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14. Juni 2019, 12:45 Uhr

Tory-Machtkampf

Matt Hancock zieht Kandidatur für May-Nachfolge zurück

Nach der ersten Abstimmungsrunde bei den britischen Tories mussten bereits drei Kandidaten ihre Ambitionen auf das Amt des Premierministers beerdigen. Nun steigt ein weiterer Bewerber aus dem Rennen aus.

Er war der jüngste unter den Kandidaten - und warb für einen gemäßigten Kurs beim Brexit: Jetzt hat Matt Hancock seine Bewerbung für die Nachfolge von Theresa May als britischer Premierminister zurückgezogen. Er sei als "Kandidat für die Zukunft" angetreten, teilte der Gesundheitsminister zurück. "Aber verständlicherweise suche die Partei nach einem Kandidaten für die einzigartigen Umstände, denen wir nun gegenüberstehen."

Die Tories wählen nach Mays Rücktritt in einem mehrstufigen Verfahren einen neuen Parteichef. Dieser übernimmt dann automatisch auch den Posten als Regierungschef. Am Donnerstag kamen die Unterhausabgeordneten der Konservativen zu einer ersten Abstimmungsrunde zusammen. Dabei landete der umstrittene Ex-Außenminister und Topfavorit Boris Johnson überraschend deutlich auf Rang eins. Der für seine Skandale bekannte Brexit-Hardliner holte 114 Stimmen - 105 bräuchte er am Ende, um sich als einer von zwei verbliebenen Bewerbern dem Votum der Basis stellen zu können.

Video: "Es wird sehr schwer für Johnsons Gegner"

Entschieden ist zwar noch nichts. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind weitere Abstimmungsrunden in der Fraktion angesetzt. Schritt für Schritt werden die erfolglosesten Kandidaten ausgesiebt. Als erste mussten die Außenseiter Mark Harper, Esther McVey und Andrea Leadsom gehen. Damit blieben zunächst sieben Bewerber übrig - nach Hancocks Rückzug sind es noch sechs.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kandidaten, die die in der jeweiligen Runde erforderliche Stimmzahl erreicht haben, trotzdem aufgeben. Wer selbst keine Hoffnungen mehr hat, versucht auf diese Weise oftmals, einen anderen, ihm nahestehenden Kandidaten zu unterstützen. Hancock hatte in der Abstimmung 20 Stimmen geholt. 17 waren nötig, um weiterzukommen.

Im Lager der Johnson-Kritiker laufen nun intensive Gespräche darüber, wie man den Populisten am ehesten stoppen könnte. Hancock, der von Beginn an nicht zu den Favoriten zählte, kündigte an, er wolle nun mit den anderen Kandidaten reden.

kev/Reuters

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