Großbritannien Sexuelle Belästigung im Parlament - Abgeordnete suspendiert

Der Skandal im britischen Parlament um sexuelle Belästigung weitet sich aus: Sowohl ein konservativer Parlamentarier als auch ein Labour-Politiker wurden vorläufig aus ihrer Partei ausgeschlossen.

Kelvin Hopkins (Archiv)
AFP

Kelvin Hopkins (Archiv)


Im Skandal um sexuelle Belästigung im britischen Parlament ist ein weiterer Abgeordneter suspendiert worden. "Schwere Vorwürfe" gegen den konservativen Parlamentarier Charlie Elphicke seien der Polizei übergeben worden, teilte die Tory-Fraktion am Freitag in London mit. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Medienberichten zufolge wurde der 46-Jährige vorläufig aus der Partei ausgeschlossen.

Elphicke setzte sich per Twitter zur Wehr: "Die Partei hat die Presse informiert, bevor mir mein vorübergehender Ausschluss mitgeteilt wurde. Ich weiß nicht, was die angeblichen Vorwürfe beinhalten und streite jegliches Fehlverhalten ab."

Die konservative Premierministerin Theresa May hatte zuvor einen neuen Verhaltenskodex zum Umgang mit derartigen Vorfällen herausgegeben. Darin wird beispielsweise festgelegt, dass bei der Aufklärung eine unabhängige Person hinzugezogen werden muss. Unter anderem soll auch eine Beschwerde-Hotline Opfern von sexuellen Übergriffen eine Anlaufstelle bieten.

In einem Brief an Parlamentssprecher John Bercow forderte die Premierministerin gleichzeitig parteiübergreifende Mechanismen, um Belästigungsvorwürfen nachzugehen. Am kommenden Montag will sie mit den Chefs der anderen Parteien im britischen Parlament über Konsequenzen aus dem Skandal beraten.

Auch Labour-Abgeordneter suspendiert

Wegen Belästigungsvorwürfen war am Mittwochabend der britische Verteidigungsminister Michael Fallon zurückgetreten. Zuvor war öffentlich geworden, er solle einer Journalistin im Jahr 2002 die Hand aufs Knie gelegt haben.

Bei dem Rücktritt sollen britischen Zeitungsberichten zufolge auch anzügliche Bemerkungen gegenüber seiner Parteifreundin Andrea Leadsom eine Rolle gespielt haben. Fallon soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben, wie die BBC berichtete. Aus Regierungskreisen hieß es, Leadsom, die inzwischen Fraktionschefin der Konservativen ist, habe nicht um Fallons Entlassung gebeten.

Ins Rollen gekommen war die Debatte um sexuelle Übergriffe, nachdem Außenhandels-Staatssekretär Mark Garnier eingeräumt hatte, seiner Sekretärin den Kauf von Vibratoren aufgetragen zu haben. Seither wurden fast täglich neue Vorwürfe bekannt.

In der konservativen Fraktion des Unterhauses zirkuliert laut britischen Medien eine Liste mit etwa 40 Abgeordneten, denen "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen wird. Dazu soll auch Mays Kabinettschef Damian Green gehören. Der 61-Jährige soll einer Journalistin während eines Pub-Besuchs ans Knie gefasst und ihr später eine anzügliche Nachricht geschickt haben. Green streitet das vehement ab.

Auch die oppositionelle Labour-Partei suspendierte einen Abgeordneten wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung. Der heute 76-jährige Kelvin Hopkins soll 2014 seinen Intimbereich gegen eine junge Frau gepresst und ihr unangemessene SMS-Nachrichten geschickt haben. Kritik wurde auch an Labour-Chef Jeremy Corbyn laut, der den beschuldigten Abgeordneten noch nach Bekanntwerden der Vorwürfe in seine Schattenregierung berufen hatte.

wit/dpa/AFP



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