Weihnachtsbotschaften vor Brexit May und Queen Elizabeth wünschen sich Einigkeit der Briten

Nächstes Jahr soll Großbritannien aus der Europäischen Union ausscheiden. Sowohl die britische Premierministerin May als auch Queen Elizabeth nutzen ihre Weihnachtsbotschaften, um für ein harmonisches Miteinander zu werben.

Queen Elizabeth
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Hinter der britischen Premierministerin Theresa May liegen anstrengende Monate, das spiegelt sich auch in ihrer Weihnachtsbotschaft. Angesichts der "bitteren Spaltung" zwischen Brexit-Befürwortern und Brexit-Gegnern im Land rief sie die Abgeordneten des Parlaments auf, dem mit Brüssel ausgehandelten Abkommen zum Austritt aus der Europäischen Union zuzustimmen, um der Regierung die Arbeit an wichtigen innenpolitischen Herausforderungen zu ermöglichen.

Weiter rief May alle Bürger zur Einigkeit im kommenden Jahr auf und warnte vor einem weiteren Auseinanderdriften der Gesellschaft. "Ich weiß, wenn die Briten zusammenkommen, gibt es keine Grenzen dessen, was wir erreichen können", schrieb May im "Daily Express".

Jetzt sei die Zeit gekommen, schrieb May, die Differenzen beiseite zu legen und sich um das zu kümmern, "worauf es wirklich ankommt". Sie vertrat die Ansicht, die "große Mehrheit" der Menschen befürworte ein Ende der Auseinandersetzungen um den Brexit und sei dafür, dass sich Politiker um andere wichtigen Fragen kümmerten.

Auch die Queen sprach in ihrer Weihnachtsbotschaft allgemein die Notwendigkeit an, Differenzen aufzugeben. Der Respekt anderen Menschen gegenüber sei "ein guter erster Schritt zum besseren Verstehen", zitierte die Agentur PA vorab aus der bereits aufgezeichneten Ansprache von Queen Elizabeth II., die am Weihnachtstag ausgestrahlt werden soll.

Den Brexit spricht die Monarchin nicht an, da sie sich als Staatsoberhaupt zu Fragen der aktuellen Politik neutral verhält. Auch den missglückten Besuch von US-Präsident Donald Trump in diesem Jahr ließ sie unkommentiert. In Bezug auf die Geburt von Jesus Christus sagte sie: "Ich glaube, seine Botschaft von Frieden auf der Welt und Wohlwollen für alle hat immer noch Gültigkeit". Diese werde heute so sehr wie noch nie gebraucht.

Die britische Monarchin richtete auch ein paar persönliche Worte an ihr Publikum: "In den letzten Jahren habe ich viele Veränderungen miterlebt, und in dieser Zeit waren der Glaube, Familie und Freunde nicht nur eine Konstante für mich, sondern auch eine Quelle des persönlichen Wohlbefindens und Bestätigung."

Großbritannien wird die Europäische Union voraussichtlich am 29. März 2019 verlassen. Sollte bis dahin kein Abkommen über den Austritt in Kraft treten können, drohen Tausende Regelungen für den Handel und Verkehr zwischen Großbritannien und der EU über Nacht ungültig zu werden. Im britischen Parlament, wo zur Zeit keine Mehrheit für das Brexit-Abkommen erkennbar ist, soll im Januar abgestimmt werden.

vks/dpa

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insgesamt 58 Beiträge
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mr_bond 24.12.2018
1. Hä-ho-ho!?
In welcher Welt leben eigentlich die Politiker, re auch Frau May. All die grossen Egos in der Politik wünschen sich über die Festtage plötzlich Harmonie vom Volk aber selber wollen sie sich keinen Millimeter bewegen. Auch nicht wenn 1000e von Briten für ein 2. Referendum auf die Straße gehen. Politik wird immer mehr ein Synonym für Heuchelei.
thorgur 24.12.2018
2. Aktuelles Verhalten zeugt nicht grade von Harmonie
Der Brexit und auch die Verwerfungen innerhalb GBs zeugen nicht grade von Harmonie. GB ist gespalten. In die, welche inder Vergangenheit leben und leben wollen (Brexiteers) und jene, welche in die Zukunft blicken. Aber das ist nicht nur in GB so, auch in vielen anderen Ländern sieht man diese Entwicklung (USA z.b., aber auch in Deutschland gibt es solche Bewegungen, AfD...). Es ist schade, da die Briten uns wesentlich näher sind als viele andere Länder. Aber vielleicht schaffen sie es in Zukunft ja noch endlich Ihren Traum vom Empire aufzugeben und nicht mehr in der Vergangenheit zu leben. Der Brexit muss ja nicht für immer sein.
enfield 24.12.2018
3. Unfassbar
Wenn man eine grundlegende und fast alle persönlich betreffende Entscheidung auf Grundlage einer knappen Mehrheit der Teilnehmer(!) eines nicht-bindenden Referendums trifft und ohne Rücksicht auf Verluste versucht stur durchzuziehen über die Köpfe mindestens der Hälfte der Wahlberechtigten, auf Lügen und Chaos aufgebaut, ohne sie überhaupt anzuhören, dann frage ich mich ernsthaft warum die verantwortliche Regierungschefin eine Spaltung beklagt. Es ist doch offensichtlich dass die Spaltung wenn nicht gewollt, dann aber mindestens bewusst von der Regierung inkauf genommen wird. So eine Heuchelei ist unfassbar. Und nein, bevor hier jemand mit Demokratie kommt: Dass sich eine (angebliche/scheinbare) knappe Minderheit einer Mehrheit einfach sang- und klanglos unterzuordnen hat und ihre Stimme aufgibt, ist NICHT demokratisch. Schöne Weihnachten.
w.diverso 24.12.2018
4. Vielleicht sollte die Queen
und natürlich auch Frau May sich mal an die Politiker des Landes wenden. Und zwar an die diese Diskussion so angeheizt haben. Da haben sich ja einige fast so unverantwortlich wie Trump in Amerika verhalten. Wenn man jetzt selbst bei etwas weniger polarisierenden Seiten wie die der BBC die Leserkommentare liest, glaubt man teilweise wir sind schon im Krieg. Wenn aber die Politiker gemässigt auftreten würden, wäre auch die Bevölkerung nicht ganz so dumm aggressiv. Aber zusehen wie Johnson, Farage und Rees-Moog die Leute jahrelang anheizen, und dann auf Beruhigung der Bevölkerung machen, ist eine mehr als schlechte Performance der Queen und Frau May.
biesi61 24.12.2018
5. Nimmt sich Frau May eigentlich selbst noch ernst?
Der erste Schritt zur Einigung der Briten wäre, das durch wahre Orgien an Lügen und Hetze durch selbstherrliche, das Wahlvolk verachtende Politiker und extremrechte Pressekonzerne herbei manipulierte Brexit-Votum auf Basis der inzwischen ermittelten Fakten zu wiederholen. Dann hätte der ganze, von Tag zu Tag lächerlicher und erbärmlicher werdende Zirkus sofort ein Ende!
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