Griechische Presse "Es ist der Gnadenschuss für unsere Einkommen"

Sie müssen schon sparen, aber das reicht noch lange nicht: Auf die Griechen kommen neue finanzielle Belastungen hinzu - die Pläne der Regierung sorgen in dem Land für Empörung.

Wut gegen das Sparprogramm: Griechische Demonstranten in Athen
AFP

Wut gegen das Sparprogramm: Griechische Demonstranten in Athen


Athen - Die griechische Öffentlichkeit hat mit Entsetzen auf die ersten Details aus dem neuen Sparprogramm vom Ministerpräsident Georgios Papandreou reagiert. "Es ist der Gnadenschuss für unsere Einkommen", titelte am Freitag die linksliberale Zeitung "Eleftherotypia". Das konservative Boulevardblatt "Eleftheros Typos" kommentierte: "Unerträgliche Kampfsteuern". Die regierungsnahe Zeitung "Ta Nea" rechnete aus, dass für ein Ehepaar - mit 40.000 Euro Einkommen für den Ehemann 25.000 Euro für die Frau - zusätzlich mit 2275 Euro jährlich belastet werden.

Der neue Finanzminister Evangelos Venizelos hatte die steuerpolitischen Details aus dem Programm am Donnerstagabend präsentiert. "Es hängt vom Kampfwillen der Griechen ab, ihre Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen, damit die Märkte uns glauben", sagte Venizelos.

Je nach Einkommensklasse müssen die Griechen demnach eine Solidaritätssteuer zwischen ein und vier Prozent ihres Einkommens zahlen. Für alle Minister, Parlamentarier, höhere Beamte und andere gewählte Personen, wie Bürgermeister, soll die Solisteuer fünf Prozent des Jahreseinkommens betragen. "Das ist aber nicht genug", sagte Venizelos. Freiberufler wie Rechtsanwälte, Klempner, Elektriker werden außer den normalen Steuern zusätzlich 300 Euro an den Staat zahlen müssen. Betroffen sind davon rund 550.000 Personen.

Außerdem wird der Steuerfreibetrag von bisher 12.000 Euro auf 8000 gesenkt. Ausgenommen sind Rentner über 65 Jahre und junge Arbeitnehmer bis zum 30. Lebensjahr. Das Programm, das zudem den Verkauf von Staatsbesitz im Volumen von 50 Milliarden Euro vorsieht, soll bis Ende kommender Woche vom Parlament gebilligt werden. Die EU macht weitere Hilfszahlungen und ein neues Rettungspaket davon abhängig.

Venizelos kündigte ein neues Steuergesetz an, das die Steuerhinterziehung unterbinden soll. Außerdem soll eine Extra- Immobiliensteuer erhoben werden für Besitz, dessen Wert die 200.000 Euro übertrifft. Eine "große Intervention" werde es im staatlichen Bereich geben, teilte der Minister mit, ohne Angaben über die Höhe der Lohn-Einschnitte für die Staatsbediensteten zu machen.

hen/dpa

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Europa! 24.06.2011
1. Samaras - Rösler brothers in crime
Bei uns "Steuerleichterungen" auf Pump, während man gleichzeitig den Griechen das letzte Hemd abverlangt - pfui Deibel, Herr Rösler.
moritzdog, 24.06.2011
2. So
Zitat von sysopSie müssen schon sparen, aber das reicht noch lange nicht: Auf die Griechen kommen neue finanzielle Belastungen hinzu - die Pläne der Regierung sorgen in dem Land für Empörung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770316,00.html
langsam bin ich der Meinung für GR wäre es besser zu sagen:"EU leck mich i.A.""u. aus dem Verein auszutreten. Es kann doch nicht sein, bei allen Betrügereien, dass ein Land total fertig gemacht wird, nur um die Drecksbanken vor Schaden (?) zu bewahren.
pragmat 24.06.2011
3. Rechnen für Griechen
Zitat von sysopSie müssen schon sparen, aber das reicht noch lange nicht: Auf die Griechen kommen neue finanzielle Belastungen hinzu - die Pläne der Regierung sorgen in dem Land für Empörung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770316,00.html
Die Griechen beherrschen die Grundrechenarten, was man von den Euro-Verschleuderungsökonomen wohl nicht sagen kann. Die Griechen haben eine Staatsschuld von etwa 330 Milliarden Euro. Bei 5 % jährlichen Zinsen - die privaten Geldgeber fordern zur Zeit Wucherzinsen von 25 % !-, macht das einen Schuldendienst von 16,5 Milliarden Euro pro Jahr! aus. Gleichzeitig erwirtschaftet das Land etwa 145 Milliarden Euro. Nur um die "billigen" Zinsen der Euro-Geberländer zu zahlen, müßte das Land also über 10% seiner Güter und Leistungen abgeben d.h. umsonst arbeiten. Um die Schulden abzubauen, müßte das Land etwa 2 Jahre und 4 Monate umsonst arbeiten. So etwas hat nicht einmal die Sowjetunion der DDR nach 1945 zugemutet. In der Welt der Eurokraten ist das aber durchaus denkbar, wenn man den Sprüchemachern glauben darf!
Tom-d, 24.06.2011
4. #
Die Griechen sollen erstmal Kreta rausrücken. Dann reden wir weiter
autocrator 24.06.2011
5. lächerlich
Lt. Artikel soll es also in einem 11-Mio-Einwohner-Land gerade mal 550.000 Freuberufler und selbständige Handwerker geben. Aha. Und die sollen einen Einmal-Pauschal-Soli von 300,- € leisten. (Bei gerne abgerechneten 50+€ Stundenhonorar also noch nicht mal den Gegenwert eines ganzen 8-Stunden-Arbeitstages.) Aha. Macht lt. Taschenrechner 165 Mio € Zusatzeinkünfte. Aha. Wie war das nochmal? - Wieviel Milliarden TEuros brauchen die Hellenen? Mit diesen lächerlichen 165 Mio können die ja noch nicht mal die Zinsen bezahlen! Und mit solchen Kinkerlitzchen beschäftigen sich Finanzminister und seine -beamten tatsächlich? Sorry, irgendwas stimmt da ganz gewaltig nicht. Entweder die Leute können nicht rechnen, oder die Basisdaten stimmen hinten und vorne nicht, oder die Berichterstattung ist grottenfalsch, oder .... Ich bin kein Journalist, geschweige denn ein kritischer oder gar investigativer. Es wäre aber schön, wenn in diesem ganzen aufgeblähten NachrichtenChaos bei dem jeder Pups unhinterfragt zum Elefanten aufgepumpt wird, mal auch irgendwas Nachvollziehbares zu lesen wäre.
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