Großbritannien Ex-Finanzminister rechnet in Memoiren mit Gordon Brown ab

Gordon Brown hat während seiner Zeit als Premierminister ein brutales Regime geführt und mit einer Atmosphäre von Chaos und Krise regiert - das behauptet zumindest Ex-Finanzminister Alistair Darlin. In seinen Memoiren rechnet er mit seinem früheren Chef ab.

Alistair Darling: Memoiren als Abrechnung mit dem Ex-Chef
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Alistair Darling: Memoiren als Abrechnung mit dem Ex-Chef


London - Harte Worte über den Ex-Chef: In seinen Memoiren hat der frühere britische Finanzminister Alistair Darling harsche Kritik an Gordon Brown geübt. Der Premier habe ein "brutales Regime" geführt und sei seinen Kollegen mit "höllischen" Angriffen in den Rücken gefallen, schreibt Darling in "Back from the Brink" ("Zurück vom Abgrund"). Die Zeitung "The Sunday Times" veröffentlichte am Sonntag Auszüge aus dem Buch.

Brown habe während seiner Regierungszeit von Juni 2007 bis Mai 2010 mit einer "ständigen Atmosphäre von Chaos und Krise" regiert und seine Haushaltsentwürfe regelmäßig untergraben, schreibt Darling.

Außerdem kritisiert er das Fachwissen von Brown: Kurz vor Beginn der Finanzkrise im September 2008 sei er überzeugt gewesen, dass die Rezession nur sechs Monate dauern werde. Brown sei wütend gewesen, als Darling die Krise richtig als den schwersten Einbruch der vergangenen 60 Jahre beschrieb. "Das waren dunkle Tage", schreibt Darling. "Das Problem war, dass er offenkundig meinem Rat nicht traute und es ihm egal zu sein schien, was ich dachte."

Hatte Darling einst zum Kreis der Vertrauten Browns gezählt, so änderte sich dies seinen Schilderungen zufolge, als Brown Premierminister wurde. "Etwas hatte sich geändert, ich zählte nicht mehr zum engeren Zirkel", schreibt er. Ex-Premier Tony Blair habe ihn sogar vor Brown gewarnt: Mit ihm zu tun zu haben sei, "als wenn der Zahnarzt ohne Betäubung bohrt. Er macht immer weiter".

Doch es gibt auch Stellen im Buch, in denen Darling Nettes über seinen Ex-Chef schreibt. Zum Beispiel: "Man kann nicht sagen, er hätte es nicht versucht." Oder weiter: Er selbst habe sich nie an Putsch-Plänen gegen Brown beteiligt, weil "ich eine große Loyalität ihm gegenüber hatte - und noch immer habe - und die kann ich nicht überwinden".

dapd/AFP

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