Großbritannien Johnson weist Vorwurf des Amtsmissbrauchs zurück

Als Londoner Bürgermeister soll Boris Johnson eine US-Geschäftsfrau begünstigt haben. Der Premier bestreitet dies. Zusätzlich wurden nun neue Vorwürfe gegen Johnson bekannt: Er soll eine Journalistin betatscht haben.

Boris Johnson: "Ich bin sehr, sehr stolz auf alles, was wir getan haben"
Christopher Furlong/Getty Images

Boris Johnson: "Ich bin sehr, sehr stolz auf alles, was wir getan haben"


Der britische Premierminister Boris Johnson hat alle Vorwürfe des Amtsmissbrauchs während seiner Zeit als Bürgermeister in London zurückgewiesen. "Ich bin sehr, sehr stolz auf alles, was wir getan haben, und sicherlich auch auf das, was ich als Bürgermeister von London gemacht habe", sagte der Regierungschef am Sonntag in der Andrew-Marr-Show der BBC kurz vor Beginn des Parteitags der Konservativen in Manchester. Er habe sich an die Vorschriften gehalten.

Johnson war von 2008 bis 2016 Bürgermeister von London. Ihm wird vorgeworfen, in dieser Zeit die US-amerikanische Geschäftsfrau Jennifer Arcuri begünstigt zu haben. Es geht dabei um Fördergelder und die Teilnahme an Reisen, von denen die mit Johnson befreundete Unternehmerin profitiert haben soll, obwohl sie nicht die erforderlichen Bedingungen erfüllte.

Auch Arcuri, die wieder in den USA lebt, wies die Vorwürfe zurück. Die "Sunday Times" berichtete am Sonntag, dass Johnson mit dem Ex-Model ein Verhältnis gehabt habe.

Polizeiaufsicht entscheidet über Ermittlungen

Die Londoner Stadtverwaltung lässt den Fall derzeit prüfen. Es lägen Indizien für eine Straftat vor, hieß es von Seiten der Behörde. Bewiesen sei das aber noch nicht. Ob ermittelt werde, müsse die Polizeiaufsicht entscheiden.

Im BBC-Interview verpasste Johnson seinem Nachfolger im Bürgermeisteramt, Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei, einen Seitenhieb: Der solle sich als Bürgermeister der britischen Hauptstadt lieber um die Polizisten kümmern als in Pressesprecher zu investieren.

Ärger droht Johnson womöglich auch noch wegen einer anderen Geschichte: Die "Sunday Times"-Kolumnistin Charlotte Edwardes bezichtigt ihn, sie in seiner Zeit als Chefredakteur des "Spectator" bei einem Firmenessen betatscht zu haben. Johnson habe seine Hand unter dem Tisch "hoch" auf ihrem Schenkel gehabt und fest zugegriffen, schreibt Edwardes. Einer anderen Frau soll es genauso ergangen sein. Der Vorfall soll sich 1999 ereignet haben.

Johnson steht aktuell auch wegen seiner verbalen Attacken gegenüber Gerichten und dem Parlament in der Kritik. Ende September warf ihm seine Schwester , die angesehene Journalistin und Romanautorin Rachel Johnson, "geschmacklose" Rhetorik vor. Zuvor hatte Boris Johnsons jüngerer Bruder Jo sein Amt als Staatssekretär und auch sein Mandat als Parlamentsabgeordneter für die Konservativen niedergelegt.

Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - notfalls auch ohne Abkommen, obwohl ihm das ein neues Gesetz untersagt.

jme/dpa

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grumpy53 29.09.2019
1. es gilt die Unschuldsvermutung
Solange nicht eindeutig bewiesen ist, dass er sich, was die geschäftlichen Vorgänge betrifft, die er in seiner Amtszeit, ob nun als Bürgermeister oder PM getan hat oder tut, unkorrekt oder gesetzeswidrig gehandelt hat, gilt er als unschuldig. Allerdings kann man sich persönlich eine Meinung darüber bilden, wie die moralische Bewertung ist. BoJo war zu der Zeit verheiratet, übrigens mit einer Frau, mit der er seine erste Ehefrau betrogen hat. Nun hat er vielleicht eine parallele Beziehung zu einer Frau gehabt, deren Firma in dieser Zeit öffentlich finanzierte Aufträge erhalten hat. Er ist übrigens heute noch verheiratet, während er eine offizielle Freundin hat, die er mit zur Queen auf Besuch nimmt. Das ist gesetzlich legitim, seine Fans halten das für den Beweis, dass er _ein richtiger Mann und Kerl_ ist. Ehrlich gesagt, wenn so ein Verhalten einen _richtigen_ Mann kennzeichnet, dann sagt das viel über ihn und seine Fans aus. Und wie das mit der Moral in seiner Sprache im Parlament ist, Mitglieder der Opposition als Verräter zu bezeichnen und somit den ohnehin brutaler werdenden Ton in der Gesellschaft zu befördern, kann jeder auch beurteilen. Nicht der, der am lautesten brüllt und andere beleidigt, ist unbedingt im Recht. Und by the way, Fehlentscheidungen und Fehlverhalten wird erst dann eingeräumt, wenn es nicht mehr anders geht. Und eben immer nur das, was halt eindeutig zu beweisen ist. Ansonsten ist alles fake news und Verrat. Schönes altes Sprichwort: Hochmut kommt vor dem Fall.
fuerstchristian 29.09.2019
2. wenn Rupert Murdochs Sunday Times sowas schreibt ...
... dann ist sicher was dran, denn der ultra-rechte Australier und sein Medienkonzern hassen alles, was links von ihnen ist. Aber grundsätzlich ist der weit überwiegende Teil der Londoner Presse eine klassische Schmutz-Presse, die ihre täglichen Fehltritte stets mit dem Konkurrenzdruck begründet. Und auch die berühmten Sonntagsuzeitungen sind von der Sensationsberichterstattung absolut nicht ausgenommen. Grundsätzlich muss man den Johnsons, Trumps, Berlusconis etc aber alles zutrauen
s.l.bln 29.09.2019
3. Man weiß aktuell...
...nichtmal, ob man sich wünschen soll, daß die Vorwürfe stimmen. Gäbe es einen Skandal, der ihn über seine üblichen Entgleisungen hinaus das Amt kostet, wäre nicht nur seine Wiederwahl hinfällig, Farage würde bei der nächsten Wahl noch mehr Stimmen bei den Tories einsammeln als ohnehin schon. Das wär derzeit der einzig Vorstellbare, der für GB als Premier noch katastrophaler wäre als Johnson.
rheinufer9365 29.09.2019
4. Alles wohl ziemlich klar und deutlich.
Frau Arcuri arbeitete als "Hostess" und Tänzerin an der Stange in Nachtclubs, als sie auf Boris traf. Ihr Freund mit dem sie zusammenlebte und noch immer lebt, macht ein wenig im IT-Bereich. Boris wollte sie wohl engagieren, aber die dabei entstehenden hohen Kosten nicht aus eigener nicht aus eigener Tasche zahlen. Wohl von ihm kam der Anstoß, sie und ihr Freund mögen eine IT Firma gründen, die er dann mit staatlichen Mitteln subventionieren würde. Was sie auch taten und nannten die Firma "Hacker". In die ließ Boris dann Förderungsmittel von fast 200000 Euro fließen. Diese Förderung ist eigentlich zur Gründung von Firmen und Erschaffung von neuen Arbeitsplätzen gedacht. Über einen Zeitraum besuchte Boris dann Frau Arcari in ihrer Wohnung, um angeblich IT-Unterricht zu bekommen. Nur, immer wenn Boris auftauchte, verließ der Freund die Wohnung, wo doch nicht sie, sondern nur er sich mit Computern auskennt. Es wurde auch nicht nur ein Arbeitsplatz geschaffen, Frau Arcari und Freund gingen mit der Kohle aus Steuergeldern abgewzweigt, in die Staaten zurück, Boris muss so begeistert von seiner Tutorin gewesen sein, dass er sie auch einem anderen zwielichtigen Connoisseur was Frauen betrifft, empfahl und vorstellte, Prinz Andrew. Nicht einmal Hollywood könnte so eine Story erfinden.
stelzerdd 29.09.2019
5. Es gilt die Unschuldsvermutung?
Zitat von grumpy53Solange nicht eindeutig bewiesen ist, dass er sich, was die geschäftlichen Vorgänge betrifft, die er in seiner Amtszeit, ob nun als Bürgermeister oder PM getan hat oder tut, unkorrekt oder gesetzeswidrig gehandelt hat, gilt er als unschuldig. Allerdings kann man sich persönlich eine Meinung darüber bilden, wie die moralische Bewertung ist. BoJo war zu der Zeit verheiratet, übrigens mit einer Frau, mit der er seine erste Ehefrau betrogen hat. Nun hat er vielleicht eine parallele Beziehung zu einer Frau gehabt, deren Firma in dieser Zeit öffentlich finanzierte Aufträge erhalten hat. Er ist übrigens heute noch verheiratet, während er eine offizielle Freundin hat, die er mit zur Queen auf Besuch nimmt. Das ist gesetzlich legitim, seine Fans halten das für den Beweis, dass er _ein richtiger Mann und Kerl_ ist. Ehrlich gesagt, wenn so ein Verhalten einen _richtigen_ Mann kennzeichnet, dann sagt das viel über ihn und seine Fans aus. Und wie das mit der Moral in seiner Sprache im Parlament ist, Mitglieder der Opposition als Verräter zu bezeichnen und somit den ohnehin brutaler werdenden Ton in der Gesellschaft zu befördern, kann jeder auch beurteilen. Nicht der, der am lautesten brüllt und andere beleidigt, ist unbedingt im Recht. Und by the way, Fehlentscheidungen und Fehlverhalten wird erst dann eingeräumt, wenn es nicht mehr anders geht. Und eben immer nur das, was halt eindeutig zu beweisen ist. Ansonsten ist alles fake news und Verrat. Schönes altes Sprichwort: Hochmut kommt vor dem Fall.
Naja, vor dem Gesetz gilt er als unschuldig. Aber da BoJo bekanntermaßen ständig lügt oder wenigstend die Wahrheit so lange zurechtbiegt, bis es ihm passt, gilt er für mich erstmal als schuldig. Ich trau dem alles zu. Denn ich bin kein Richter. Gern tu ich Abbitte, sollte diesmal alles korrekt gelaufen sein.
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