Regionalwahlen in Großbritannien Schottische Nationalisten verlieren absolute Mehrheit

Die Nationalisten bleiben in Schottland stärkste Kraft, sind aber künftig auf die Unterstützung einer anderen Partei angewiesen. Die Labour-Partei schneidet in England deutlich besser ab als erwartet.

SNP-Chefin Sturgeon
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SNP-Chefin Sturgeon


Sie sind wieder stärkste Kraft, doch allein können die schottischen Nationalisten künftig nicht mehr regieren. Die Unabhängigkeitspartei SNP verlor bei den Parlamentswahlen ihre Mehrheit. Sie eroberte 63 von 129 Sitzen - das sind sechs weniger als bei den vorangegangenen Wahlen.

Parteichefin Nicola Sturgeon bejubelte dennoch einen "historischen" Sieg - zum dritten Mal in Folge konnten sich die linksgerichteten Nationalisten durchsetzen. Im neuen Parlament werden sie nun allerdings die Unterstützung einer kleineren Partei brauchen - in Frage kämen etwa die Grünen. Im März hatte die separatistische Partei angekündigt, nach dem Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft am 23. Juni erneut für die Abspaltung Schottlands aus Großbritannien werben zu wollen.

Auf Platz zwei kamen die Schottischen Konservativen mit 31 Sitzen - ein großer Erfolg für eine Partei, die in Schottland lange unbeliebt war. Die schottische Labour-Partei stürzte hingegen auf 24 Sitze ab - und wurde damit nur noch drittstärkste Kraft.

Millionen Briten hatten am Donnerstag neue Regional- und Kommunalparlamente sowie neue Bürgermeister in London und anderen Städten gewählt. Die endgültigen Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in der britischen Hauptstadt wurden aber erst am Freitagabend erwartet. Am Freitagnachmittag zeichnete sich dort ein Sieg für Labour-Politiker Sadiq Khan ab. Nach Auszählung erster Stimmen lag der Kandidat der Arbeiterpartei vor seinem konservativen Tory-Rivalen Zac Goldsmith. Mit Khan könnte die Millionenmetropole zum ersten Mal einen muslimischen Bürgermeister bekommen. Zuletzt hatte hier acht Jahre lang der Konservative Boris Johnson regiert.

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Insgesamt musste die angeschlagene Labour-Partei Verluste einstecken - wenn auch geringere als erwartet. Der von Medien "Super Thursday" getaufte Wahltag gilt als erster Test für den linken Parteichef Jeremy Corbyn, der den Labour-Vorsitz im Spätsommer vergangenen Jahres übernommen hatte.

Verglichen mit den vergangenen Regional- und Kommunalwahlen in den Jahren 2011 und 2012 muss Labour voraussichtlich zwar heftige Verluste hinnehmen. Im Hinblick auf das desaströse Ergebnis der nationalen Parlamentswahl 2015 gewinnt die Arbeiterpartei aber wohl wieder etwas an Boden. Die Tories dagegen schneiden etwas schlechter ab als im vergangenen Jahr.

Neben Schottland stimmten auch Wales und Nordirland über neue Parlamente ab. Die rechtspopulistische Ukip des EU-Gegners Nigel Farrage konnte in Wales erstmals Sitze gewinnen. Ukip könne mit fünf Mandaten rechnen, berichtete der Sender BBC am Freitag. Labour bleibt stärkste Partei.

kev/brk/AFP/dpa

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