahlen dürfen, aber ein heftiges deja vu. Die haben ebenfalls Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen. Hr. Varoufakis sollte mal Menschen in der Slowakei, Estland oder auch Deutschland fragen, wie die mit ihrem Geld bis zum Monatsende auskommen. Dass ihn noch ausgerechnet deutsche Linke ein gut bezahltes Pöstchen im EU-Parlament verschaffen, wäre ein Treppenwitz der Geschichte gewesen.
h.kuebler 08.07.2019
5. Pfau auf Motorrad
Was er vorhat? Na, was schon: In den Medien vorkommen, Fotos und Schlagzeilen produzieren, seine kruden Ideen in die Welt blasen. Schließlich hat er in Griechenland über drei Prozent errungen, der große Weltökonom Varoufakis. Im übrigen ist er nicht zurückgetreten, sondern er wurde geschasst.
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