Großbritannien Uran-Munition in Schießständen


London - Die britische Regierung wusste angeblich schon seit zehn Jahren, dass Soldaten durch den Einsatz uranhaltiger Munition im Golfkrieg und auf dem Balkan gefährdet waren. Dies räumte das Verteidigungsministerium nach Presseberichten ein. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte, dass Uran- Munition auch bei Übungen auf Schießplätzen in Großbritannien eingesetzt worden ist. Weiter sagte er, die Munition werde seit 1990 in Eskmeals, Cumbria und in Solway Firth in Schottland verwendet. Experten hätten keine Hinweise auf mögliche Schädigungen von Soldaten, Zivilisten oder der Natur gefunden.

Der Verteidigungsausschuss des Unterhauses kündigte unterdessen eine Anhörung über die Auswirkungen des so genannten Balkan-Syndroms an. Die britische Regierung hatte sich bisher allen Forderungen widersetzt, die möglicherweise betroffenen Soldaten medizinisch untersuchen zu lassen. Nach wie vor heißt es offiziell, das Risiko der Verseuchung werde gering eingeschätzt. Falls sich diese Einschätzung durch die Vorlage neuer "Beweise" ändern sollte, wäre die Regierung allerdings bereit, sich dem Problem nochmals anzunehmen.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Bruce George, betrachtet eine parlamentarische Untersuchung dagegen als dringlich. Er dürfe nicht zugelassen werden, dass die Regierung sich diesmal genau so zögerlich verhalte wie bei den Beschwerden von Golfkriegsveteranen, die seit Jahren über verschiedene Krankheitssymptome berichteten. Bei seiner ersten Sitzung am 10. Januar werde der Ausschuss voraussichtlich auch den Verteidigungsminister zur Anhörung laden, sagte George.





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