Anhörung des Schatzmeisters Spartipps für die Queen

Muss es immer der königliche Helikopter sein? In Zeiten sich rasant ausbreitender Armut erwarten die Briten von ihrer Queen, dass auch sie kürzer tritt. Eine Anhörung ihres Schatzmeisters gibt nun interessante Einblicke in die Einnahmen und Ausgaben der Windsors.

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Aus London berichtet


Es dauert nur ein paar Minuten, bis die britische Monarchie auf den Müll reduziert ist, der in den Palästen anfällt. "5000 Tonnen vergangenes Jahr! Was tun Sie, um diese Menge zu reduzieren?" Die Frechheit kommt von einem Abgeordneten der Liberal Democrats.

Sir Alan Reid, Hüter der Königlichen Privatschatulle, Schatzmeister Ihrer Majestät, faltet die Hände vor sich auf dem Tisch. Müll also. Es geschieht nicht häufig, dass er von seinem Büro im Buckingham-Palast zum Parlament fahren muss, um im Ausschuss für öffentliche Ausgaben die lästigen Fragen der Abgeordneten zu ertragen. Das letzte Mal war er vor vier Jahren hier. Er schaut nach rechts. Sein Stellvertreter weiß aber auch nicht, woher der Müll kommt.

Sir Alan ist ein Gentleman von 66 Jahren, der sich jetzt zwingt, ruhig zu bleiben. Seit elf Jahren wacht er über die Finanzen des Palastes. Er ist der Mann, der der Queen das Sparen beibringen muss. Ein Teil ihrer Einnahmen stammt aus Steuergeldern, 37,9 Millionen Pfund für das kommende Haushaltsjahr, rund 45 Millionen Euro, fünf Prozent mehr als im laufenden Jahr. Das muss Reid dem Volk erklären.

Einige Untertanen achten derzeit sehr genau darauf, wie viel Geld die königliche Familie bekommt und wofür sie es ausgibt. Die Wirtschaft erholt sich nur schleppend, etliche Menschen können sich selbst das Nötigste nicht mehr leisten. Kürzlich kündigte das Rote Kreuz an, im Winter zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Essensrationen an arme Menschen zu verteilen. Viele Briten wollen sehen, dass in schweren Zeiten auch die Monarchin kürzertreten kann.

Rosa Federn und Perlenkette

Sir Alan sagt, die Ausgaben aus dem von Steuergeldern finanzierten Haushalt würden bereits seit Beginn der neunziger Jahre sinken. Deshalb sei die leichte Steigerung der Zuschüsse jetzt zu verkraften. Seine Botschaft lautet: Die Königin kann nicht noch mehr sparen. Die Botschaft der Abgeordneten lautet: Doch, kann sie.

Der Schatzmeister berichtet vom bedauernswerten Zustand der Paläste. Man müsse viel renovieren, allein deshalb sei es schwer, Ausgaben zu reduzieren. Die elektrischen Leitungen im Buckingham-Palast stammten von 1949, und in das Mausoleum von Königin Victoria bei Schloss Windsor tropfe Regenwasser. "Haben Sie überhaupt eine Vorstellung davon, wie viel die Renovierung aller Gebäude kostet?", fragt die Vorsitzende des Ausschusses, Margaret Hodge, eine Labour-Frau.

Alan Reid streicht mit der Hand über seinen 81-seitigen Finanzbericht. Auf dem Deckblatt lächelt Queen Elizabeth II., sie trägt eine Perlenkette und einen Hut mit rosafarbenen Federn. Eine Königin ist gut, sagt das Bild, aber man muss sie sich leisten wollen. Reid hüstelt: "50 Millionen Pfund." Mehr oder weniger.

Faktisch besitzt die Queen in Großbritannien nur wenig Macht. Sie muss sich ihre Existenzberechtigung ständig neu verdienen und zieht ihren Einfluss fast ausschließlich aus dem Glanz der Repräsentation. Deshalb ist es auch riskant für sie, ausgerechnet an der Inszenierung zu sparen. Kosten für Wäsche und Reinigung im vorigen Haushaltsjahr: 700.000 Pfund.

Die Erfahrung zeigt, dass die Briten von ihrer Königsfamilie begeistert sind, wenn sie hübsche Bilder liefert. Nach der Geburt von Prinz George im Sommer sprachen sich bei einer Umfrage 66 Prozent für die Monarchie als Staatsform aus, ein Rekordwert. Gleichzeitig sind viele Menschen skeptisch, ob die Steuern beim Königshaus wirklich gut angelegt sind.

"Vermutlich Urlaub"

Denn Elizabeth II. bezieht auch noch Einnahmen aus Ländereien, die der Krone gehören. Dazu zählt das Herzogtum Lancaster, das fast 18.000 Hektar umfasst. Der Nettoüberschuss lag im vorigen Haushaltsjahr bei 12,5 Millionen Pfund. Geld werfen zudem die Güter Balmoral und Sandringham ab, die sich im Privatbesitz der Queen befinden. Ihre Schatztruhe ist voll. Auf der "Sunday Times"-Liste der reichsten Briten wird ihr Vermögen mit 320 Millionen Pfund beziffert.

Viele Steuerzahler fragen sich, warum sie einer Multimillionärin überhaupt Geld geben sollen, wenn sie allein schon mit Touristen viel verdient. Der Buckingham-Palast beispielsweise ist zu ausgewählten Zeiten für Besucher zugänglich, exklusive Führungen kosten 75 Pfund pro Person. "Sind Sie sicher, dass es nicht möglich ist, den Palast an mehr Tagen zu öffnen?", will ein Abgeordneter wissen. Die zusätzlichen Eintrittsgelder könnten den Staat entlasten. Und weshalb koste der Königliche Zug mit Schlafwaggon, Badezimmer und Büro jedes Jahr fast eine Million Pfund?

Sir Alan schaut starr durch seine Brillengläser, er weiß, dass Verschwendung derzeit schlecht ankommt. Vor kurzem unternahm Prinz Andrew, der Bruder von Prinz Charles, eine dreiwöchige Reise nach Indonesien, Vietnam, Japan und New York. Zumindest ein Teil der Reise wurde aus Steuern finanziert. Prinz Andrew, Spitzname "Air Miles Andy", eröffnete eine Botschaft und nahm an einem Dinner teil. Ansonsten blieb großteils im Dunkeln, was er machte. "Vermutlich Urlaub", sagt die Ausschussvorsitzende.

Allein für Flüge mit dem königlichen Helikopter gaben die Queen und ihre Familie voriges Jahr 1,6 Millionen Pfund aus. "Könnten die nicht öfter mit dem Auto fahren?", fragt ein Abgeordneter. Sir Alan Reid schließt kurz die Augen. Dann sagt er langsam: "Gute Idee."



insgesamt 19 Beiträge
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susiwolf 19.10.2013
1.
Man muss wahrscheinlich in England geboren worden sein, um diese 'Monarchie' zu verstehen ... Den 'Linksverkehr' wird man wohl nicht mehr ändern können; aber Pfund 50.000.000 => Wieviel Häuser und Wohnungen könnten allein für Mindestwerte energetischen Standards gebraucht werden. Und vom 'Über-der-Erde' sprich 'Palast' in den 'Underground' ... Die 'tube' wird in Zukunft ebenfalls Millionen verschlingen (müssen); genauso wie die 'Royale railway' - hoewever - "You can't beat the system" ! Selbst Hungersnöte u.ä. werden die Liebe auf der Insel für die 'Royals' kaum beeinflussen können.
gehmlich 19.10.2013
2. und die einnahmen des staates?
haben die herren eventuell auch bedacht, welche einnahmen durch die koenigliche familie erbracht werden. neben den dirkten tourismuseinnahmen ist insbesondere randy andy doch bekannt fuer seine guten geschaeftskontakte zu allen moeglichen koenigshaeusern der welt.
salamicus 19.10.2013
3.
Zitat von sysopGetty ImagesMuss es immer der königliche Helikopter sein? In Zeiten sich rasant ausbreitender Armut erwarten die Briten von ihrer Queen, dass auch sie kürzer tritt. Eine Anhörung ihres Schatzmeisters gibt nun interessante Einblicke in die Ein- und Ausgaben der Windsors. http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-kann-queen-elizabeth-ii-sparen-a-928769.html
Aber, aber! Die "Daily Mail" hat den begeisterten Untertanen Ihrer Majestät vor einiger Zeit vorgerechnet, dass jeder Bürger des UK nur 50 Pens pro Monat für die Royals bezahlt. Diese Zeitung macht auch deutlcih, dass die Königliche Familie ein ganz entscheidender Wirtschaftsfaktor ist! Sie generiere nämlich den Tourismus, den das Land so dringend brauche. Dafür ereifert sich der Daily-Mail-Leser über die Benefits-Empfänger (=Sozialhilfe), die das Land ausbluten lassen, besonders wenn sie keinen britischen Pass haben. Dass die Royals selbst nichts anderes sind alssuperreiche Benefits-Empfänger, will der Leser dagegen nicht hören.
gamh 19.10.2013
4. Feudales England
Ich, als Steuerzahler würde mich schon fragen, ob man eine steinreiche Familie, auch wenn sie mein Land repräsentiert, derart alimentieren muss. Wenn sie einen eigenen Zug benötigt, sollte sie ihn auch selbst bezahlen können. Bei einem Vermögen von 320 Millionen wäre das doch wohl zu leisten. Wenn dieses Volk allerdings meint, das zu brauchen, bitteschön.
LaPoldi 19.10.2013
5.
Der reputative Mehrwert und Gewinn für GB ist deutlich höher als die 50mill £ die da aus dem Staatsschatz fließen...aber hat ja Konjunktur solche Sachen zu hinterfragen die keine harten zahlen als gewinn auszeichnen. Ist zB in Deutschland an anderer stelle zu beobachten. Alle Bereiche der öffentlichen VW zB. wie Fürsorge, Justiz und Sicherheit...kostet nur und bringt keine harten Zahlen. Aber so ist das nun mal mit dummen Menschen. Sehr begrenzter eindimensionaler Horizont...unsere Volksvertreter :/
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