Trotz britischer Kinder Niederländerin soll nach 24 Jahren Großbritannien verlassen

Die Niederländerin Monique Hawkins lebt mit ihrem britischen Mann in dessen Heimat. Aus Angst vor dem Brexit wollte sie die Staatsbürgerschaft beantragen - das hätte sie besser nicht getan.


Sie lebt seit 24 Jahren in Großbritannien, ist mit einem Briten verheiratet, und auch ihre zwei Kinder haben einen britischen Pass. Doch nun wurde die Niederländerin Monique Hawkins aufgefordert, ihre Ausreise vorzubereiten: Wie der britische "Guardian" berichtet, hatte Hawkins sich um den Erhalt der britischen Staatsbürgerschaft bemüht, die Antwort der Behörden überraschte sie jedoch.

Demnach teilte das Innenministerium der Niederländerin mit, sie solle sich darauf einstellen, Großbritannien zu verlassen. Dem "Guardian" zufolge ist diese Geschichte ein Beispiel für die Schwierigkeiten, die Millionen von EU-Bürgern in Großbritannien erwarten könnten, wenn das Land die Europäische Union endgültig verlässt.

Für Hawkins war das Brexit-Referendum im Juni der ausschlaggebende Grund für ihre Bewerbung um die britische Staatsbürgerschaft. Sollten die Briten der EU wirklich den Rücken kehren, so befürchtete sie, würde sich das negativ auf ihren Status in Großbritannien auswirken, und sie würde wesentliche Rechte einbüßen.

Dem britischen Gesetz zufolge haben ausländische Ehepartner von Briten nicht automatisch das Recht auf die dortige Staatsbürgerschaft. Hawkins fürchtete dem "Guardian" zufolge, dass sie sich ohne britische Staatsbürgerschaft "in die zwei Stunden lange Einreiseschlange für US-Bürger einreihen" müsse, während der Rest der Familie "durch die Passkontrolle für Briten segeln" dürfe.

Schriftliche Beschwerden ohne Erfolg

Um die britische Staatsbürgerschaft zu erhalten, müssen Bewerber zunächst eine dauerhafte Bleibeerlaubnis erwirken. Hawkins überstellte die notwendigen Dokumente an die zuständigen Behörden - auf ihren niederländischen Pass konnte sie jedoch nicht für den Bearbeitungszeitraum von etwa sechs Monaten verzichten. Nachdem ihr Vater erst vor Kurzem verstorben war, musste sie weiterhin zwischen Großbritannien und den Niederlanden hin- und herreisen und brauchte dafür das Originaldokument. Die Behörden erhielten eine Kopie.

Das Innenministerium lehnte Hawkins' Antrag auf Bleiberecht ab - und teilte ihr mit, sie solle Vorbereitungen treffen, das Land zu verlassen. Seither kämpft die Niederländerin bei den Behörden um Gehör. Mehrere Anrufe und auch schriftliche Beschwerden blieben zunächst ohne Erfolg. Schließlich teilte man ihr mit, dass sie abgelehnt wurde, weil sie ihren Pass nicht abgegeben hatte.

Mittlerweile hat Hawkins dem "Guardian" zufolge einen neuen Eintrag auf dauerhaftes Bleiberecht gestellt. Die Niederländerin hofft, dass ihr Fall Aufmerksamkeit schafft, für die "Diskriminierung von Ehen zwischen Briten und EU-Bürgern".

asc

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insgesamt 98 Beiträge
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langenscheidt 28.12.2016
1. Übereilte Panik
Nur weil die Niederländerin nicht weiß, was beim Brexit passiert, dreht sie am Rad und beantragt die britische Staatsbürgerschaft. Mit dem Brexit muss Großbritannien seine Gesetze eh neu ordnen. Das dauert. Die Engländer werden beim Austritt Schottlands auch nicht schottische "Staatsbürger" ausweisen. Die Briten haben nicht die Absicht sich zu entvölkern. Was für eine Panikmache.
juliaz 28.12.2016
2. Kein Skandal
Sie mußte das Originaldokument vorlegen und hat das nicht getan. Also erhält sie auch kein Bleiberecht. Wo ist da das Drama? Wenn jeder die Regeln nach eigener Vorliebe und Bedürfnissen auslegt, braucht man keine Regeln mehr. Und jeder, der 24 Jahre in GB lebt, sollte wissen, dass die britische Bürokratie der berühmten deutschen Bürokratie mehr als gewachsen ist. Da wird nicht einfach mal fünfe grade gemacht.
spmc-135322777912941 28.12.2016
3. Mutter zweier Briten
Nach allem was ich so im Laufe von Jahrzehnten auf diesem Sektor erfahren haben kann ich mir nicht vorstellen dass die Mutter von 2 Briten ausgewiesen werden kann oder wird. Als ich vor Urzeiten in den USA die Green Card beantragte musste ich meinen Reisepass auch abgeben und durfte das Land nicht verlassen. Vielleicht hat die Frau mit ihrer Weigerung, den Pass herauszurücken, einen Fehler gemacht.
georgjähnig 28.12.2016
4. Völlig irreführende Überschrift
Die Niederländerin hat also die brit. Staatsbürgerschaft beantragt. Dazu muss sie laut den Bestimmungen den Original-Pass abgeben. Das hat sie nicht gemacht, und hat wohl deswegen einen Copy-Paste-Standard-Antwort bekommen, dass man ihren Antrag ablehnt. Da ist offenbar überhaupt kein offizieller Beschluss gefallen. Liebe SPON-Redaktion, warum spint ihr diese Meldung dann so falsch in der Überschrift? Und die Begründung der Niederländerin ist auch schwach: "Nachdem ihr Vater erst vor Kurzem verstorben war, musste sie weiterhin zwischen Großbritannien und den Niederlanden hin- und herreisen und brauchte dafür das Originaldokument." Nein, dazu braucht sie keinen Original-Pass. Dazu reicht auch ein niederländischer Personalausweis: https://en.wikipedia.org/wiki/Dutch_identity_card Warum übernehmt Ihr ungeprüft die Angaben der Frau, ohne selbst zu recherchieren?
rainer82 28.12.2016
5. Das ist nur ein winziges Beispiel
für die absurden Folgen, die der Brexit noch haben wird. Zum katastrophalen Nachteil für GB, aber auch für die Menschen in vielen anderen Ländern. Schon heute kann man mit Recht sagen: Der Wahn war kurz, die Reue lang!
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