Machtkampf bei den Briten Johnson-Rivale Stewart fliegt aus Tory-Wettbewerb

Er war Hoffnungsträger der Proeuropäer im Kampf um das Amt des britischen Premiers: Jetzt ist Rory Stewart in der nächsten Abstimmungsrunde bei den Tories ausgeschieden. Auf Platz eins bleibt Boris Johnson.

Rory Stewart
ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Rory Stewart


Für einen kurzen Moment in diesem Wahlkampf sah es so aus, als könnte es eine große Überraschung geben. Rory Stewart, als großer Außenseiter gestartet, hatte im Tory-Wettbewerb um das Amt des künftigen Parteichefs und britischen Premierministers nicht nur die ersten beiden Abstimmungsrunden überstanden - sondern dabei zuletzt auch noch am stärksten zugelegt.

Der mit Abstand schärfste Brexit-Kritiker hatte plötzlich gute Karten, neben Topfavorit Boris Johnson an der finalen Urwahl der Tory-Mitglieder teilnehmen zu dürfen.

Doch daraus wird nun nichts. Stewart verlor das jüngste Votum in der Fraktion, die in mehreren Wahlen die beiden Kandidaten für den Basis-Entscheid bestimmt. 27 Abgeordnete stimmten nun für den Konservativen - zehn weniger als noch am Vortag.

Weiterhin unangefochten auf Platz eins liegt Ex-Außenminister Johnson. Er verbesserte sein Ergebnis erneut und holte diesmal 143 Stimmen. Zulegen konnten auch seine beiden bislang aussichtsreichsten Verfolger: Außenminister Jeremy Hunt erhielt 54 Stimmen, Umweltminister Michael Gove 51.

Enttäuschender Auftritt in TV-Debatte

Ebenfalls weiter ist Innenminister Sajid Javid (38 Stimmen), der noch am Dienstag gerade so die erforderliche Mindestzahl an Abgeordneten auf seine Seite gezogen hatte. Javid konnte nun aber offenbar von seinem Auftritt vom Vorabend in einer BBC-Debatte profitieren. In der Runde mit allen verbliebenen Bewerbern hatte er einen soliden Eindruck gemacht. Stewart wiederum konnte nach Ansicht vieler Beobachter in der Diskussion die hohen Erwartungen an ihn nicht erfüllen.

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hatte Stewart nicht das unrealistische Versprechen abgegeben, in Kürze mit der EU einen neuen Brexit-Vertrag aushandeln zu können. Auch zeigte er sich offen dafür, notfalls den Austrittstermin aufzuschieben. Stand jetzt verlässt Großbritannien am 31. Oktober die Europäische Union.

kev



insgesamt 65 Beiträge
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volker_morales 19.06.2019
1. Der harte Brexit kommt!
Sorry, aber eigentlich steht das Ergebnis doch schon fest. Gewählt wird, wer am Ende bereit ist, den harten Brexit zu verkünden. Im Zeifel also Boris Johnson. Die Briten wollen ähnlich wie die US-Amerikaner mehrheitlich die Möglichkeit, durch Sozialdumping ihren Lebensstandard zu erhöhen. Und das wird Ihnen mittelfristig auch gelingen, weil die EU dem auf Dauer nichts entgegen zu setzen hat. Und Deutschland allein wird die sozialen Lasten der EU jedenfalls nicht auch schultern können.
jla.owl 19.06.2019
2. Populisten...
...versprechen ihren Kollegen, in Kürze einen neuen Brexit-vertrag auszuhandeln. Gewinner ist, wer am meisten verspricht... Ich muss angesichts dessen wohl meine Meinung über Politiker, zumindest die der britischen Konservativen, revidieren. Ich hielt derartiges Wahlverhalten immer fùr strunzdumm ..!
hubie 19.06.2019
3. Jeder wählt seinen Schlächter selbst
Das Thema Brexit ist tragisch und sehr relevant, aber durch dieses ad absurdum führen des ganzen Ausstiegs-Prozesses und damit auch der britischen Repräsentation, national wie auch auf europäischer und globaler Ebenen ist es wirklich nur noch ratsam das ganze erstmal irgendwie über die Bühne zu bringen... Ein neuer Volksentscheid wäre ratsam, denn die Tragweite der Abstimmung von vor 3 Jahren war nicht absehbar. We will see...
s.l.bln 19.06.2019
4. Ähh...
Zitat von volker_moralesSorry, aber eigentlich steht das Ergebnis doch schon fest. Gewählt wird, wer am Ende bereit ist, den harten Brexit zu verkünden. Im Zeifel also Boris Johnson. Die Briten wollen ähnlich wie die US-Amerikaner mehrheitlich die Möglichkeit, durch Sozialdumping ihren Lebensstandard zu erhöhen. Und das wird Ihnen mittelfristig auch gelingen, weil die EU dem auf Dauer nichts entgegen zu setzen hat. Und Deutschland allein wird die sozialen Lasten der EU jedenfalls nicht auch schultern können.
...wie steigert man denn durch Sozialdumping den Lebensstandard, sofern wir nicht von den wenigen Profiteuren auf der Arbeitgeberseite reden? Grade die Brexitbefürworter träfe das am Härtesten. Davon abgesehen bedeutet Johnsons Wahl mitnichten, daß der harte Brexit kommen muß, denn den hat das britische Parlament per Mehrheitsbeschluß von der Liste der Optionen gestrichen. Johnson muß dort genauso Mehrheiten finden, wie May das erfolglos versucht hat. Wie soll das mit nicht mehrheitsfähigen Positionen funktionieren? Der harte Brexit ist denkbar, aber auch mit Johnsons Wahl zum Parteivorsitzenden der Torys nicht wahrscheinlicher als die Rücknahme des Austrittsgesuches. Ist ja nicht so, als würde dort grade ein Kaiser gewählt.
irobot 19.06.2019
5.
Zitat von volker_moralesSorry, aber eigentlich steht das Ergebnis doch schon fest. Gewählt wird, wer am Ende bereit ist, den harten Brexit zu verkünden. Im Zeifel also Boris Johnson. Die Briten wollen ähnlich wie die US-Amerikaner mehrheitlich die Möglichkeit, durch Sozialdumping ihren Lebensstandard zu erhöhen. Und das wird Ihnen mittelfristig auch gelingen, weil die EU dem auf Dauer nichts entgegen zu setzen hat. Und Deutschland allein wird die sozialen Lasten der EU jedenfalls nicht auch schultern können.
Nur leider hat das britische Parlament diesen Weg ausdrücklich ausgeschlossen. Das Problem ist, dass die genau wissen, was sie nicht wollen, aber keine keine Ahnung haben, was sie wollen. Meine Prognose: die diskutieren noch in 10 Jahren darüber, wie sie aus der EU austreten wollen.
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