Großbritannien Mitgliederliste von rechtsradikaler Partei im Internet veröffentlicht

Namen, Adressen, sogar Handy-Nummern: Die persönlichen Daten Tausender Mitglieder der rechtsradikalen British National Party sind im Internet aufgetaucht. Die Betroffenen fürchten nun ernsthafte Konsequenzen - ihre Sympathie für die Rechtsaußen-Partei könnte sie den Job kosten.


London - Es ist ein massiver Verstoß gegen den Datenschutz: Die gesamte Mitgliederliste der "British National Party" (BNP) ist im Internet aufgetaucht. Laut "Guardian" wurden die Daten von 13.500 BNP-Mitgliedern und Sympathisanten am Montagabend ins Web gestellt, offenbar von einem verärgerten Mitglied der Parteiführung.

Komplette Mitgliederliste der BNP im Internet aufgetaucht

Komplette Mitgliederliste der BNP im Internet aufgetaucht

Nicht nur Namen und E-Mail-Adressen, auch Handy-Nummern, Privatadressen und sogar Namen und Alter der Kinder wurden veröffentlicht. Angeblich sollen auch Personen darunter sein, die lediglich Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet haben, aber noch gar nicht beigetreten sind.

Damit wurden Unterstützer und Sympathisanten der rechtsextremen Partei entlarvt, die daran kein Interesse haben dürften - Soldaten, Polizisten und Lehrer. Für sie könnte das ungewollte Outing ernste Konsequenzen bedeuten, mutmaßen britische Zeitungen. Ihre Jobs seien gefährdet, in ihrem Bekanntenkreis müssten sie mit Anfeindungen rechnen.

Unter den Mitglieder sollen nach Angaben britischer Zeitungen mehrere Polizisten, vier Pfarrer und eine nicht geringe Zahl von Lehrern sein. Mehrfach soll bei diesen Personen der Vermerk auftauchen: "Diskretion notwendig".

Die BNP hat Anzeige erstattet. Parteisprecher Simon Darby sagte: "Dies ist ein Versuch, die BNP zu destabilisieren - nach einem erfolgreichen Parteitag in Blackpool und vor den Europawahlen im kommenden Jahr." Darby nannte die Aktion "böswillig und hinterhältig".

Nach Angaben von "Wikipedia" ist der Schwerpunkt des BNP-Parteiprogramms die Forderung nach Rückführung aller farbigen Immigranten in ihre Heimatländer. Im November 2002 verursachten Aussagen und Sprüche Mark Colletts, dem Vorsitzenden der Jugendorganisation "Young BNP" für Aufsehen. Bei einer Fernsehveranstaltung gab er Pro-Hitler- und Nazi-Sprüche von sich. Er verlor daraufhin seinen Posten in der Partei.

Bei den Kommunalwahlen vor zwei Jahren konnte die BNP ihr Wahlergebnis deutlich steigern - und erreichte 33 Sitze. Im Londoner Stadtteil Barking und Dagenham wurde sie sogar zur zweitstärkten Partei und konnte sich von vorher zwei Stadträten auf zwölf steigern. Zu berücksichtigen ist, dass in England - ähnlich wie bei den Unterhauswahlen - ein Sitz nur durch eine Direktwahl im jeweiligen Wahlkreis errungen werden kann.

cte/Reuters



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