Brexit-Chaos Britische Arbeitsministerin Amber Rudd tritt zurück

Die britische Arbeitsministerin Amber Rudd hat ihr Amt niedergelegt. Der Rücktritt der als gemäßigt geltenden konservativen Politikerin ist ein schwerer Schlag für Premierminister Boris Johnson.

Arbeitsministerin Amber Rudd: "Ich kann diesen politischen Vandalismus nicht mittragen"
Alberto Pezzali/AP

Arbeitsministerin Amber Rudd: "Ich kann diesen politischen Vandalismus nicht mittragen"


"Ich kann nicht zusehen, wie gute, loyale moderate Konservative ausgeschlossen werden." Mit diesen Worten hat die britische Amber Rudd ihr Amt als britische Arbeitsministerin niedergelegt. Die als gemäßigt geltende konservative Politikerin reagierte damit auf den Ausschluss von 21 Tory-Abgeordneten aus der Fraktion unter der Woche. Aus dieser ist Rudd nun ebenfalls ausgetreten. Sie postete ihre Rücktrittserklärung auf Twitter.

Außerdem kritisierte Rudd Premierminister Boris Johnson scharf. Sie habe das Gefühl, dass dieser seine Energie auf die Vorbereitungen eines Brexits ohne Deal mit der EU verwende, anstatt einen neuen Deal auszuhandeln. "Ich kann diesen politischen Vandalismus nicht mittragen", so Rudd in ihrem Rücktrittsschreiben an Johnson.

Der Premierminister hatte am Dienstag 21 Tory-Rebellen aus der Fraktion geworfen, die im Streit um Johnsons Brexit-Kurs gegen die eigene Regierung gestimmt hatten. Darunter sind so prominente Mitglieder wie der Alterspräsident und ehemalige Schatzkanzler Ken Clarke und der Enkel des Kriegspremiers Winston Churchill, Nicholas Soames.

Rudds Rücktritt ist ein weiterer schwerer Schlag für den Premierminister. Am Donnerstag legte bereits sein Bruder, Jo Johnson, aus Protest sein Amt als Staatssekretär und auch sein Abgeordnetenmandat für die Torys nieder.

"Ich war in den vergangenen Wochen zerrissen zwischen Loyalität zur Familie und dem nationalen Interesse - es ist eine unauflösbare Spannung", begründete Jo Johnson seine Entscheidung. Trotz aller Widrigkeiten will Johnson am Montag erneut versuchen, Neuwahlen durchzusetzen. Ein erster Versuch im Unterhaus war am Mittwoch deutlich gescheitert.

mkl/yer/dpa



insgesamt 97 Beiträge
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Erythronium2 07.09.2019
1.
Wie soll denn ausgerechnet Johnson einen neuen Austrittsvertrag aus der EU erreichen können? Zudem ist der Mann im Parlament ja ohnehin längst ohne Mehrheit. Sollte er aber bis zum 31.10. tatsächlich im Amt bleiben, bin ich mal gespannt, ob ihm doch noch ein Trick einfällt, wie er den harten Brexit in die Wege leiten kann. Sollte er dafür ins Gefängnis gehen müssen, so hätte er womöglich dennoch sein Ziel erreicht.
wauz 07.09.2019
2. Als Europäer kann ich nur hoffen
dass boris Johnson den No-Deal-Brexit bis zum 31 Oktober hin bekommt. Denn danach bricht nicht nur die britische Wirtschaft, sondern auch das britische Politiksystem zusammen. mit dieser Krise haben wir dann die Chance auf einen wesentlichen Fortschritt - die Europäisch Föderation. Diese Föderation braucht eine Ve4rfassung, die den Grundprinzipien des deutschen Grundgesetzes entspricht. Sonst kann ja Deutschland nicht dabei sein. Und wenn die Föderation in ihren Grundlagen steht, müssen wir die Föderaten anpassen. Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Spanien und Italien müssen in mehrere Einheiten aufgeschlüsselt werden, um nicht zu große wirtschaftliche Unwuchten zu erzeugen. das wird die Bayern-Partei freuen, denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Freistaat Bayern ein EU-Föderat. Und es wird selbstverständlich die Katalanen freuen. Wobei sich die Frage stellt, ob Katalanien und Okzitanien sich zusammen schließen sollten. Eine Menge historischer streitigkeiten kann man im Zuge dieser Neuordnung bereinigen.
eschne 07.09.2019
3. Respekt
Die Remainer werden sagen: das ist die Antwort auf den kollektiven Rausschmiss der Andersdenkenden Die Brexiteer werden sagen: was soll's. Ist nur eine Stimme. Spielt nach den Neuwahlen keine Rolle mehr. Trotzdem sollte klar sein, dass Frau Rudd ein moralisches Signal setzt. So geht man in einer Demokratie nicht mit der eigenen Partei um.
Profdoc1 07.09.2019
4. BoJo
Wen will den dieser Herr noch beeindrucken? Er ist ein typischer Eton-Boy mit all den Macken, die diese Herrschaften haben. Irgendwann mus auch der/die letzte Brite*in erkennen, dass sie/er nur Spielball der Tricksereien eines Boris Johnson ist, sozusagen aus purem Zocker-Vergnügen heraus. Ich persönlich hoffe, dass dieser Herr sich in seiner Lügerei so verstrickt, dass innerhalb weniger Tage das politische Ende für ihn erreicht ist.
normalversiffter 07.09.2019
5. Quer über alle Parteien
Danke an GB, das den völkisch-nazionalen Rechtspopulisten in deren verlogen-betrügerischen Agieren deutlich Kannte geben. Das macht das viertel Engländer in mir stolz und freut mich als gut durchmischter Europäer.
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