Wahlkampf in Großbritannien May attackiert Herausforderer wegen Äußerungen zu Manchester

In wenigen Tagen wählt Großbritannien. Die Labour-Partei schien schon geschlagen, doch zuletzt holte sie rasant auf. Jetzt streiten Oppositionsführer Corbyn und Premierministerin May erbittert über den Anschlag von Manchester.
Theresa May

Theresa May

Foto: Stefan Rousseau/ dpa

In zwölf Tagen wählen die Briten ein neues Parlament. Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester ist die innere Sicherheit zum zentralen Thema im Wahlkampf geworden. Die Regierung von Theresa May streitet mit der Opposition offen über die Lehren aus dem Attentat.

Ungewöhnlich deutlich attackierte May nun ihren Herausforderer Jeremy Corbyn. Der Labour-Chef hatte der britischen Außenpolitik eine Mitschuld an der Terrorgefahr gegeben.

"Ich arbeite mit den anderen Regierungschefs am Kampf gegen den Terror", sagte May am Rande des G7-Gipfels in Taormina: "Und Corbyn sagt zur gleichen Zeit, die Terroranschläge seien unsere eigene Schuld."

May ergänzte, es könne "niemals eine Entschuldigung für Terrorismus geben", niemals gebe es Ausreden für das, was in Manchester passiert sei.

Der Oppositionschef reagierte prompt. Ein Sprecher von Corbyn warf May vor, die Unwahrheit zu sagen. Der Labour-Chef habe die Schuld der Islamisten nie relativieren wollen. Aber viele Experten, auch bei den Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden, hätten Verbindungen zwischen dem Terrorismus in unserem Land und den Kriegen im Afghanistan und im Irak hergestellt. "Wir müssen mutig genug sein einzugestehen, dass der 'Krieg gegen den Terror' nicht funktioniert", sagte Corbyn.

Am Montag hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Konzert in Manchester 22 Menschen mit einer Bombe getötet, darunter viele Kinder. Für den Anschlag wird Salman Abedi verantwortlich gemacht, ein 22-jähriger Brite libyscher Herkunft.

Ukip kritisiert Stellenabbau bei Polizei

Die Labour-Partei hat laut einer aktuellen Umfrage deutlich aufgeholt. Von 24 Prozentpunkten im April schrumpfte der Abstand zwischen Mays Konservativen und Corbyns Labour-Partei laut einer YouGov-Befragung auf nur noch fünf Prozentpunkte (43:38).

Die Parteien hatten wegen des Anschlags den Wahlkampf unterbrochen und erst am Freitag wieder aufgenommen. Auch die Vize-Chefin der rechtspopulistischen Ukip, Suzanne Evans, griff die Regierungschefin direkt an. May trage einen Teil der Verantwortung für den Anschlag von Manchester, weil sie Haushaltskürzungen im Sicherheitsbereich mitgetragen habe. Die konservative Innenministerin Amber Rudd widersprach dieser Darstellung.

Allerdings sehen sich die Konservativen auch mit der Frage konfrontiert, warum seit ihrem Machtantritt 20.000 Stellen bei der Polizei abgebaut worden sind. Rudd sagte inzwischen zu, den Personalabbau rückgängig zu machen. Ein Teil der Streichungen wurde von der früheren Innenministerin durchgesetzt. Ihr Name: Theresa May.

cte/dpa/AFP
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