Camerons Triumph in Großbritannien Die Last des Siegers

Klare Sache in Großbritannien. Premier Cameron darf weitermachen, seine Konkurrenten haben sich blamiert. Doch bei allem Siegesjubel der Konservativen: Leichter wird das Regieren nun nicht.
Camerons Triumph in Großbritannien: Die Last des Siegers

Camerons Triumph in Großbritannien: Die Last des Siegers

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS

Von wegen knappes Rennen, von der versprochenen Spannung war bei dieser Wahl in Großbritannien wenig zu spüren. In den Vorabumfragen hatten die Demoskopen noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das britische Unterhaus vorhergesagt. Wochenlange, zähe Verhandlungen um die Regierungsbildung wurden heraufbeschworen.

Am Ende ging es dann sehr schnell: ein ziemlich komfortabler Sieg für die amtierenden Tories - und ein Wahltag zum Vergessen für die Konkurrenz.

Nach der Auszählung von mehr als 635 der 650 Wahlbezirke zeichnet sich ab, dass die Konservativen sogar die absolute Mehrheit erreichen. Schon in den Nachwahlbefragungen wurde dieser Trend deutlich, Labour-Politiker und Liberaldemokraten reagierten schockiert.

Alle Überlegungen zu möglichen Koalitionen sind damit hinfällig, komplizierte und langwierige Verhandlungen wird es nicht geben. Cameron verfügt mit mindestens 325 Sitzen schon jetzt über eine eindeutige Mehrheit. Und es wird immer noch gezählt.

Für den amtierenden Premier war es eine Nacht, an die er sich gern erinnern wird. Wahlkreis für Wahlkreis wurde verkündet, die Zahl der Sitze für die Konservativen stieg und stieg. Und mit ihr die Stimmung bei Cameron. Als dann sein Einzug ins Unterhaus offiziell bekannt gegeben wurde, präsentierte sich der 48-Jährige strahlend: "Es ist eine starke Nacht für die konservative Partei", sagte er. Seine Worte klangen bereits wie die offizielle Regierungserklärung, nur noch etwas verfrüht. Mit Blick auf den großen Erfolg der schottischen Nationalpartei sagte er dann: "Ich will unser Vereinigtes Königreich zusammenbringen."

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Sieg für die Tories: Das war die Wahlnacht

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Bei allem Jubel: So richtig entspannt dürfte es für den Tory-Chef in Westminster nicht werden. Der Vorsprung ist knapp - nach jetzigem Stand drei Sitze. Schon einige wenige Abweichler könnten Cameron das Regieren schwer machen. Und der rechtskonservative Flügel in seiner Partei ist stark. Schon oft haben ihm die Hardliner aus den eigenen Reihen in der Vergangenheit dazwischengefunkt.

Anti-Europa-Stimmung bleibt ein Problem für Cameron

Dieser Flügel dürfte sich auch durch den Erfolg der UK Independence Party (Ukip) bestätigt fühlen. Die Partei erreichte zwar nur einen Sitz im Parlament aufgrund des Mehrheitswahlrechts, prozentual kommt sie jedoch auf 13 Punkte und ist damit drittstärkste Kraft. Trotzdem erklärte Ukip-Chef Nigel Farage am Freitag seinen Rücktritt. Den hatte er angekündigt, für den Fall, dass er selbst den Sprung ins Parlament verpasst. Genau das ist nun passiert: Farage konnte sich in seinem Wahlkreis nicht durchsetzen.

Das insgesamt starke Ukip-Ergebnis zeigt: Die Anti-Europa-Stimmung auf der Insel ist sehr real - und ein Problem für Cameron. Zumindest in Europafragen wird er den Druck der Hinterbänkler in den eigenen Reihen zu spüren bekommen, noch stärker als bisher. Das EU-Referendum kommt jetzt auf jeden Fall. Auf der Insel wird schon gemunkelt: möglicherweise sogar früher als geplant, vielleicht schon vor 2017.

Im Zweifel - wenn es also um intern strittige Themen wie EU-Migration geht - könnte Cameron bei Gegenwind aus der eigenen Partei doch noch auf die Stimmen seines ehemaligen Koalitionspartners, der Liberaldemokraten, angewiesen sein.

Miliband ist abgeschrieben, Clegg auch

Ein schwacher Trost für die Lib Dems, der ehemalige Juniorpartner ist der klare Verlierer dieser Wahl und büßte satte 46 Sitze ein. Die Liberalen sind bei Weitem nicht mehr so schlagkräftig wie noch vor fünf Jahren: Nick Clegg konnte sich nicht behaupten, die SNP-Chefin Nicola Sturgeon hat ihm die Show gestohlen. Nun wurden die Liberaldemokraten für ihre Koalition mit den Tories abgestraft: Ihnen bleiben nur noch knappe acht Prozent, vorher waren es 23 Prozent. Auch Clegg wird sein Amt abgeben.

Abgeschrieben ist sein Herausforderer Ed Miliband: Der Labour-Chef muss empfindliche Verluste verkraften. Noch in der Nacht zum Freitag wurden Spekulationen über dessen baldigen Rücktritt laut. Miliband holte zwar sein Mandat fürs Unterhaus, wirkte jedoch enorm angespannt, als das Ergebnis verkündet wurde. "Das war wirklich eine sehr enttäuschende und schwierige Nacht für Labour", sagte er und spielte nervös an seinem Ring. Am Freitag wählte er dann auf Twitter noch deutlichere Wort: "Verantwortlich für das Ergebnis bin ich allein." Gegen Mittag erklärte er dann seinen Rücktritt vom Amt des Labour-Chefs.

Während es bei der Konkurrenz noch ums Wundenlecken geht, schwärmt Cameron vom "süßesten Sieg von allen" - und bereitet sich auf einen besonderen Termin vor. Noch am Freitagmittag soll er die Queen treffen. Sie wird ihn erneut mit der Regierungsbildung beauftragen.

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