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30. Juni 2016, 06:15 Uhr

Großbritannien

Theresa May will neue Premierministerin werden

Der britische Premier Cameron geht, der Kampf um seine Nachfolge ist voll entbrannt: Innenministerin May und Justizminister Gove haben ihre Kandidatur verkündet. Ex-Bürgermeister Johnson will bald folgen.

In einem Gastbeitrag für die Zeitung "The Times" erklärte Theresa May am Donnerstag ihre Bewerbung für den Parteivorsitz der britischen Konservativen. Am Vormittag folgte dann die offizielle Bekanntgabe. Der oder die neue Parteichefin der Tories wird im September den scheidenden Premier David Cameron beerben.

In dem "Times"-Artikel stichelt die 59-Jährige unterschwellig gegen ihren härtesten Rivalen Boris Johnson, der seine Kandidatur ebenfalls vor Ablauf der Frist am Donnerstag erklären will. Es gebe Politiker, die die Härten des Lebens nicht kennen und das Regierungsgeschäft für ein Spiel halten würden, schreibt May in Anspielung auf den Anführer der Brexit-Kampagne.

May ist nicht die einzige Konkurrentin für Johnson. Überraschend kündigte auch Justizminister Michael Gove an, sich um den Parteivorsitz zu bewerben. Ursprünglich habe er Johnson unterstützten wollen, schrieb Gove in einer Kolumne im Internet. "Aber dann bin ich, nach einigem Zögern, zum Schluss gekommen, dass Boris nicht für die Führung sorgen oder das Team aufbauen kann, das für die bevorstehende Aufgabe nötig ist."

Gove und May hatten sich vor dem Referendum für den Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. Bei der offiziellen Bekanntgabe ihrer Kandidatur sagte May, es werde kein zweites Referendum geben. Sie kündigte an, als Regierungschefin den offiziellen Ausstieg Großbritanniens aus der EU frühestens in einigen Monaten einzureichen. Der Artikel 50 der EU-Verträge und damit das Austrittsgesuch werde nicht vor Ende des Jahres aktiviert, sagte May.

Als Innenministerin hat sich May besonders in Einwanderungsfragen als Hardlinerin gezeigt. Das dürfte ihr im parteiinternen Wettkampf zum Vorteil gereichen, viele Tories fordern eine Einwanderungsreform. In einer Umfrage unter Parteimitgliedern führte May mit 17 Prozentpunkten vor Johnson.

Neben May und Gove haben auch schon der Arbeitsminister Stephen Crabb und Ex-Verteidigungsminister Liam Fox ihre Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben.

cvo/brk/dpa

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