Großbritannien Muslimischer Minister benutzt heiklen Juden-Vergleich

Holocaust-Vergleiche will er nicht ziehen - dennoch wagt sich Großbritanniens muslimischer Entwicklungsminister Malik auf heikles Terrain: Er beklagt, die Muslime fühlten sich zunehmend als "die Juden von Europa".


Hamburg/London - Es ist eine heftige Klage - mit einem heiklen Vergleich: Großbritanniens Entwicklungsminister Shahid Malik sieht einem Bericht der Zeitung "Independent" zufolge die Muslime immer mehr auf dem Weg zu den "Juden von Europa". Die Muslime in Großbritannien sähen sich zunehmend einer feindseligen Stimmung ausgesetzt, sagte der Labour-Politiker. Seine Religionsgruppe würde in einer Art und Weise von den Medien und der Gesellschaft angegriffen, so der muslimische Minister, wie es für keine andere akzeptabel sei.

Malik sagte ausdrücklich, dass er keine Vergleiche zum Holocaust ziehen wolle. Allerdings wies er darauf hin, dass britische Muslime sich in ihrem eigenen Land mehr und mehr wie "Fremde in ihrem eigenen Land" fühlten.

Laut "Independent" machte Malik entsprechende Äußerungen in einem Fernsehbeitrag, der kommenden Montag anlässlich des dritten Jahrestages der Londoner Bombenanschläge vom 7. Juli 2005 gezeigt werden soll. Damals kamen 52 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Die Attentäter hatten einen radikal-islamistischen Hintergrund.

Eine Umfrage, die in der Sendung veröffentlicht werden soll, betont demnach das von Malik zum Ausdruck gebrachte Gefühl in der muslimischen Gemeinschaft. So sollen 51 Prozent der Briten den Islam für die Anschläge verantwortlich machen.

flo



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