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Wahlkampf in Großbritannien Boris Johnson kapert "Tatsächlich Liebe"

Es ist einer der beliebtesten Weihnachtsfilme, die Szene der Liebeserklärung auf Pappschildern ist Kult. Der Kinohit "Tatsächlich Liebe" wurde jetzt von Wahlkämpfer Boris Johnson gekapert. Selbst Kritiker müssen zugeben: leider gut.

"Love Actually" - oder in der deutschen Fassung "Tatsächlich Liebe" ist einer der bekanntesten jüngeren Weihnachtsfilme. In einer Szene gesteht einer der Protagonisten, Mark, der Frau seines besten Freundes seine Liebe- indem er, ohne ein Wort zu sagen, ihr Papptafeln mit seinen Botschaften zeigt.

Premierminister Boris Johnson hat sich diese Szene jetzt zu eigen gemacht, um bei der bevorstehenden Parlamentswahl am Donnerstag für sich und seine Konservativen zu werben. Wie Mark steht er mit Schildchen vor der Tür einer Wählerin, um ihr seine Botschaften zu übermitteln. "Vote Conservative actually" fordert er die Zuschauer auf. "Ihre Stimme war noch nie so wichtig. Der andere könnte gewinnen", steht auf einem anderen Plakat. Damit ist offenbar Labour-Chef Jeremy Corbyn gemeint.

Der Auftritt ist ziemlich gelungen und auch deswegen pikant, weil Hugh Grant eine der Hauptrollen in "Love Actually" spielte - und der ist inzwischen einer der vehementesten Johnson-Kritiker und mischt auch lautstark im Wahlkampf mit, wirbt für die Liberalen Demokraten.

Die Briten wählen an diesem Donnerstag ein neues Parlament. Johnson hat angekündigt, den Brexit auf jeden Fall umzusetzen. Umfragen sehen die regierenden Tories klar vorn. Allerdings hat Großbritannien ein Mehrheitswahlrecht: Nur der Kandidat, der in einem der 650 Wahlkreise die meisten Stimmen auf sich vereint, bekommt einen Sitz im Unterhaus. In vielen Wahlkreisen, vor allem in Mittel- und Nordengland, liefern sich Johnsons Tories und die Labour-Partei von Corbyn ein knappes Rennen.

Johnson will sein Land am 31. Januar 2020 aus der EU führen. In einer elfmonatigen Übergangsphase, während der noch alles beim Alten bleibt, soll dann ein Freihandelsabkommen mit Brüssel ausgehandelt werden. Doch schon dafür gilt die Zeit als äußerst knapp. Eine noch bis Ende Juni 2020 mögliche Verlängerungsoption der Übergangsfrist lehnt Johnson aber vehement ab.

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