Kommunalwahlen Briten strafen Tories und Labour ab

Quittung für das Brexit-Chaos? Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien zeichnen sich deutliche Verluste für die beiden großen Parteien ab. Das Endergebnis dürfte erst am Abend feststehen.
Im Rathaus der Stadt Hull werden Stimmen ausgezählt

Im Rathaus der Stadt Hull werden Stimmen ausgezählt

Foto: Chris Attridge/PA Wire/dpa

Bei den britischen Kommunalwahlen sind die regierenden Tories und die größte Oppositionspartei Labour abgestraft worden. Beide Parteien fuhren bei den Abstimmungen in weiten Teilen Englands und Nordirlands erhebliche Verluste ein.

Nach Auszählung von knapp der Hälfte der Stimmen büßten die Tories 443 Gemeinderatssitze ein, berichtet die BBC. Labour konnte von dieser Schwäche jedoch nicht profitieren; die Partei verlor 78 Sitze. Stattdessen legten die Brexit-Gegner von Grünen und Liberalen sowie unabhängige Kandidaten zu.

Premierministerin Theresa May wertete das Ergebnis als Ausdruck der Frustration mit den Verzögerungen beim Brexit. Die Wähler verlangten sowohl von ihrer Partei als auch von Labour, dass sie den Brexit "liefern", so May. Ähnlich äußerte sich Labour-Chef Jeremy Corbyn. Das Parlament müsse einen "Deal hinbekommen", um die EU zu verlassen.

Eigentlich hätte Großbritannien die EU bereits Ende März verlassen sollen. Die Brexit-Frist wurde inzwischen aber bis zum 31. Oktober verlängert, nachdem May dreimal im Parlament mit ihrem Austrittsabkommen gescheitert war.

Eine Bestrafungsaktion der Wähler

Politikwissenschaftler John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow sprach von einer Bestrafungsaktion der Wähler: "Die Labour-Partei verliert dort, wo sie historisch stark ist. Und die Konservativen verlieren dort, wo sie historisch stark sind."

Damit stellt sich auch einmal mehr die Frage nach der Zukunft von Theresa May. Wahlforscher rechneten damit, dass die Tories etwa 800 Sitze verlieren könnten. Das endgültige Ergebnis sollte erst am Freitagabend feststehen. In Schottland, Wales und auch in London wurde nicht gewählt.

Insgesamt ging es bei den Wahlen um mehr als 8000 Sitze lokaler Gremien. Gewählt wurde in 248 englischen Bezirken. In einigen davon ging es darum, alle Sitze neu zu vergeben, in anderen stand nur ein Teil zur Wahl. In Nordirland wurden die Gremien in allen elf Bezirken des Landesteils komplett neu besetzt. In sechs mittelgroßen und kleineren Städten wurden zudem neue Bürgermeister bestimmt.

Die neu gegründete Brexit-Partei des Ex-Ukip-Chefs Nigel Farage durfte noch nicht an den Kommunalwahlen teilnehmen. Sie führt bereits Wochen nach ihrer Gründung die Umfragen zur Europawahl Ende Mai an.

asa/dpa/AFP
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