Schuldenkrise Wahlsieger Grillo prophezeit Italiens Kollaps

Er ist der überraschende Sieger der Parlamentswahl in Italien: Nun sagt der neue Polit-Star Beppe Grillo seinem Heimatland den Zusammenbruch voraus - die Schuldenlast sei zu groß. Dem politischen System gibt er "noch sechs Monate", danach sei Schluss.
Beppe Grillo: "Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot"

Beppe Grillo: "Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot"

Foto: ? Stefano Rellandini / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Seine Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) wurde bei der italienischen Parlamentswahl Ende Februar mit 25,55 Prozent auf Anhieb stärkste Einzelpartei im Abgeordnetenhaus: Nun spricht Beppe Grillo Klartext. Er rechnet mit dem Untergang des politischen Systems seines Landes.

"Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate - und dann ist hier Schluss", sagte der Komiker dem "Focus". "Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr." Den Altparteien unterstellte der 64-Jährige, keine ernsthaften Reformen zu wollen. "Sie bluffen nur, um Zeit zu gewinnen."

Italien werde von seinen Staatsschulden erdrückt und müsse daher die Kredite neu aushandeln. "Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot", sagte Grillo. Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, solle Italien den Euro aufgeben.

"Das hier ist jetzt die Generalprobe"

Sozialdemokrat Pier Luigi Bersani hatte zwar die Mehrheit der Sitze im Abgeordnetenhaus errungen, nicht aber im Senat. Dort steht er ohne Mehrheit da. Doch eine Zusammenarbeit mit der Mitte-rechts-Allianz von Skandalpolitiker und Ex-Premier Silvio Berlusconi wird es nicht geben. Bersani hat eine große Koalition mit seinem Gegner ausgeschlossen. "Ich will das ganz klar sagen: Die Idee einer großen Koalition existiert nicht und wird nie existieren", sagte er in einem Interview.

Eine Koalition will Grillo mit keinem von beiden. "Wenn die PD Bersanis und Berlusconis PdL vorschlagen würden: sofortige Änderung des Wahlgesetzes, Streichung der Wahlkampfkostenerstattung, maximal zwei Legislaturperioden für jeden Abgeordneten - so eine Regierung würden wir selbstverständlich sofort unterstützen", sagte er. "Aber sie werden das nie tun."

Grillo zeigte sich erleichtert, dass seine Bewegung nicht gleich eine Regierungsmehrheit bekommen hat. "Das hier ist jetzt die Generalprobe", sagte er. "Wir wären vielleicht etwas besorgt gewesen, wenn wir gleich die Mehrheit bekommen hätten."

jjc/dpa