Rücktritt von britischer Premierministerin Zahl der Bewerber für May-Nachfolge wächst

Am Freitag hat Theresa May ihren Rücktritt als Premierministerin für Juni erklärt. Nun bringt sich bereits der fünfte Kandidat als Nachfolger in Stellung: Gesundheitsminister Matt Hancock.

Gesundheitsminister Matt Hancock will nun auch Premierminister werden.
VIickie Flores/ REX/ EFE/ EPA

Gesundheitsminister Matt Hancock will nun auch Premierminister werden.


Unter Tränen hat Theresa May am Freitag ihren Rücktritt als Premierministerin und Parteichefin angekündigt. Seitdem wollen immer mehr Parteikollegen für diese Posten kandidieren. Nach dem ehemaligen Außenminister Boris Johnson will nun auch Gesundheitsminister Matt Hancock auf May folgen - und Großbritannien aus der EU führen.

"Natürlich müssen wir einen Brexit abliefern und das werde ich", sagte Hancock der BBC. "Wir müssen einen Deal finden, der es durch das Parlament schafft. Wir müssen brutal ehrlich sein über die Zugeständnisse", sagte er.

Zuletzt hatten neben Johnson Außenminister Jeremy Hunt, Ex-Arbeitsministerin Esther McVey und Entwicklungshilfeminister Rory Stewart ihre Kandidaturen erklärt.

Insgesamt werden um die 20 Bewerber für das Auswahlverfahren erwartet - die Frist läuft bis zum 10. Juni. Dann werden zwei Kandidaten bestimmt, über die die rund 100.000 Parteimitglieder der konservativen Tories schließlich abstimmen werden. Bis Juli soll ein Nachfolger bestimmt werden.

Angst vor Brexit-Wettrüsten

Als Favorit für den Posten gilt Boris Johnson. Er hatte sich als Erster zu Wort gemeldet und sogleich mit einem EU-Austritt ohne Abkommen gedroht. Eine Verlängerung der Brexit-Frist über den 31. Oktober hinaus schloss er aus.

Berichten zufolge löste er damit Befürchtungen vor einem Brexit-Wettrüsten aus, bei dem sich die Kandidaten gegenseitig an Kompromisslosigkeit überbieten, um die Brexit-Hardliner an der konservativen Parteibasis auf ihre Seite zu ziehen.

Der Kandidat Rory Stewart will in einem Kabinett unter Johnson nicht arbeiten. Er sagte der BBC: "Es gibt große Spannungen in diesem Rennen, die dazu führen, dass Leute Sachen versprechen werden, die sie nicht einhalten können. Das dramatischste Versprechen ist wohl das eines No-Deal-Brexits".

Auch Handelsminister Liam Fox und der frühere Brexit-Minister Steve Baker schlossen eine Kandidatur auf Nachfrage nicht aus. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten zudem der frühere Brexit-Minister Dominic Raab, Umweltminister Michael Gove, Verteidigungsministerin Penny Mordaunt, Innenminister Sajid Javid und die am Mittwoch zurückgetretene Ministerin für Parlamentsangelegenheiten, Andrea Leadsom.

Großbritannien soll bis zum 31. Oktober aus der Staatengemeinschaft ausscheiden. Das von May mit Brüssel ausgehandelte Austrittsabkommen wurde aber vom Parlament bisher drei Mal abgelehnt. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Bleibt es dabei, droht ein abruptes Ende der Mitgliedschaft mit möglicherweise dramatischen Folgen für die Wirtschaft und andere Lebensbereiche.

mfh/AFP/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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robert.speicher 25.05.2019
1. Liam Fox..
ist gluecklicherweise nur Wirtschafts- und nicht Finanzminister - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
pythagoräische Bohne 25.05.2019
2. "Wir müssen einen Deal finden, der es durch das Parlament schafft."
Da das Parlament jeden denkbaren Deal ablehnt (außer vielleicht die EU bewirbt sich freiwillig als britische Kolonie), ist dieser Ansatz auch im zweiten Anlauf zum Scheitern verurteilt. Es würde wieder auf mehrere Verlängerungsgesuche und am Ende einen Rücktritt hinauslaufen.
dasfred 25.05.2019
3. Die Nachfolge Bewerber sind ziemlich blauäugig
Der Sessel von Theresa May ist doch ein Schleudersitz. Wer tatsächlich glaubt, mit dem Brexit kommt der große Aufschwung, der hat sich schon durch grenzenlose Naivität disqualifiziert. Jeder, der das Chaos jetzt übernimmt, wird über kurz oder lang von den Populisten vom Hof gejagt.
FK-1234 25.05.2019
4. Absurd
...das ausgerechnet ein Herr Johnson als Favorit gilt. Ein Populist der schlimmsten Art, der schon vor dem Brexit dreist und skrupellos gelogen hat und nun den Torys das Blaue vom Himmel verspricht, nur damit er an die Macht kommt. Die meisten anderen Kandidaten sind keinen Deut glaubwürdiger und spalten das Land weiter.
mgrevenstein 26.05.2019
5. ....um den eignen Namen in Geschichtsbüchern lesen zu können?
Die einzigen die England noch vor dem vollständigen Chaos retten können ist das Volk. Ist ähnlich wie in "Resteuropa". Die Straßen sind zu leer um die Führungsriegen ernsthaft in Bedrängnis zu bringen und die nicht schwindende Arroganz immer noch zu groß.
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