Presseschau zur Wahl "Welch schrecklicher Fehler von Theresa May"

Die internationale Presse übt scharfe Kritik an Theresa May. Mit ihrer Entscheidung für Neuwahlen habe sich die Premierministerin verzockt - und "vergessen, dass sie nicht die neue Margaret Thatcher ist".

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"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Es ist ein Desaster für Theresa May, die den Wählern doch Stärke und Festigkeit versprochen hatte, und für die Partei. (...) Die Entscheidung für Neuwahlen trifft sie in jedem Fall wie ein Bumerang! Keine gute Idee! Zwei Premierminister, zwei Entscheidungen, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzogen."

"Süddeutsche Zeitung": "May versuchte, die Wähler mit Slogans abzuspeisen. Sie behandelte sie nicht wie Erwachsene."

"The Times" (Großbritannien): "Mit dieser Wahl sollte Theresa Mays Führung ihrer Partei und des Landes zementiert werden, und der Europäischen Union sollte versichert werden, dass sie es bei den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen mit einem starken und stabilen Partner zu tun hat. Doch nichts dergleichen wurde erreicht."

"Le Figaro" (Fr ankreich): "Geht sie, geht sie nicht? Diese Frage treibt alle um an diesem Morgen, nach den (...) für Theresa May fatalen Wahlen."

"De Tijd" (Belgien): "Zum zweiten Mal in Folge verpassen sich die britischen Konservativen ein Eigentor. 2016 schoss sich David Cameron in den Fuß, indem er das Referendum über die EU-Mitgliedschaft ansetzte und es dann verlor. Ein Jahr später setzte Theresa May vorgezogene Neuwahlen in der Hoffnung an, eine große Mehrheit als Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen mit Brüssel zu bekommen. (…) Auch dieses Vorhaben ist missglückt."

"Dagens Nyheter" (Schweden): "Oh, oh, oh. Welch schrecklicher Fehler von Theresa May, eine völlig unnötige Wahl auszurufen. Jetzt schon schärfen ihre Parteifreunde die Messer und spekulieren darüber, wer die Führung übernehmen soll. Auf Großbritannien wartet eine chaotische politische Zukunft."

"Sydsvenskan" (Schweden): "Das ist eine Katastrophenwahl für May und bedeutet, dass ihr Versuch, die Unterstützung der Bevölkerung für den EU-Austritt, den Brexit, zu sichern, misslungen ist."

"Jyllands-Posten" (Dänemark): "Am Freitagmorgen zeigt sich das Bild von einem britischen Wahlergebnis, das zunächst einmal mehr politische Verlierer als Gewinner hat. Jedenfalls sind - neben dem großen konservativen Rückgang - mehrere politische Zusammenbrüche in Großbritannien auf dem Weg."

"Rzeczpospolita" (Polen): "Theresa May hat einen spektakulären Fehler begangen. (...) Sie hat vergessen, dass sie nicht die neue Margaret Thatcher ist, sondern eher Premierministerin aus Zufall: Als die Brexit-Befürworter mit Boris Johnson an der Spitze im vergangenen Jahr nicht die Verantwortung für das Land übernehmen wollten, griffen die Konservativen nach May, weil sie keine eindeutigen Meinungen vertrat und niemandem übermäßig im Weg stand."

"Dennik N" (Slowakei): "Theresa May befürwortete vor dem Referendum einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union. Dennoch akzeptierte sie dann aber nicht nur den Posten einer Premierministerin, die den Brexit vorbereiten und aushandeln sollte, sondern machte sogar Druck für die harte Version des Ausstiegs. Aus professioneller Sicht lässt sich das anerkennen, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Wähler darin Scheinheiligkeit, Berechnung und Gier nach Macht sieht. Also einen Mangel an Authentizität - gerade etwas, über das man sich bei ihrem Rivalen von der Labour-Partei nicht beschweren kann."

dab/dpa

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