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Queen Elizabeth II: Eine Familie und ihr Überfluss

Foto: Oli Scarff/ Getty Images

Anhörung des Schatzmeisters Spartipps für die Queen

Muss es immer der königliche Helikopter sein? In Zeiten sich rasant ausbreitender Armut erwarten die Briten von ihrer Queen, dass auch sie kürzer tritt. Eine Anhörung ihres Schatzmeisters gibt nun interessante Einblicke in die Einnahmen und Ausgaben der Windsors.

Es dauert nur ein paar Minuten, bis die britische Monarchie auf den Müll reduziert ist, der in den Palästen anfällt. "5000 Tonnen vergangenes Jahr! Was tun Sie, um diese Menge zu reduzieren?" Die Frechheit kommt von einem Abgeordneten der Liberal Democrats.

Sir Alan Reid, Hüter der Königlichen Privatschatulle, Schatzmeister Ihrer Majestät, faltet die Hände vor sich auf dem Tisch. Müll also. Es geschieht nicht häufig, dass er von seinem Büro im Buckingham-Palast zum Parlament fahren muss, um im Ausschuss für öffentliche Ausgaben die lästigen Fragen der Abgeordneten zu ertragen. Das letzte Mal war er vor vier Jahren hier. Er schaut nach rechts. Sein Stellvertreter weiß aber auch nicht, woher der Müll kommt.

Sir Alan ist ein Gentleman von 66 Jahren, der sich jetzt zwingt, ruhig zu bleiben. Seit elf Jahren wacht er über die Finanzen des Palastes. Er ist der Mann, der der Queen das Sparen beibringen muss. Ein Teil ihrer Einnahmen stammt aus Steuergeldern, 37,9 Millionen Pfund für das kommende Haushaltsjahr, rund 45 Millionen Euro, fünf Prozent mehr als im laufenden Jahr. Das muss Reid dem Volk erklären.

Einige Untertanen achten derzeit sehr genau darauf, wie viel Geld die königliche Familie bekommt und wofür sie es ausgibt. Die Wirtschaft erholt sich nur schleppend, etliche Menschen können sich selbst das Nötigste nicht mehr leisten. Kürzlich kündigte das Rote Kreuz an, im Winter zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Essensrationen an arme Menschen zu verteilen. Viele Briten wollen sehen, dass in schweren Zeiten auch die Monarchin kürzertreten kann.

Rosa Federn und Perlenkette

Sir Alan sagt, die Ausgaben aus dem von Steuergeldern finanzierten Haushalt würden bereits seit Beginn der neunziger Jahre sinken. Deshalb sei die leichte Steigerung der Zuschüsse jetzt zu verkraften. Seine Botschaft lautet: Die Königin kann nicht noch mehr sparen. Die Botschaft der Abgeordneten lautet: Doch, kann sie.

Der Schatzmeister berichtet vom bedauernswerten Zustand der Paläste. Man müsse viel renovieren, allein deshalb sei es schwer, Ausgaben zu reduzieren. Die elektrischen Leitungen im Buckingham-Palast stammten von 1949, und in das Mausoleum von Königin Victoria bei Schloss Windsor tropfe Regenwasser. "Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie viel die Renovierung aller Gebäude kostet?", fragt die Vorsitzende des Ausschusses, Margaret Hodge, eine Labour-Frau.

Alan Reid streicht mit der Hand über seinen 81-seitigen Finanzbericht. Auf dem Deckblatt lächelt Queen Elizabeth II., sie trägt eine Perlenkette und einen Hut mit rosafarbenen Federn. Eine Königin ist gut, sagt das Bild, aber man muss sie sich leisten wollen. Reid hüstelt: "50 Millionen Pfund." Mehr oder weniger.

Faktisch besitzt die Queen in Großbritannien nur wenig Macht. Sie muss sich ihre Existenzberechtigung ständig neu verdienen und zieht ihren Einfluss fast ausschließlich aus dem Glanz der Repräsentation. Deshalb ist es auch riskant für sie, ausgerechnet an der Inszenierung zu sparen. Kosten für Wäsche und Reinigung im vorigen Haushaltsjahr: 700.000 Pfund.

Die Erfahrung zeigt, dass die Briten von ihrer Königsfamilie begeistert sind, wenn sie hübsche Bilder liefert. Nach der Geburt von Prinz George im Sommer sprachen sich bei einer Umfrage 66 Prozent für die Monarchie als Staatsform aus, ein Rekordwert. Gleichzeitig sind viele Menschen skeptisch, ob die Steuern beim Königshaus wirklich gut angelegt sind.

"Vermutlich Urlaub"

Denn Elizabeth II. bezieht auch noch Einnahmen aus Ländereien, die der Krone gehören. Dazu zählt das Herzogtum Lancaster, das fast 18.000 Hektar umfasst. Der Nettoüberschuss lag im vorigen Haushaltsjahr bei 12,5 Millionen Pfund. Geld werfen zudem die Güter Balmoral und Sandringham ab, die sich im Privatbesitz der Queen befinden. Ihre Schatztruhe ist voll. Auf der "Sunday Times"-Liste der reichsten Briten wird ihr Vermögen mit 320 Millionen Pfund beziffert.

Viele Steuerzahler fragen sich, warum sie einer Multimillionärin überhaupt Geld geben sollen, wenn sie allein schon mit Touristen viel verdient. Der Buckingham-Palast beispielsweise ist zu ausgewählten Zeiten für Besucher zugänglich, exklusive Führungen kosten 75 Pfund pro Person. "Sind Sie sicher, dass es nicht möglich ist, den Palast an mehr Tagen zu öffnen?", will ein Abgeordneter wissen. Die zusätzlichen Eintrittsgelder könnten den Staat entlasten. Und weshalb koste der Königliche Zug mit Schlafwaggon, Badezimmer und Büro jedes Jahr fast eine Million Pfund?

Sir Alan schaut starr durch seine Brillengläser, er weiß, dass Verschwendung derzeit schlecht ankommt. Vor kurzem unternahm Prinz Andrew, der Bruder von Prinz Charles, eine dreiwöchige Reise nach Indonesien, Vietnam, Japan und New York. Zumindest ein Teil der Reise wurde aus Steuern finanziert. Prinz Andrew, Spitzname "Air Miles Andy", eröffnete eine Botschaft und nahm an einem Dinner teil. Ansonsten blieb großteils im Dunkeln, was er machte. "Vermutlich Urlaub", sagt die Ausschussvorsitzende.

Allein für Flüge mit dem königlichen Helikopter gaben die Queen und ihre Familie voriges Jahr 1,6 Millionen Pfund aus. "Könnten die nicht öfter mit dem Auto fahren?", fragt ein Abgeordneter. Sir Alan Reid schließt kurz die Augen. Dann sagt er langsam: "Gute Idee."

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