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Trotz britischer Kinder

Niederländerin soll nach 24 Jahren Großbritannien verlassen

Die Niederländerin Monique Hawkins lebt mit ihrem britischen Mann in dessen Heimat. Aus Angst vor dem Brexit wollte sie die Staatsbürgerschaft beantragen - das hätte sie besser nicht getan.

Mittwoch, 28.12.2016   22:29 Uhr

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Sie lebt seit 24 Jahren in Großbritannien, ist mit einem Briten verheiratet, und auch ihre zwei Kinder haben einen britischen Pass. Doch nun wurde die Niederländerin Monique Hawkins aufgefordert, ihre Ausreise vorzubereiten: Wie der britische "Guardian" berichtet, hatte Hawkins sich um den Erhalt der britischen Staatsbürgerschaft bemüht, die Antwort der Behörden überraschte sie jedoch.

Demnach teilte das Innenministerium der Niederländerin mit, sie solle sich darauf einstellen, Großbritannien zu verlassen. Dem "Guardian" zufolge ist diese Geschichte ein Beispiel für die Schwierigkeiten, die Millionen von EU-Bürgern in Großbritannien erwarten könnten, wenn das Land die Europäische Union endgültig verlässt.

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Für Hawkins war das Brexit-Referendum im Juni der ausschlaggebende Grund für ihre Bewerbung um die britische Staatsbürgerschaft. Sollten die Briten der EU wirklich den Rücken kehren, so befürchtete sie, würde sich das negativ auf ihren Status in Großbritannien auswirken, und sie würde wesentliche Rechte einbüßen.

Dem britischen Gesetz zufolge haben ausländische Ehepartner von Briten nicht automatisch das Recht auf die dortige Staatsbürgerschaft. Hawkins fürchtete dem "Guardian" zufolge, dass sie sich ohne britische Staatsbürgerschaft "in die zwei Stunden lange Einreiseschlange für US-Bürger einreihen" müsse, während der Rest der Familie "durch die Passkontrolle für Briten segeln" dürfe.

Schriftliche Beschwerden ohne Erfolg

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Um die britische Staatsbürgerschaft zu erhalten, müssen Bewerber zunächst eine dauerhafte Bleibeerlaubnis erwirken. Hawkins überstellte die notwendigen Dokumente an die zuständigen Behörden - auf ihren niederländischen Pass konnte sie jedoch nicht für den Bearbeitungszeitraum von etwa sechs Monaten verzichten. Nachdem ihr Vater erst vor Kurzem verstorben war, musste sie weiterhin zwischen Großbritannien und den Niederlanden hin- und herreisen und brauchte dafür das Originaldokument. Die Behörden erhielten eine Kopie.

Das Innenministerium lehnte Hawkins' Antrag auf Bleiberecht ab - und teilte ihr mit, sie solle Vorbereitungen treffen, das Land zu verlassen. Seither kämpft die Niederländerin bei den Behörden um Gehör. Mehrere Anrufe und auch schriftliche Beschwerden blieben zunächst ohne Erfolg. Schließlich teilte man ihr mit, dass sie abgelehnt wurde, weil sie ihren Pass nicht abgegeben hatte.

Mittlerweile hat Hawkins dem "Guardian" zufolge einen neuen Eintrag auf dauerhaftes Bleiberecht gestellt. Die Niederländerin hofft, dass ihr Fall Aufmerksamkeit schafft, für die "Diskriminierung von Ehen zwischen Briten und EU-Bürgern".

asc

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