Großdemo Mehrere Menschen sterben bei Protesten im Jemen

Bei Demonstrationen von Regierungsgegnern im Jemen sind mindestens sechs Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden. Offenbar haben Sicherheitskräfte in mehreren Städten auf Protestierende geschossen. Auch in Bahrain gingen erneut Zehntausende auf die Straße.

Demonstration gegen die Regierung in Sanaa:
REUTERS

Demonstration gegen die Regierung in Sanaa:


Sanaa - Beim gewaltsamen Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten im Jemen sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Sicherheitskräfte töteten in Sanaa und Mukkalla nach Angaben von Oppositionsvertretern und Ärzten zwei Demonstranten, unter ihnen ein zwölfjähriger Junge, ebenfalls in Sanaa habe ein "Scharfschütze" einen weiteren Menschen erschossen. Mehrere der Opfer wurden nach Angaben von Augenzeugen in den Kopf getroffen. Im Jemen gibt es seit Wochen Proteste gegen Präsident Ali Abdallah Saleh.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa stürmten Beamte ein Protest-Camp von Regierungsgegnern an der Universität der Hauptstadt. Nach Angaben der Organisatoren wurden dabei ein Mensch getötet. Weitere 300 Menschen wurden demnach verletzt, knapp 30 von ihnen durch Schüsse. Die anderen hätten durch den Einsatz von giftigem Gas durch die Sicherheitskräfte Schäden davongetragen. Die Behörden erklärten hingegen, sie hätten kein anderes Gas als Tränengas eingesetzt.

Später teilten mehrere Oppositionsvertreter mit, dass ein weiterer Mensch getötet worden sei, der sich einem Sit-in an der Universität von Sanaa habe anschließen wollen. Das Opfer habe einer Gruppe Jugendlicher angehört, die auf dem Weg zu der Demonstration von Sicherheitskräften abgefangen worden sei. Es sei durch den "Schuss eines Scharfschützen" getötet worden. Den Angaben zufolge war unklar, ob der Schütze zu den Sicherheitskräften gehörte. Gegen den Angriff auf Demonstranten in Sanaa demonstrierten in verschiedenen Orten Hunderte Menschen. In Aden wurden mehrere hundert Demonstranten auseinandergetrieben.

Angebot zu neuer Verfassung abgelehnt

Auch im südostjeminitischen Mukalla gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen regierungskritische Proteste vor. Ein zwölfjähriger Demonstrationsteilnehmer sei erschossen worden, erklärten Rettungskräfte und Augenzeugen. Fünf weitere Schüler wurden demnach bei dem Polizeieinsatz verletzt.

In der 200 Kilometer südlich von Sanaa gelegenen Stadt Tais kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden. "Sicherheitskräfte in Zivil schossen auf die Demonstranten", sagte einer der Rebellenführer. Am Vortag hatten landesweit so viele Menschen wie nie zuvor den Rücktritt Salehs gefordert. Sie lehnten sein Angebot zu einer neuen Verfassung ab.

Die Uno hatte am Freitag erklärt, dass seit Beginn der regierungskritischen Proteste im Jemen Ende Januar 37 Regierungsgegner und mindestens sechs Sicherheitskräfte getötet worden seien. Sie forderte die Regierung in Sanaa auf, den Tod der Demonstranten zu untersuchen. Der seit 32 Jahren herrschende Staatschef Saleh hatte am Donnerstag zugesichert, die Demonstranten zu schützen. Zudem kündigte er ein Referendum über Verfassungsänderungen an.

Erneut Großdemo in Bahrain

Auch im Königreich Bahrain versammelten sich am Samstag erneut Zehntausende Demonstranten. Die Oppositionsanhänger zogen vor einen Palast des Königs. In Safrija, nördlich der Hauptstadt Manama, protestierten mindestens 30.000 Menschen gegen das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte. Am Freitag waren bei einem Tränengaseinsatz der Polizei mehr als 700 Menschen verletzt worden.

Die Proteste in Bahrain werden vor allem von unzufriedenen Schiiten getragen. Rund zwei Drittel der Bewohner des Golfstaates sind Schiiten. Der Hof mit dem Monarchen Hamad bin Issa al-Chalifa an der Spitze sowie die Regierung sind hingegen sunnitisch.

Als Reaktion auf die Proteste in Ägypten und Tunesien hatten die Oppositionsanhänger in Bahrain Mitte Februar begonnen, auf Kundgebungen politische Reformen zu fordern. Die Demonstrationen waren in den vergangenen Wochen wiederholt eskaliert. Bislang kamen sieben Demonstranten bei Zusammenstößen ums Leben.

Bahrain ist für die USA von strategischer Bedeutung. Im Hafen von Manama liegt die 5. US-Flotte, die vor allem im Persischen Golf und im Indischen Ozean eingesetzt wird.

ore/wal/AFP/Reuters/dpa/dapd



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