Großbritannien Labour muss Verluste bei Kommunalwahlen hinnehmen

Wenige Wochen vor der Brexit-Entscheidung haben die Briten neue Regional- und Kommunalparlamente gewählt. Laut ersten Hochrechnungen verliert die oppositionelle Labour-Partei.

REUTERS

In Wales, Schottland und Nordirland haben die Briten neue Regionalparlamente gewählt. Nach ersten Ergebnissen verlor die oppositionelle Labour-Partei dabei Dutzende Mandate. Die Auszählung der Stimmen dauert noch an. Sollte sich der Trend bestätigen, dürfte dies als Misstrauensvotum gegen den seit acht Monaten amtierenden linksgerichteten Parteichef Jeremy Corbyn gewertet werden.

In Schottland bangt Labour darum, weiterhin zweitstärkste Kraft im Parlament hinter der linksgerichteten Schottischen Nationalpartei SNP zu bleiben. Es zeichnet sich ab, dass die Arbeiterpartei weiter an Boden verliert - zugunsten der Tories und der SNP. Die Nationalisten können damit ihre Mehrheit wohl weiter ausbauen. Bereits vor der Wahl regierten sie ohne Partner.

Auch in Wales muss Labour mit Verlusten rechnen: In der Arbeiterpartei wird befürchtet, dass ihr bis zu 150 Sitze in Kommunalparlamenten verloren gehen könnten. Es wird erwartet, dass die euroskeptische Partei Ukip Labour Stimmen abjagt und erstmals in das Parlament von Wales einzieht. Ukip-Chef Nigel Farage sprach deshalb bereits von einem "Durchbruch" für seine Partei.

Sechs Wochen bis zum Brexit

Die Lokalwahlen gelten als wichtiger Stimmungstest vor der Abstimmung über einen Verbleib Großbritanniens in der EU: In sechs Wochen stimmen die Briten über den sogenannten Brexit ab. Umfragen hatten bereits deutliche Verluste für die Labour-Partei prognostiziert. Der Wahltag gilt als erster Test für Corbyn, der den Labour-Vorsitz im Spätsommer vergangenen Jahres übernommen hatte.

Gewählt wurde auch ein neuer Bürgermeister von London. Das Ergebnis wird allerdings erst am Freitagabend erwartet. Labour-Kandidat Sadiq Khan gilt als klarer Favorit vor Zac Goldsmith von den Tories. Khan könnte der erste muslimische Bürgermeister der Stadt werden. In den vergangenen acht Jahren hatte der Konservative Boris Johnson das Amt inne.

aar/dpa/AP/Reuters

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
friedrich_eckard 06.05.2016
1.
Ja, sicher doch... und wenn Labour sich gehalten oder zugelegt hätte, dann wäre das natürlich trotz Jeremy Corbyn geschehen. Ich finde, dass die ebenso penetrante wie durchsichtige antilinke Meinungsmache weitaus heftiger nervensägt als Bernie Sanders. Wenn es stimmt, dass Labour vor allen Dingen an die UKIP - die britische Alternative für Dösbaddelz - verloren hat, dann dürfte das, da sich Labour ja für den Verbleib GBs in der EU ausspricht, wohl eher darauf schliessen lassen, dass für viele Wähler die Frage "to brexit or not to brexit" die Entscheidung massgeblich beeinflusst hat; mit derFeindstehtlinks und liebertotalsrot hätte das dann wohl eher weniger zu tun.
hevopi 06.05.2016
2. Und immer deutlicher
wird erkennbar, dass es zum Brexit kommt. Langsam müßte es allen politischen Traumtänzern klar werden, dass die "Flüchtlingskrise" Europa in den Abgrund führt. denn es dürfte sich herumgesprochen haben, dass aus Afrika (nicht nur aus Syrien, den Menschen muss geholfen werden) ca. 500 Mio Menschen wegen fehlender Chancen für einen Job und unter der Herrschaft von hochkriminellen Politikern, flüchten wollen.
Olaf 06.05.2016
3. Kommunalwahlen sind Personenwahlen
Sicher spielen auch immer nationale Trends mit hinein, aber man muss sehr vorsichtig damit sein aus einer Kommunalwahl einen Trend für die Abstimmung zum Verbleib in der EU herzuleiten.
Emil Peisker 06.05.2016
4. viel älter als der politische Zwist...
Zitat von friedrich_eckardJa, sicher doch... und wenn Labour sich gehalten oder zugelegt hätte, dann wäre das natürlich trotz Jeremy Corbyn geschehen. Ich finde, dass die ebenso penetrante wie durchsichtige antilinke Meinungsmache weitaus heftiger nervensägt als Bernie Sanders. Wenn es stimmt, dass Labour vor allen Dingen an die UKIP - die britische Alternative für Dösbaddelz - verloren hat, dann dürfte das, da sich Labour ja für den Verbleib GBs in der EU ausspricht, wohl eher darauf schliessen lassen, dass für viele Wähler die Frage "to brexit or not to brexit" die Entscheidung massgeblich beeinflusst hat; mit derFeindstehtlinks und liebertotalsrot hätte das dann wohl eher weniger zu tun.
Werter eckard Sie haben das richtig erkannt. Aber diese Erkenntnis hatten viele schon letzte Woche verkündet. Aus dem besorgten Pro-EU Lager und auch, dann aber siegesgewiss, aus dem Brexit-Lager. Letztlich wird sich in einigen Wochen zeigen, ob bei der Brexit-Abstimmung alle Briten, die jetzt gegen Labour gestimmt haben, das Brexitlager wählen werden. Ganz sicher kann mann da nicht sein. Bei der Brexitabstimmung steht "liebertotalsrot" nicht zur Wahl. Es geht nicht immer nur gegen Linke, sondern dann geht es gegen den Kontinent, der Bruch ist viel älter als der politische Zwist.
denry 06.05.2016
5. Verluste?
In England hat Labour anscheinet prozentual hinzugewonnen... Und in London wird es vermutlich auch sehr gut für Labour aussehen. In Wales bleiben die mit Abstand stärkste Kraft. "Nur" Schottland sieht es nicht so toll aus... (Es wohnen mehr Leute in London als in ganz Schottland) Da die Waliser und Schotten wohl mit großer Mehrheit für die EU stimmen werden deutet das Ergebniss in England eher auf eine Pro EU Stimmung hin... aber ob Kommunalwahlen als Brexit Stimmungsbarometer taugen ist eher fraglich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.