Großbritannien May leitet Dringlichkeitssitzung zu Iran-Konflikt

Noch immer hält Iran den unter britischer Fahne fahrenden Tanker "Stena Impero" fest. Am Montag will der britische Außenminister mitteilen, welche Konsequenzen gezogen werden. Zudem tagt der nationale Sicherheitsrat.

"Stena Impero" am Hafen von Bandar Abbas: London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden
Mizan News Agency/WANA/ REUTERS

"Stena Impero" am Hafen von Bandar Abbas: London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden


Großbritannien will Iran nach den jüngsten Vorfällen in der Straße von Hormus mit Strafmaßnahmen belegen. Die Regierung in London prüft laut dem Verteidigungsministerium eine "Reihe von Optionen". Außenminister Jeremy Hunt will das Parlament am Montagnachmittag über den Stand unterrichten.

Am selben Tag wird auch der nationale Sicherheitsrat in London tagen. Es ist das dritte Mal, dass der Rat zu dem Thema zusammenkommt, am Montag wird erstmals Premierministerin Theresa May teilnehmen. Bei den ersten beiden Treffen war sie nicht anwesend, sondern hatte sich unterrichten lassen. Das Gremium werde nun unter dem Vorsitz von May über die "Wahrung der Sicherheit für die Schifffahrt im Persischen Golf" beraten, teilte ihr Büro in London mit.

Iran hält den unter britischer Fahne fahrenden Tanker "Stena Impero" weiter fest. Das Schiff war am Freitag von den iranischen Revolutionsgarden beschlagnahmt worden, weil es gegen "internationale Schifffahrtsregeln" verstoßen haben soll. London bestreitet dies.

Videos zeigen Festsetzung von britischem Tanker

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Hunt besprach das Thema am Sonntag telefonisch auch mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und dem französischen Chefdiplomaten Jean-Yves Le Drian. Die drei Minister seien sich einig gewesen, dass eine freie Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus für die europäischen Staaten "oberste Priorität" habe, erklärte das britische Außenministerium. Zugleich müsse jede "mögliche Eskalation" vermieden werden.

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten - vor allem angesichts des Streits um den Brexit und des bevorstehenden Rücktritts der konservativen Regierungschefin May. Der auch in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson wird wohl am Mittwoch Mays Posten übernehmen.

London ließ zunächst offen, welche Strafmaßnahmen als Reaktion auf Irans Festsetzung des Tankers geprüft würden. Hunt - der im Rennen um das Amt des Premierministers Johnson herausfordert - hat bereits mehrfach betont, Großbritannien wolle keine militärische, sondern eine diplomatische Lösung des Konfliktes. Das Ziel sei Deeskalation. Nach Angaben britischer Medien wird erwogen, Vermögen des iranischen Staates einzufrieren.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb am Sonntag auf Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. "Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet."

Die schwedische Reederei des Öltankers, Stena Bulk, bemühte sich unterdessen darum, die Besatzung besuchen zu können. Bislang gebe es dazu noch keine Antwort der Iraner, hieß es. Die "Stena Impero" wird im südiranischen Hafen von Bandar Abbas festgehalten. Den 23 Besatzungsmitgliedern geht es laut Reederei den Umständen entsprechend gut.

Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.

Anfang Juli hatten die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy den iranischen Supertanker "Grace 1" vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrienfestgesetzt. Iran protestierte gegen das Vorgehen der britischen Behörden und bestellte mehrmals den Botschafter ein.

aar/dpa/AFP

insgesamt 135 Beiträge
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nemonomi 22.07.2019
1. Aug um Aug
Tua, vielleicht sollte das Königreich den gekaperten iranichen Tanker freigeben.
mailo 22.07.2019
2. Nicht isoliert betrachten!
Vielleicht würde es reichen, wenn die Briten einfach den Tanker die sie vor Gibraltar festgesetzt haben wieder freigeben. Oder ist der Tanker schon wieder unterwegs? Das es sich hier wahrscheinlich um eine Antwort des Iran auf britisches Handeln handelt sollte zum besseren Verständnis der Situation nicht unerwähnt bleiben. Die Stimmungsmache in den Medien zur Kriegsvorbereitung läuft wohl langsam an.
klaus.m 22.07.2019
3. Quit pro quo
Ist es nicht so dass auch UK einen Tanker in der Meerenge von Gibraltar festhält? Unberechtigt? Wie steht es da mit der freien Durchfahrt?
jowi.krause 22.07.2019
4. Warum kein Wort
darüber, dass erst mal die Briten einen iranischen Tanker festgehalten haben und noch immer fest halten? Da wird so getan, als ob der "böse Iran" hier streitlustig eine Krise herauf beschwört. Dabei ist das nur eine Retourkutsche für eine ebenso illegale Aktion der Briten! Völlig einseitige Berichterstattung!
pari2000 22.07.2019
5.
In diesem Artikel wird leider mit keinem Wort (!) erwähnt, dass die Briten seit dem 4. Juli einen in Panama registrierten Tanker ("Grace 1") mit iranischem Öl widerrechtlich in der Straße von Gibraltar festhalten. Ohne diese Hintergrundinfo könnte man meinen die Iraner tun das aus Willkür und Boshaftigkeit. Bitte ergänzen Sie das in Ihrem Artikel, damit die Leseschaft das besser einordnen kann.
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