Großbritannien Algerier als Ausbilder der Terrorpiloten verdächtigt


London - Der in Großbritannien festgenommene 27-jährige algerische Pilot Lotfi Raissi hat nach Überzeugung der US-Bundespolizei FBI den Terror-Piloten der ins US-Verteidigungsministerium gestürzten Passagiermaschine ausgebildet. Dies erklärte die britische Staatsanwältin Arvinda Sambir am Freitag zu Beginn eines Auslieferungsverfahrens gegen Raissi vor einem Richter in London. Der Richter vertagte die Verhandlung zunächst auf den 5. Oktober.

Laut Sambir wird Raissi von den US-Behörden beschuldigt, der "führende Ausbilder" gewesen zu sein, der vier der 19 an den Anschlägen in den USA direkt beteiligten Terroristen trainiert habe. Der in der Nähe von London festgenommene Raissi habe die USA mehrfach zwischen Juni und Juli dieses Jahres besucht. Nach einem Besuch in Las Vegas sei er mit dem Terrorpiloten der Pentagon-Maschine nach Arizona geflogen. "Unserer Auffassung nach hielt er sich dort auf, um sicher zu stellen, dass die Piloten geeignet und für ihren Auftrag hinreichend ausgebildet waren", sagte die Staatsanwältin.

Raissi habe 1997 mit der Ausbildung begonnen, um eine gewerbliche Pilotenlizenz für die USA zu erhalten. Er habe an einer Reihe von Flugschulen gelernt, an denen auch andere Entführer eingeschrieben gewesen seien. In seiner Wohnung sei eine Reihe von Logbüchern gefunden worden, aus denen Seiten mit wichtigen Daten entfernt worden seien, sagte Sambir. Videoaufnahmen zeigten ihn gemeinsam mit den Entführern. "Es gibt hinreichend Beweise dafür, dass er sie nicht nur einfach kannte, sondern dass diese Beziehung anderer Art war."

Derzeit werde das Auslieferungsersuchen damit begründet, dass Raissi seine Pilotenlizenz betrügerisch erschlichen habe. Aber weitere Vorwürfe seien zu erwarten: "Es ist kein Geheimnis, dass auch Verschwörung zum Mord geprüft wird." Raissi war am 21. September von britischen Polizisten unter Berufung auf ein Anti-Terrorgesetz festgenommen worden. Er bestritt jede Schuld und wurde freigelassen. Sofort nach der Freilassung wurde er am Freitag jedoch wegen des aus den USA vorliegenden Auslieferungsersuchens erneut festgenommen.



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