Großbritannien Hassprediger darf nicht mehr einreisen

Nach den Anschlägen von London verschärft die britische Regierung ihr Vorgehen gegen Hassprediger: Dem radikalislamischen Geistlichen Omar Bakri Mohammed verweigerte das Land die Rückkehr aus dem Libanon.


Omar Bakri Mohammed: Keine Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien
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Omar Bakri Mohammed: Keine Aufenthaltsgenehmigung in Großbritannien

London - Auf Weisung von Innenminister Charles Clarke sei Bakri mit sofortiger Wirkung die Aufenthaltsgenehmigung entzogen worden. Seine Anwesenheit auf der britischen Insel sei "nicht im öffentlichen Interesse", teilte das Ministerium heute in London mit. Die jordanische Regierung erwartet unterdessen in Kürze von London die Auslieferung des Hasspredigers Abu Katada.

Bakri war vor sechs Tagen nach eigenen Angaben zu einem Familienbesuch nach Libanon ausgereist. In Großbritannien drohte ihm auf Grund von Plänen zur Verschärfung der Antiterrorgesetze eine Anklage wegen Hochverrates. Bakri, der die libanesische und syrische Staatsangehörigkeit besitzen soll, war zunächst in Libanon festgenommen und vernommen worden. Heute wurde aber seine Freilassung angeordnet.

In einem einem libanesischen Fernsehinterview bestritt Bakri kurz zuvor jede Verbindung zur Terrororganisation al-Qaida. Die 56 Toten der Londoner Anschlagsserie vom 7. Juli bezeichnete er als "unschuldige Opfer". Bakri, in britischen Medien auch als "Ajatollah von Tottenham" bezeichnet, hatte nach den Anschlägen aber öffentlich gesagt, er würde als Muslim keinen anderen Muslim verraten, wenn dieser Anschläge plane.

Britische Medien berichteten indes unter Berufung auf das libanesische Außenministerium, dass Syrien ein Auslieferungsersuchen für den islamischen Geistlichen gestellt habe. Dort werde er wegen zahlreicher Verbrechen in den achtziger Jahren gesucht, hieß es. Bakri hatte damals in Großbritannien um politisches Asyl gebeten und später eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis bekommen. Seine Frau, Kinder und Enkelkinder leben dort.

Gestern hatte die britische Polizei auf Weisung Clarkes zehn Ausländer in Abschiebehaft genommen, die als "Sicherheitsrisiko" für das Land eingestuft werden. Unter den Verhafteten befindet sich nach britischen Medienberichten der als "Botschafter Osama bin Ladens in Europa" bezeichnete radikalislamische Geistliche Abu Katada. Justizexperten rechnen allerdings nicht mit einer baldigen Abschiebung der Männer, da erwartet wird, dass sie Berufung einlegen.

Die jordanische Regierung teilte jedoch heute mit, dass Abu Katada in den nächsten Tagen nach Amman deportiert werden soll. Der jordanische Innenminister Awni Jarfas erklärte, Jordanien bereite ein Auslieferungsgesuch vor, nachdem es von der britischen Regierung über deren Pläne für eine Abschiebung nach Amman informiert worden sei.

Der Jordanier Abu Katada, der seit 1993 als politischer Flüchtling in Großbritannien lebt, war bei zwei Terrorprozessen in Jordanien in Abwesenheit zu jeweils 15 Jahren Haft verurteilt worden. Nach jordanischem Recht muss der Prozess nach seiner Rückkehr wiederholt werden.



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