Chef der Brexit-Partei Farage will bei Parlamentswahl antreten

Die Brexit-Partei von Nigel Farage holte bei der Europawahl im Mai 2019 die meisten Stimmen in Großbritannien. Nun kündigte der Politiker an, auch bei der nächsten Parlamentswahl kandidieren zu wollen.
Brexit-Hardliner Nigel Farage (Archivbild)

Brexit-Hardliner Nigel Farage (Archivbild)

Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Noch ist unklar, ob es in Kürze Neuwahlen in Großbritannien geben wird. Ein Kandidat bringt sich dennoch schon in Stellung. Nigel Farage, Chef der Brexit-Partei, hat angekündigt, sich bei der nächsten Parlamentswahl in Großbritannien zur Wahl stellen zu wollen. "Natürlich stehe ich bereit", sagte er dem Sender Sky News auf Nachfrage.

Da das derzeitige britische Parlament wegen des Brexits tief zerstritten ist, rechnen Experten damit, dass es noch vor Ende 2019 Neuwahlen in Großbritannien geben könnte.

Nigel Farage gilt als Brexit-Hardliner. Als Europaabgeordneter hatte er sich für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) eingesetzt - damals noch als Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei. Nachdem 2016 beim Brexit-Referendum eine knappe Mehrheit für den Austritt Großbritanniens gestimmt hatte, trat Farage zurück. "Mein Teil ist getan", sagte er damals.

Knapp drei Jahre später wurde Farage Chef der neu gegründeten Brexit-Partei, deren Ziel es ist, den von ihm mit erkämpften Brexit durchzusetzen. In Großbritannien traf das offenbar auf einen Nerv. Nachdem der Termin für den EU-Austritt mehrfach verschoben worden war, holte die Brexit-Partei bei der EU-Wahl in Großbritannien 30,5 Prozent der Stimmen und landete damit auf Platz eins im nationalen Ranking.

Polizei überprüfte Rede von Farage

Zuletzt schaffte es Farage mit aggressiven Äußerungen zum Brexit, die eine polizeiliche Prüfung zur Folge hatten, in die Schlagzeilen. Der Politiker hatte sich am 21. September vor Anhängern in Newport despektierlich über die Arbeit von Regierungsbeamten geäußert.

Sie seien "überbezahlte Schreibtischtäter", die "keine neutrale Arbeit" leisteten. "Wenn der Brexit vollendet ist, bringen wir das Messer zu ihnen. In Ordnung? Ich habe genug von allem." Man solle lieber den Chefs der Häfen von Calais und Dover am Ärmelkanal glauben, die sagten, dass sie hundertprozentig auf den Brexit vorbereitet seien.

Rede als Aufruf zu Gewalt verstanden

Bei der Polizei gingen daraufhin Beschwerden ein, die in der Rede einen Aufruf zur Gewalt sahen. Andere meinten im Kurznachrichtendienst Twitter, dass es sich um eine nicht wörtlich zu nehmende Phrase handele. Die Polizei von Gwent in Wales überprüfte den Vorfall, sah schließlich aber keinen Grund für weitere Ermittlungen, wie sie am Samstag mitteilte.

Auch Premierminister Boris Johnson war kürzlich wegen seiner Wortwahl im Parlament stark in die Kritik geraten. Er selbst zeigte sich davon unbeeindruckt: Würde man Wörter wie "Kapitulation" aus dem politischen Diskurs verbannen, drohe die Sprache zu verarmen.

Seine Schwester Rachel Johnson nannte dagegen eine solche Wortwahl "in höchstem Maße verwerflich". Ihr Bruder benutze Worte wie "Kollaborateur" und "Verräter" in Verbindung mit Gegnern eines ungeregelten Brexits, als ob diese für ihre Meinung "gehängt, ausgeweidet und gevierteilt" werden sollten.

Auch mehr als hundert Bischöfe der Kirche von England hatten den Sprachgebrauch im Streit um den Brexit im Parlament kritisiert.

jme/Reuters/dpa