Großbritannien Familie will US-Regierung verklagen

Harry Dunn verunglückte in Großbritannien tödlich, als sein Motorrad mit einem Auto zusammenstieß - an dessen Steuer die Frau eines US-Diplomaten saß. Seine Eltern wollen nicht hinnehmen, dass die Fahrerin ausreisen durfte.

Charlotte Charles und Tim Dunn: Eltern kämpfen nach dem Tod ihres Sohnes um Gerechtigkeit
REUTERS/Eduardo Munoz

Charlotte Charles und Tim Dunn: Eltern kämpfen nach dem Tod ihres Sohnes um Gerechtigkeit


Charlotte Charles und Tim Dunn wollen die US-Regierung verklagen - "wegen deren gesetzeswidrigen Fehlverhaltens" und des "Versuchs der Vertuschung" im Fall Harry Dunn. Der 19-Jährige war Ende August tödlich verunglückt, als sein Motorrad in der Nähe eines britischen Luftwaffenstützpunkts mit dem Auto der Ehefrau eines US-Diplomaten kollidierte.

Seine Eltern wollen ihrem Anwalt zufolge nun sowohl Ansprüche gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump als auch gegen die 42-Jährige geltend machen, die vor dem Unfall auf der falschen Seite der Fahrbahn unterwegs war.

Sie hatte Großbritannien nach dem Unfall unter Berufung auf diplomatische Immunität verlassen, bevor sie von der Polizei befragt werden konnte. In einer von US-Medien zitierten Erklärung ihrer Anwälte räumte die Diplomatengattin ein, am Steuer des Unfallwagens gesessen zu haben.

Die Eltern des verunglückten Dunn hatten bereits versucht, bei der US-Regierung eine Auslieferung der 42-Jährigen nach Großbritannien zu erwirken, jedoch ohne Erfolg. Jetzt werfen sie der Regierung vor, die Frau des Diplomaten "zurück in die USA geholt zu haben, damit sie nie vor Gericht kommt".

Vater "angewidert" und "entsetzt" vom Verhalten der Fahrerin

Ziel der Klage gegen die Regierung in Washington sei es, die Fahrerin vor ein britisches Gericht zu bringen und "das Fehlverhalten der US-Regierung aufzudecken", sagte der Anwalt der Familie, Radd Seiger, der Nachrichtenagentur AFP.

Dunns Vater Tim sagte dem Sender Sky News, seine Familie sei "angewidert" und "entsetzt" angesichts des Verhaltens der Fahrerin. "Ich bin wütend, dass jemand so etwas tut und dann in ein Flugzeug steigt und verschwindet", sagte er.

Der Fall hatte auch diplomatische Spannungen zwischen Großbritannien und den USA ausgelöst. US-Präsident Trump bezeichnete das Geschehen als einen "schrecklichen Unfall". Viele US-Bürger hätten beim Fahren auf der linken Straßenseite in Großbritannien Probleme, fügte der Präsident hinzu.

Johnson will zur Not "persönlich mit dem Weißen Haus sprechen"

Mitte Oktober empfing er Dunns Eltern im Weißen Haus. Sie erklärten später, Trump sei "herzlich" und "gastfreundlich" gewesen. Kritik übten sie allerdings an seinem Versuch, ein spontanes Treffen mit der Frau des US-Diplomaten zu organisieren - sie wartete mit Fotografen im Nachbarraum.

Die Familie hat zudem bereits Klage gegen die britische Regierung eingereicht, weil diese die Ausreise der Diplomatengattin nicht verhindert hat. Premier Boris Johnson versprach, er werde mit dem US-Botschafter in London Kontakt aufnehmen. Die diplomatische Immunität, die eigentlich für die Abgesandten anderer Länder gilt, sei für diese Sache nicht vorgesehen. "Wenn wir das nicht so lösen können, werde ich das Thema persönlich mit dem Weißen Haus besprechen", sagte Johnson.

mes/AFP



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