TV-Debatte um May-Nachfolge "Wo ist Boris?"

Sechs Kandidaten sind noch im Rennen um den Tory-Parteivorsitz, doch nur fünf traten nun in einer TV-Debatte gegeneinander an. Der aussichtsreichste Bewerber, Boris Johnson, blieb fern - und erntet dafür Kritik.

Sechs Kandidaten wollen May nachfolgen, fünf erschienen zur TV-Debatte (v.l.): Michael Gove, Jeremy Hunt, Sajid Javid, Dominic Raab und Rory Stewart. An dem leeren Pult hätte Boris Johnson stehen sollen.
TIM ANDERSON/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Sechs Kandidaten wollen May nachfolgen, fünf erschienen zur TV-Debatte (v.l.): Michael Gove, Jeremy Hunt, Sajid Javid, Dominic Raab und Rory Stewart. An dem leeren Pult hätte Boris Johnson stehen sollen.


Im Rennen um den Tory-Parteivorsitz in Großbritannien sind noch sechs Kandidaten übrig, in einer ersten Abstimmungsrunde vergangene Woche waren bereits drei Anwärter ausgeschieden, Bewerber Matt Hancock hatte kurz darauf seine Kandidatur zurückgezogen. Nun verbleiben also sechs Politiker - aber bei einer TV-Debatte am Sonntagabend traten nur fünf von ihnen gegeneinander an.

Der aussichtsreichste Kandidat, Boris Johnson, blieb der 90-minütigen Diskussionsrunde des Senders Channel 4 fern. Eine Debatte mit zahlreichen Teilnehmern "kann leicht kakofon sein", sagte er laut BBC zur Begründung. Der ehemalige britische Außenminister war in der ersten Abstimmungsrunde mit großem Abstand auf Platz eins gelandet. Johnson hat angekündigt, erst an einer TV-Debatte nach der zweiten Wahlrunde am kommenden Dienstag teilnehmen zu wollen.

Neben Johnson bewerben sich Außenminister Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove, der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab, Innenminister Sajid Javid und der Minister für internationale Entwicklung, Rory Stewart, um Mays Nachfolge.

Das Fehlen von Johnson bei der TV-Debatte wurde von seinen Kontrahenten mehrfach thematisiert. "Wo ist Boris Johnson", fragte Außenminister Hunt zu Beginn der Debatte. "Wenn sein Team es ihm nicht erlaubt, mit fünf recht freundlichen Kollegen zu diskutieren - wie wird es ihm dann mit 27 europäischen Ländern ergehen? Er sollte hier sein, um genau diese Frage zu beantworten."

Und Rory Stewart fragte in die Runde, wie genau Johnson gedenke, den EU-Austritt Großbritanniens zu gestalten. "Ich weiß nicht einmal, woran er glaubt. Er redet nicht mit mir, er redet nicht mit Ihnen, er redet nicht mit der Öffentlichkeit. Wir wollen wissen, woran er glaubt." Er hoffe, sagte Stewart mit Verweis auf seine Parteikollegen in der TV-Runde, dass "einer von uns" das Rennen um den Parteivorsitz gewinne.

Premierministerin May war als Tory-Chefin zurückgetreten, nachdem sie in ihrer Partei seit Monaten keinen ausreichenden Rückhalt für ihren Brexit-Kurs erhalten hatte. In einem mehrstufigen Verfahren bestimmen die Tories ihren künftigen Parteichef, der automatisch May auch auf dem Posten des Regierungschefs beerben wird.

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Zunächst sortiert die Fraktion Schritt für Schritt Kandidaten aus, bis nur noch zwei Bewerber übrigbleiben. Spätestens am Donnerstag kommender Woche sollen die beiden finalen Kandidaten feststehen. Dann entscheiden die etwa 160.000 Parteimitglieder per Briefwahl: Die Urwahl soll am 22. Juni beginnen, etwa einen Monat später wollen die Konservativen den Sieger bekanntgeben.

aar/AFP/Reuters

insgesamt 37 Beiträge
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zeitgenosse99 17.06.2019
1. Fristgerecht zum 100 Tagescountdown...
...wüssten die Briten dann wer ihr neuer Premier ist und dann müsste der bis Halloween auch noch was auf die Reihe kriegen. Deal, No Deal, Abbruch der Uebung oder was wird dann wohl kommen? Das wird sicher noch ein paar unterhaltsame Unterhaus Live Sendungen geben! Oooordää!
123rumpel123 17.06.2019
2. da hat der Boris wohl nix versäumt
Eine Diskussion, mit sieben Diskutanten, in der schon alle Positionen von vorneherein bekannt sind, , wird wohl auch in GB niemanden von seinem Sonntagabend-Krimi wegelockt haben. Zumal das entscheidene Wort am Ende rund 120.000 Parteimitglieder haben. Und ausser das Boris nicht da war, gab es wohl auch nichts nennenswertes über die Sendung zu berichten.
Europa-Realist 17.06.2019
3. All right!
Wenn die Hälfte der Zeit nur darüber gesprochen wird, warum Boris Johnson nicht bei der Diskussion dabei ist, dann zeigt dies nur, dass Boris Johnson der künftige PM werden wird.
Cato137 17.06.2019
4. Die Nichtteilnahme an der Sechser Debatte
ist wirklich clever von BoJo. Denn durch seine Abwesenheit wird er zur zentralen Figur und unterscheidet sich von dem (Fünfer) Rest.
dendro 17.06.2019
5. Populismus und konkrete Fragen ...
... gehen halt nicht zusammen. Das könnte den Herrn Johnson ja entlarven.
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