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+++ Liveticker zu den Parlamentswahlen +++ Wenn sich Johnson sogar Grimsby greift

Noch vor wenigen Tagen war Boris Johnson vor Ort - es hat geholfen: Die Küstenstadt Grimsby, die Labour seit 1945 hielt, wählte jetzt konservativ. Der EU-Frust ist hier besonders groß. Alles Wichtige im Liveblog.
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    Das Wichtigste zur Briten-Wahl in Kürze:

    Der konservative Premier Boris Johnson, der nur auf den Brexit als Thema setzte, holt einen Erdrutschsieg und deutlich mehr als 360 Mandate.

    Jeremy Corbyn, Chef der Labour-Partei, erlebt ein Debakel und verlor mehr als 50 Mandate - das schlechteste Labour-Resultat nach dem Zweiten Weltkrieg.

    In Schottland triumphiert die Regionalpartei Scottish National Party (SNP), die gegen den Brexit und für eine mögliche Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich eintritt. Sie erringen 48 Sitze (+ 13).

    Klar gegen den Brexit stellten sich als landesweit angetretene Partei fast nur die Liberal-Demokraten (LibDems). Auch sie büßten ein Mandat ein.

    Den aktuellen Stand zeigt Ihnen die Ergebnis-Grafik.
  • 12/13/19 11:32 AM
    Unser Korrespondent Jörg Schinder kommentiert das Ergebnis so: Die Wähler sind dem Demagogen Boris Johnson einmal mehr auf den Leim gegangen, Die Gänse haben für Weihnachten gestimmt.

    Damit verabschiede ich mich, und wünsche einen schönen Nachwahltag mit einer jetzt glasklaren Mehrheit im neuen britischen Unterhaus: für die Tories, die Konservativen und für ihren Chef, Boris Johnson.

    Wer im Königreich wie abgestimmt hat, was nun aus der Labour-Partei und aus dem Brexit wird, lesen sie im Lauf des Tages in kundigen Analysen bei uns. Bleiben Sie dran!
  • 12/13/19 11:13 AM
    Es gibt tatsächlich einen (1!) Wahlkreis von 650, welchen Labour den Tories abluchsen konnte: Kandidatin Fleur Anderson schlug Will Sweet im Londoner Bezirk Putney aus dem Feld.

    Die bisherige Putney-Abgeordnete Justine Greening (Tories) war sogar mal im Kabinett von Theresa May. Sie stellte sich gegen einen harten Brexit ohne Abkommen - und wurde prompt aus ihrer Tory-Fraktion ausgeschlossen.

    Im Herbst 2019 erklärte sie daraufhin, nicht mehr zu kandidieren.
    • Fleur Anderson, wohl einzige Labour-Gewinnerin an einem schwarzen Tag für ihre Partei Fleur Anderson, wohl einzige Labour-Gewinnerin an einem schwarzen Tag für ihre Partei
  • 12/13/19 10:58 AM
    Boris Johnson ist am Buckingham Palace vorgefahren. In Kürze trifft der alte und neue Premier die Königin, allerdings soll vom Inhalt ihres Zwiegesprächs nichts nach außen dringen - ist so Tradition.

    Beim Antritt als Regierungschef bei Elizabeth II. gab es immerhin dieses hübsche Foto:
    • Historisches Bild vom 24. Juli, als Johnson von Elizabeth II. zum Premier ernannt wurde AFP Historisches Bild vom 24. Juli, als Johnson von Elizabeth II. zum Premier ernannt wurde
  • 12/13/19 10:35 AM
    Weiteres Sinnbild für den Johnson-Triumph: Die Fischereistadt Grimsby war seit 1945 eine Labour-Hochburg an der Ostküste.

    Dort schnappte sich Johnson vor wenigen Tagen erst einen Fisch bei einem seiner gut inszenierten Wahlkampfauftritte - und jetzt den ganzen Greater-Grimsby-Wahlkreis.

    Die bisherige Labour-Abgeordnete Melanie Onn, die den Kreis 2015 und 2017 gewann, büßte 7000 Stimmen ein. Lia Nici, die Herausforderin der Tories, lag am Ende mit 18.150 Votes knapp 8000 Stimmen vorne.

    Im Brexit-Referendum hatten hier rund 70 Prozent für Leave gestimmt. Der "Economist" hat beschrieben, wie vor der Automatisierung der Fischindustrie auf einen Fischer acht Arbeiter an Land kamen.

    Heute ist die Arbeitslosigkeit im britischen Vergleich hoch, die Menschen fühlen sich von London im Stich gelassen. Das Magazin hatte die Labour-Niederlage prophezeit. Wie deutlich sie ausfiel, dürfte auch die Kandidatinnen überrascht haben.
    • Frische Fische und Boris Johnson (Credit: Reuters) Frische Fische und Boris Johnson (Credit: Reuters)
  • 12/13/19 10:21 AM
    Was ist mit dem 650. Wahlkreis los? Seit mehr als einer Stunde sind alle bis auf einen Wahlbezirk ausgezählt, es fehlt: St. Ives im Südwesten Englands. Dazu gehören mehrere Inseln, von denen die Wahlzettel wegen schlechten Wetters zunächst nicht in die Auszählungszentrale gebracht werden konnten. Der Wahlkreis war Tory-blau, er dürfte es bleiben.
  • 12/13/19 10:14 AM
    Das müssen wir noch nachliefern: Die LibDems, die einzige echte Anti-Brexit-Partei, verlor Mandate - und eine der Verliererinnen war ausgerechnet Spitzenkandidatin Jo Swinson. Ihr Amt übernehmen zunächst ihr Stellvertreter Ed Davey und die Parteipräsidentin Sal Brinton. Neue Wahlen zum Parteivorsitz sollen im kommenden Jahr stattfinden.
  • 12/13/19 9:51 AM
    Gratulation von der Bundesregierung und deren Chefin, Angela Merkel, und vom Wahlbriten Boris Becker.

    "Herzlichen Glückwunsch, Boris Johnson, zu diesem klaren Wahlsieg", zitierte Regierungssprecher Steffen Seibert die Kanzlerin. Sie freue sich "auf unsere weitere Zusammenarbeit für die Freundschaft und enge Partnerschaft unserer Länder".

    Tennis-Star Becker fasste sich kürzer:
  • 12/13/19 9:08 AM
    Mit am besten illustriert die Wählerwanderung von Rot nach Blau - also von Corbyns Labour zu Johnsons Tories - was da in Großbritannien passiert ist: Die Konservativen nahmen der Arbeiterpartei 54 Wahlkreise ab.

    Aber das sind nur Zahlen. Am besten zeigt es diese Grafik der "Times": fast alle Pfeile auf Blau, nur die Richtung irritiert. Raus aus der EU geht es doch nach links...?


  • 12/13/19 8:38 AM
    Ein Blick auf die britischen Twitter-Trends zeigte in der Nacht den Hashtag #YouthQuake ganz oben, vor allem stand das in Pro-Labour-Tweets.

    Insgesamt ist die Wahlbeteiligung verglichen mit 2017 allerdings zurückgegangen, sie fiel von 68,8 auf 67,3 Prozent.

    Vor dem Hintergrund wird die Altersaufschlüsselung interessant sein: Hat sich nun auch die Jugend von Labour abgewandt? Oder ging sie einfach nicht zur Wahl?

    Ein Beben erlebte Labour zwar, aber es hat die ehemals stolze Arbeiterpartei sehr stark beschädigt - und ließ fast keinen Stein auf dem anderen.
  • 12/13/19 7:59 AM
    Zeit, ins Detail zu gehen: Die Grünen konnten ihr Direktmandat verteidigen, im schnuckeligen Brighton Pavillion. Caroline Lucas holte 33.000 der rund 57.000 abgegeben Stimmen. Landesweites Grünenergebnis: bescheidende 2,7 Prozent.
  • 12/13/19 7:34 AM
    An diejenigen, die ein weiteres Referendum über den EU-Austritt forderten, sagte Johnson, sie sollten nun endlich Ruhe geben. An die "Freunde im blauen Hut mit den Sternen" und "mit dem Megafon": "Das war's. Haltet jetzt den Mund."

    Natürlich wählte Johnson eine griffige britische Wendung, die im Königreich jeder versteht, unabhängig von Klasse oder Schulabschluss. "Put a sock in it" - Stopf Dir ne' Socke rein. Das ist der Boris-Johnson-Sound.
  • 12/13/19 7:29 AM
    Nun spricht der Wahlsieger Boris Johnson live. Er habe nun das Vertrauen, "von Menschen, die noch nie konservativ gewählt haben". Menschen, "die den Wandel gewählt" hätten - sagt der amtierende Regierungschef. Wandel heißt für Johnson natürlich keinen Machtwechsel, sondern den Austritt aus der EU. "Lasst uns den Brexit machen - ohne wenn, ohne aber, ohne vielleicht." Der Brexit komme ganz sicher zum 31. Januar.
  • 12/13/19 6:54 AM
    Kennt jemand Michael Foot? Er war Anfang der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts Labour-Chef und hielt bislang einen traurigen Labour-Rekord: schlechtestes Ergebnisses nach dem Zweiten Weltkrieg, mit 209 Sitzen im Jahr 1983.

    Es steht nun schon fest: Jeremy Corbyn war schlechter. Es sind noch drei Wahlkreise auszuzählen, Labour steht bei 203 Sitzen. Ein Minus verglichen mit dem Ergebnis von 2017 von mehr als 50 Mandaten. Umso erstaunlicher, dass er bisher einen sofortigen Rücktritt ablehnt.



  • 12/13/19 6:33 AM
    Indirekt kündigt Sturgeon ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum an. Die Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) sagte, Johnson habe "erstens kein Recht, Schottland aus der EU zu nehmen und zweitens kein Recht zu verhindern, dass das schottische Volk über seine eigene Zukunft bestimmt".
  • 12/13/19 6:30 AM
    Größter Gewinner neben Premier Johnson: Schottlands Nationalisten. SNP-Chefin Sturgeon deutet das Votum als Mandat für eine Abspaltung Schottlands aus dem Vereinigten Königreich.

    Sturgeon bei der BBC: "Es gibt jetzt ein Mandat, den Schotten eine Wahl über ihre Zukunft zu geben. Johnson mag ein Mandat haben, England aus der EU zu führen. Er hat eindeutig kein Mandat, Schottland aus der Europäischen Union zu führen.“

    Und sie wiederholt ihren klaren Wahlkampfslogan: "Wir wollen keine Brexit." Wir, das heißt bei Sturgeon natürlich: Wir Schotten.



  • 12/13/19 6:29 AM
    Begeistert hingegen: Donald Trump

  • 12/13/19 6:27 AM
    Der britische "Guardian" - bekanntlich eher links-liberal - ist offenbar zutiefst schockiert und ein wenig off the rails. Sie haben das hier veröffentlicht (Danke an die SZ-Kollegin für das "Fundstück"):
  • 12/13/19 6:22 AM
    Mit Hoffnung blickten einige Johnson-Gegner auf den Wahlkreis Uxbridge & South Ruislip, in dem Premier Boris Johnson sein Mandat für Konservativen verteidigen musste. Er hat es locker geschafft:
  • 12/13/19 6:17 AM
    In den Worten der -von den schottischen Nationalisten der SNP geschlagenen - Liberalenchefin Swinson klingt Verbitterung mit. Sie sagte in einem ersten Statement:

    "Es ist eine gute Nacht für die SNP. Einige werden die Welle des Nationalismus auf beiden Seiten der Grenze [Schottlands] feiern. Es sind entscheidende Ergebnisse für die Zukunft unseres Landes. Aber lassen Sie mich sagen: Für Millionen in unserem Land wird dieses Ergebnis Angst und Schrecken bringen, die Leute suchen aber Hoffnung."
  • 12/13/19 6:05 AM
    Wegen des "First-past-the-post"-Systems, in dem nach britischem Wahlrecht der Kandidat mit einer relativen Mehrheit, und sei sie noch so knapp, einen Wahlkreis gewinnt, ist die gesamte Stimmverteilung wenig relevant. Dennoch lohnt ein Blick auf die Gesamtstimmung. Stand nach fast kompletter Auszählung:

    Tories: 44 Prozent
    Labour: 32 Prozent
    LibDem: 11 Prozent
    SNP: 4 Prozent
    Grüne: 3 Prozent
    Brexit-Party: 2 Prozent
  • 12/13/19 6:00 AM
    Das Resultat für Labour ist niederschmetternd. Wie sehr, zeigt ein Vergleich der BBC mit früheren Labour-Niederlagen, in Klammern die jeweiligen Spitzenkandidaten:

    2017 (Corbyn): 262
    2015 (Miliband): 232
    2010 (Brown): 258
    1987 (Kinnock): 232

    Und derzeit, 639 von 650 Wahlkreise sind ausgezählt, steht Labour bei 202 Mandaten! Und da wird fast nichts mehr dazukommen.
  • 12/13/19 5:48 AM
    So sieht das Resultat für das Vereinigte Königreich auf der BBC-Wahlkreiskarte aktuell aus: Blau sind die Konservativen (Tories) Gelb sind die Schotten-Nationalsten (SNP), Rot die Labour-Partei, Orange die Liberal-Demokraten (Lib Dem).
    • Rotes London, blaues England, gelbes Schottland -Stand der bislang ausgezählten Wahlkreise bei der BBC Rotes London, blaues England, gelbes Schottland -Stand der bislang ausgezählten Wahlkreise bei der BBC
  • 12/13/19 5:37 AM
    Die Liberal-Demokraten (LibDem) - die einen klaren Anti-Brexit-Kurs vertraten - konnten nicht zulegen, und für ihre Parteichefin Jo Swinson ist die Wahl ein Schock. Sie verlor ihr Mandat an den zweiten Wahlgewinner des gestrigen Tages: die schottischen Nationalisten der SNP und ihre Kandidatin Amy Callaghan im Wahlkreis Dunbartonshire East. Es fehlten ihr 149 Sitze, und Swinson ist entsprechend bedient.
  • 12/13/19 5:24 AM
    Die aktuellen Zahlen des SPIEGEL sehen sie hier auf einen Blick.


  • 12/13/19 5:20 AM
    Der aktuelle Stand für Labour: Die "Roten" stehen aktuell bei MINUS 56 Mandaten. Die Partei Corbyns, die ihre Haltung zum Brexit nie wirklich geklärt hat. Labour geht unter. Mittlerweile sind 95 Prozent der Wahlkreise ausgezählt.
  • 12/13/19 5:14 AM
    Die Mehrheit wächst weiter, jetzt sind es 333 Sitze für die Konservativen, das zeigt die aktuelle BBC-Grafik auf deren Homepage.
  • 12/13/19 5:09 AM
    Jetzt ist es offiziell:

    Die Konservativen von Boris Johnson haben die absolute Mehrheit.

    Mindestens 330 Sitze gehen an die Tories. Die Oppositionspartei Labour ist schwer geschlagen, die "echte Opposition" sitzt jetzt in Schottland, bewertet ein Kommentator der BBC.
  • 12/13/19 5:07 AM
    Boris Johnson hingegen ist zum Tanzen aufgelegt:


  • 12/13/19 5:03 AM
    In London flossen bei Labour - veständlich - Tränen. Es sieht nach einem historischen Fiasko für die einst stolze Arbeiterpartei aus.
  • 12/13/19 4:47 AM
    Das Debakel für Jeremy Corbyn zeigt sich deutlich im ganzen Land. England ist fst völlig blau. In Schottland konnte Labour Partei nur ein Mandat gewinnen - in Edinburgh.

    Nun färbt die Scottish National Party den Norden fast einheitlich gelb. Das sind die Zahlen der 23-Uhr-Prognose der BBC.


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