Radikaler Imam Briten liefern Abu Hamza an Amerika aus

Der Prediger Abu Hamza hat alles versucht, um nicht in den USA vor Gericht gestellt zu werden - vergeblich. Wenige Stunden nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs hat Großbritannien den Imam samt vier weiteren Terrorverdächtigen in ein Flugzeug mit Ziel USA gesetzt.

Hassprediger Abu Hamza (Archivbild 2002): Auslieferung in die USA
REUTERS

Hassprediger Abu Hamza (Archivbild 2002): Auslieferung in die USA


London - Nach einem jahrelangen Rechtsstreit liefert Großbritannien den radikalen Imam Abu Hamza an die USA aus. Kurz nachdem die Richter des High Court in London in letzter Instanz eine Klage des Hasspredigers zurückgewiesen hatten, wurden Hamza und vier Mitangeklagte aus dem Long Lartin Gefängnis südlich von Birmingham fortgebracht.

Die Männer wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag auf der Militärbasis Mildenhall in Suffolk an US-Marshalls übergeben. Auf der Luftwaffenbasis in Ost-England standen bereits zwei US-Jets bereit - laut BBC auch eine Maschine des US-Justizministeriums. Kurz vor Mitternacht starteten die Maschinen Richtung USA, teilte Scotland Yard mit.

Ein britisches Gericht hatte früher am Freitag allerletzte Anträge der fünf Häftlinge, nicht ausgewiesen zu werden, abgelehnt. Es gebe keine weitere Begründung für Verzögerungen. "Daraus folgt, dass ihre Auslieferung an die Vereinigten Staaten von Amerika sofort durchgeführt wird," sagte ein Richter. Das US-Justizministerium begrüßte den Richterspruch: "Wir sind glücklich, dass der Auslieferungsprozess zu seinem Abschluss kommt", sagte ein Sprecher.

Die USA werfen Hamza vor, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Bundesstaat Oregon in den Jahren 1999 und 2000 sowie die Unterstützung terroristischer Anschläge in Afghanistan in den Jahren 1999 bis 2001 zur Last gelegt. Insgesamt liegen in den USA elf Anklagen gegen Hamza vor. Bei einer Verurteilung muss er mit lebenslanger Haft rechnen.

Der Imam wurde in Ägypten geboren und zog Ende der siebziger Jahren nach Großbritannien. Der einäugige Imam, bei dem ein Haken die rechte Hand ersetzt, predigte oft in der Moschee von Finsbury Park im Norden von London. Seine Verletzungen hatte er sich zugezogen, als er in Afghanistan im so genannten Dschihad gegen die sowjetischen Besatzer kämpfte.

In Großbritannien wurde er 2004 verhaftet, nachdem die USA wegen der mutmaßlichen Errichtung des Terrorcamps einen Auslieferungsantrag gegen ihn gestellt hatten. Noch im selben Jahr wurde er allerdings vor einem britischen Gericht wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen angeklagt. Im Februar 2006 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Ende September hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits eine Klage von Hamza zurückgewiesen, mit der er sich gegen seine Abschiebung in die USA wehren wollte.

heb/bos/AFP/AP



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lassereden 05.10.2012
1. Endlich...
Zitat von sysopREUTERSAbu Hamza hat alles versucht, um nicht in den USA vor Gericht gestellt zu werden. Jahrelang kämpfte der radikale Imam vor Gericht - vergeblich. Wenige Stunden nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs hat Großbritannien nach Angaben des Senders BBC begonnen, den Prediger abzuschieben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-liefert-hassprediger-hamza-an-usa-aus-a-859800.html
Wie habe ich es herbeigeseht, dieses "so genannte". Man darf diesen Verbrechern nicht auch noch die Begriffswahl gewissermaßen bestätigen, indem man sie mit dem Wort Dschihad in einem Satz nennt bringt.
feldberg3333 05.10.2012
2. Wir jammern und tun nichts ...
Wenn wir solche Extremisten gewähren lassen und nichts tun, werden wir ein böses Erwachen erleben. Den:. Sie berufen sich auf unseren Rechtsstaat, nutzen ihn förmlich aus, um ihn um so mehr mit Füssen zu treten. - Es wird zeit, dass wir - in der abendländischen Kultur - aufwachen! Der Schutz des Staates gehört nur dem, der sich auf dem Boden der "freiheitlich demokratischen Grundordnung" tatsächlich bewegt - und nicht den Cahoten und Extremisten. - Wer sich an die Grundsätze hält und diese bejaht, sei hier herzlich willkommen, die übrigen sollten das Land verlassen bzw. vor Gericht gestellt werden ...
eldoloroso 05.10.2012
3. Nichtstun
Tach, Nichts. So wie ich die Amis kenne dürfte er den Rest seiner Tage in Florence, Colorado verbringen. Bye Der Schmerzvolle
gfssfg 05.10.2012
4. Ab ins Paradies
Zitat von sysopREUTERSAbu Hamza hat alles versucht, um nicht in den USA vor Gericht gestellt zu werden. Jahrelang kämpfte der radikale Imam vor Gericht - vergeblich. Wenige Stunden nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs hat Großbritannien nach Angaben des Senders BBC begonnen, den Prediger abzuschieben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-liefert-hassprediger-hamza-an-usa-aus-a-859800.html
Ich verstehe gar nicht warum er die Gerichte des verhassten Rechtsstaates so strapaziert. Bei seinen Heldentaten ist ihm doch das Paradies gewiss. Oder glaubt er wohl selbst nicht daran. Da steht er gut in der Tradition der Popen jeder Religion, dem Volk Wasser predigen und selbst Wein trinken.
antirechthaber 06.10.2012
5. Identität
Zitat von sysopREUTERSAbu Hamza hat alles versucht, um nicht in den USA vor Gericht gestellt zu werden. Jahrelang kämpfte der radikale Imam vor Gericht - vergeblich. Wenige Stunden nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs hat Großbritannien nach Angaben des Senders BBC begonnen, den Prediger abzuschieben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-liefert-hassprediger-hamza-an-usa-aus-a-859800.html
Der weiß ganz genau was ihm in den USA blüht. Ob die Auslieferung völkerrechtlich in Ordnung ist, kann ich nicht beurteilen. Ich würde nicht die Hand dafür ins Feuer legen. Dennoch gehört diesem Leuten gehört das Handwerk gelegt und kein Staat möchte Eiferer, die Hass und Gewalt predigen in seiner Gesellschaft haben. Ausgenommen natürlich jene Kriegstreiber, die selbst der Regierung angehören. Von denen lassen wir uns gern belügen und verführen, sie bestärken uns schließlich in der eigenen Identität!
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