Großbritannien Blair und Labour sacken in Umfrage auf neuen Tiefpunkt

Tony Blair unter Druck: Der wegen der Debatte um die Irak-Kriegs-Gründe und des Selbstmords eines Waffenexperten unter Druck geratene britische Premier hat einer Meinungsumfrage zufolge deutlich an Popularität verloren. Auch die Labour-Partei verlor kräftig und liegt nur noch knapp vor den Torys.


Umfragewerte zeigen ins Tiefgeschoss: Tony Blair
AP

Umfragewerte zeigen ins Tiefgeschoss: Tony Blair

London - Blairs Zustimmungsrate sei in Großbritannien im Vergleich zu einer Erhebung vor zwei Monaten von plus sieben auf auf minus 17 Punkte gesunken, hieß es in einer am Dienstag von der Tageszeitung "Guardian" veröffentlichten Umfrage.

Hielten damals noch 51 Prozent Blair für glaubwürdig, seien es jetzt nur noch 39 Prozent. Der Vorsprung von Blairs Labour-Partei vor den Konservativen schmolz von zwölf auf zwei Prozentpunkte.

Die Umfrage wurde kurz nach dem Fund der Leiche des Biowaffenexperten David Kelly am vergangenen Freitag durchgeführt. Kelly war der Polizei zufolge durch einen Schnitt am Handgelenk verblutet. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht. Kelly war laut BBC die Quelle für einen Bericht, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, Geheimdienstberichte über Iraks Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben. Der Tod des Mikrobiologen hatte den Druck auf Blair in der Debatte über die Kriegsgründe massiv verstärkt. Kritiker werfen der Regierung in London vor, Kelly in einem nicht hinnehmbaren Maß unter Druck gesetzt zu haben, um den BBC-Bericht zu widerlegen.

Blair hatte während seiner Asienreise einen Rücktritt wegen Vorwürfen gegen seine Regierung im Zusammenhang mit Kellys Tod ausgeschlossen.



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